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Corona-Mutation aus Spanien: Die neue Virus-Variante ist auch in Deutschland angekommen

Sind die Sommer-Reisen schuld an der Ausbreitung?

Corona-Mutation aus Spanien: Neue Variante verbreitet sich in Europa

Coronavirus-Variante verbreitet sich von Spanien aus in ganz Europa.
Reisen im Sommer könnten die Verbreitung der neuen Corona-Variante beschleunigt haben.
istock, iStockphoto

Mutierte Variante des Coronavirus breitet sich in Europa aus

Das Coronavirus hat nicht nur Deutschland, sondern auch viele andere Länder der ganzen Welt weiterhin fest im Griff. Damit nicht genug, ist nun eine mutierte Variante des Virus aufgetaucht: 20A.EU1 ist laut Wissenschaftlern für den Großteil der Corona-Neuinfektionen in Europa verantwortlich. Möglicherweise gelangte es von Spanien aus durch die Reisewelle im Sommer ins restliche Europa.

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Virus passt sich seiner Umwelt an

Wer sich regelmäßig gegen Grippe impfen lässt, wird sich vielleicht auch schon einmal gefragt haben, warum man sich jedes Jahr aufs Neue gegen das Virus impfen lassen muss. Der Grund: Das Virus passt sich seiner Umwelt an und verändert sich von Jahr zu Jahr. So auch das Coronavirus: Derzeit existieren allein in Europa Hunderte Varianten von Sars-CoV-2, die sich durch kleine Mutationen im Erbgut voneinander unterscheiden.

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Aber nur wenige davon haben sich so erfolgreich verbreitet wie die Variante 20A.EU1, heißt es in einer Studie der Universität Basel, der ETH Zürich in Basel und des Konsortiums "SeqCovid-Spain", die bislang aber noch nicht von Fachleuten überprüft wurde.

Möglicherweise hat sich die Virusvariante durch die Reisewelle in Europa ausgebreitet

Das internationale Forscherteam verglich in einer großangelegten Analyse Virusgenomsequenzen von Covid-19-Patienten in ganz Europa. Das Ziel war, die Entwicklung und Verbreitung des Erregers besser nachverfolgen zu können.

Das Ergebnis: Die Virusvariante 20A.EU1 verursacht derzeit die meisten Corona-Neuinfektionen in Europa. Ihren Ursprung fand die Gen-Mutation wahrscheinlich in Spanien - im Sommer. Also mitten in der Reisezeit, als die Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung gelockert wurden und Urlaub ins europäische Ausland wieder möglich war.

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Erstmals tauchte neue Corona-Variante in Spanien auf

Der früheste Beweis für die Corona-Variante 20.A.EU1 hängt laut Studie mit einem Superspreading-Event unter Landarbeitern im Nordosten Spaniens zusammen. Auch die lokale Bevölkerung infizierte sich daraufhin. So konnte sich die Virusvariante schnell im ganzen Land verbreiten.

Mittlerweile weisen in Spanien laut Studie fast 80 Prozent der Proben die neue Coronavirus-Variante auf.

Doch nicht nur dort hat sich die Coronavirus-Variante erfolgreich ausgebreitet. In Großbritannien entsprechen sogar 90 Prozent, in Irland 60 Prozent und in der Schweiz und den Niederlanden zwischen 30 und 40 Prozent der untersuchten Sars-CoV-2-Proben der neuen Gen-Mutation. Auch in Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Lettland, Norwegen und Schweden wurde sie identifiziert.

Somit ist 20A.EU1 inzwischen in mindestens zwölf Ländern Europas, aber auch in Hongkong und Neuseeland angekommen.

Forscher nennen zwei Gründe für die schnelle Ausbreitung

Die Forscher glauben, dass vor allem zwei Faktoren die Ausbreitung der Variante von Spanien aus erleichtert haben: die Lockerung der Reisebeschränkungen und die weniger strengen Abstandsregelungen.

Die Studie zeige, wie sehr das Reisen die Ausbreitung des Coronavirus beschleunige, sagt die leitende Studienautorin, Emma Hodcroft, in einer Pressemitteilung der Uni Basel. "Denn das Virus allein kommt erst mal nicht weit, dafür braucht es Menschen."

20A.EU1 verbreitet sich nicht schneller als andere Varianten

Die Autoren der Studie warnen aber davor, die neue Variante als Ursache für den Anstieg der Fälle zu interpretieren. "Es ist nicht die einzige Variante, die in den letzten Wochen und Monaten im Umlauf ist", sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel. "Tatsächlich sind in einigen Ländern mit einem signifikanten Anstieg der Covid-19-Fälle, wie Belgien und Frankreich, andere Varianten vorherrschend".

Ein Grund zur Panik sei die neue Virusvariante somit nicht, sagte auch Hauptautorin Hodcroft der "Bild"-Zeitung. "Die Menschen müssen keine Angst haben: Wir haben weder Beweise dafür gefunden, dass das Virus sich schneller verbreitet, noch dass es gefährlicher als andere Varianten ist."

Die Forscher vermuten eher, dass die Umstände eine große Rolle gespielt haben. "Die Mutation tauchte dann auf, als gerade besonders viele Menschen nach Spanien kamen, um dort Urlaub zu machen“, erklärt die Epidemiologin.

Maßnahmen im Sommer waren vermutlich nicht ausreichend

Die Studienautoren betonen daher, dass ihre Erkenntnisse vielmehr zur Bewertung und Wirksamkeit von Grenzkontrollen und Reisebeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus beitragen. Niemand wünsche sich komplette Grenzschließungen oder strenge Reisebeschränkungen, sagt Hodcroft. "Die Analysen zeigen allerdings, dass die Maßnahmen im Sommer nicht ausreichend gewesen sind, um die Verbreitung des Virus und neuer Virusvarianten zu stoppen."

Sie fordert daher, dass bessere Wege für Öffnungen gefunden werden müssten, ohne einen erneuten Anstieg der Fälle zu riskieren.

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