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Corona-Mutation VUI2020/12/01 ist laut Hygiene-Experte Dr. Zinn vermutlich schon bei uns in Deutschland

Was Sie über die neue Corona-Variante wissen müssen

Hygiene-Experte Dr. Zinn: "Hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Mutation schon in Deutschland ist"

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Neue Mutation in Großbritannien bis zu 70 Prozent ansteckender

In Deutschland ist die neue Coronavirus-Variante, die sich derzeit in Großbritannien ausbreitet , nach Angaben von Christian Drosten bisher nicht aufgetaucht, schreibt der Coronavirus-Experte der Berliner Charité auf Twitter. Hygiene-Experte Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia geht aber von einer hohen Wahrscheinlichkeit aus, dass die Mutation schon in Deutschland angekommen ist. Was wir über die Mutation bisher wissen, lesen Sie hier.

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Wie ist die neue Virus-Variante entstanden?

Mitte September ist die Mutation erstmals aufgetaucht. Die neue Virus-Variante geht auf eine Mutation zurück. Entdeckt wurde sie bei einer Routineuntersuchung, so Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia: „Es gibt spezielle Virenreferenzzentren in allen Ländern und da werden regelmäßig die Virusstämme, die jeweils kursierenden Virusarten untersucht und im Rahmen dieser Untersuchung hat man diese Variante festgestellt.“ Solche Veränderungen im Erbgut von Viren seien ganz normal und vollziehen sich sehr häufig.

So hat die Wissenschaft bei Sars-CoV-2 bislang bereits rund 300.000 Mutationen nachgewiesen, wie der französische Gen-Forscher Axel Kahn hervorhebt. Mit dem Anstieg der Zahl der Infizierten wachse auch die Wahrscheinlichkeit und die Häufigkeit von zufälligen Mutationen des neuartigen Coronavirus. Die nun im Fokus stehende Virus-Variante unterscheidet sich insbesondere durch eine Mutation mit dem Namen N501Y am sogenannten Spike-Protein von Sars-CoV-2. Mit dieser stachelartigen Struktur an seiner Oberfläche heftet sich das Virus an menschliche Zellen, um dann in sie einzudringen.

Infizierte sollen den Unterschied, an welcher Virusart sie erkrankt sind, selbst nicht merken, so Dr. Zinn: „Das ist eine Infektion wie jede andere auch für den, der Infiziert ist. Die gute Nachricht ist, was wir bisher wissen, dass das Virus nicht gefährlicher ist, also schwerere Erkrankungen macht oder schwerere Lungenentzündungen. Es ist tatsächlich nur leichter zu verbreiten.“

Wo grassiert die neue Virus-Variante?

Nach Angaben des Virologen Julian Tang von der britischen Universität Leicester trat die Virus-Variante mit der N501Y-Mutation sporadisch schon vor einigen Monaten auf, nämlich im April in Brasilien, im Juni und Juli in Australien und im Juli in den USA.

Derzeit verursacht die Virus-Variante in Südengland und in der britischen Hauptstadt London einen massiven Anstieg der Corona-Infektionen. Seit ihrem ersten Auftreten Mitte September in London oder der südöstlichen Grafschaft Kent habe sich diese Variante mittlerweile zur "dominanten" Form von Sars-Cov-2 entwickelt, erläuterte der oberste wissenschaftliche Berater der britischen Regierung, Patrick Vallance. Er führte den "sehr hohen Anstieg" der Krankenhaus-Einlieferungen von Covid-19-Patienten im Dezember auf diese Entwicklung zurück.

In Deutschland ist die Variante nach Angaben des Chefvirologen der Berliner Charité, Christian Drosten, bislang nicht aufgetaucht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilte mit, abgesehen von den Fällen in England sei die Virus-Variante neunmal in Dänemark sowie jeweils ein Mal in den Niederlanden und Australien festgestellt worden.

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Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Variante über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen, vor allem im Spike-Protein. Dieses Protein benötigt das Virus, um in Zellen einzudringen. Der in Großbritannien eingesetzte Impfstoffe des Mainzer Unternehmens Biontech erzeugt eine Immunantwort gegen genau dieses Protein. Deswegen gibt es die Befürchtung, dass der Impfstoff gegen die neue Variante möglicherweise nicht wirkt. Nach Angaben des britischen Premierministers Boris Johnson gibt es aber keine Hinweise darauf.

Die neue Variante des Coronavirus ist nach Angaben von Premierminister Boris Johnson nach ersten Erkenntnissen deutlich ansteckender als die bekannte Form – um bis zu 70 Prozent. Dr. Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia erklärt: „Die sogenannten Spikes der neuen Virus-Variante scheinen an die menschlichen Zellen besser und schneller zu binden und diese Schnelligkeit der Bindung führt dazu, dass es leichter Menschen befällt.“

Der Premierminister hatte am Samstag betont, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien, sagte Johnson am Samstag in London vor Journalisten. „Es gibt immer noch viel, das wir nicht wissen. Aber es gibt keine Beweise, dass die neue Variante mehr oder schwerere Krankheitsverläufe auslöst.“ Auch eine höhere Sterblichkeit sei durch die Virus-Variante VUI2020/12/01 bisher nicht festgestellt worden.

Wegen der Coronavirus-Mutation verschärfte die Regierung aber die Beschränkungen für London von diesem Sonntag an deutlich. „Wenn das Virus seine Angriffsmethode ändert, müssen wir unsere Verteidigungsmethode ändern“, sagte Johnson. Das bisher dreistufige Corona-Warnsystem wurde nun auf vier erweitert - darunter fallen außer der Hauptstadt auch noch andere Regionen im Südosten.

Dort dürfen die Bewohner nur noch aus wichtigen Gründen ihre Wohnung verlassen, etwa um zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen. Auch zu Weihnachten dürfe man keine Angehörigen anderer Haushalte treffen, betonte Johnson. „Wir können Weihnachten nicht wie geplant verbringen.“ Alle nicht lebensnotwendigen Geschäfte sowie andere Einrichtungen wie Fitnessstudios oder Schönheitssalons müssen schließen. Einwohner der höchsten Corona-Stufe 4 dürfen diese Zone nicht verlassen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Wissenschaftler eine Coronavirus-Mutation entdecken. Bereits im Sommer ist eine mutierte Variante des Virus aufgetaucht: 20A.EU1 ist laut Experten für den Großteil der Corona-Neuinfektionen in Europa verantwortlich. Möglicherweise gelangte es von Spanien aus durch die Reisewelle im Sommer ins restliche Europa. Derzeit existieren allein in Europa Hunderte Varianten von Sars-CoV-2, die sich durch kleine Mutationen im Erbgut voneinander unterscheiden.

Auch in Südafrika wurden am Freitag Fälle von Mutationen gemeldet. Der Strang namens "501.V2" wurde isoliert und werde von der WHO ebenfalls untersucht.

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