Warum achtet hier niemand auf die Sicherheitsmaßnahmen?

Corona und Bahnfahren: Abstand halten Fehlanzeige!

In Bussen, Bahnen und Zügen in NRW sowie auf Gleisen wie am Kölner Hauptbahnhof herrscht wegen der Coronakrise derzeit
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17. Juni 2020 - 9:09 Uhr

Kommentar von Markus Heggen, RTL-Hauptstadtstudio

​Die Grundregeln des Corona-Abwehrkampfs hat inzwischen jede Bürgerin und jeder Bürger verinnerlicht: Anderthalb Meter Abstand halten und Mund-Nasen-Maske tragen. Für die Deutsche Bahn scheint das nicht zu gelten, wie unser Autor Markus Heggen am Wochenende am eigenen Leib erlebte. Dabei ist es doch eigentlich gar nicht so schwer, findet er und hat sogar einige Lösungsansätze gleich mit im Gepäck auf seiner Bahnreise. 

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Plätze gesperrt? Fehlanzeige!

Das geht schon bei der Buchung los. Das Online-Reservierungssystem ist nicht so programmiert, dass immer eine Sitzreihe frei bleibt und die Fahrgäste zusätzlich versetzt Platz nehmen. Hinzu kommen Passagiere, die nicht reserviert haben und beliebig freie Plätze einnehmen können. In den Zügen ist keine Sitzreihe blockiert, obwohl das (notfalls auch ganz simpel) mit Flatterband möglich wäre.

In den Zügen ist möglich, was jedem Gastronom verboten ist: Jeder und jede kann sitzen, wo er und sie will. Auf gesunden Menschenverstand allein zu setzen, ist fahrlässig. Das zeigen diverse Spreader-Veranstaltungen der letzten drei Wochen. Zudem müssen Reisende ihren Namen nicht hinterlassen - eine sinnvolle Idee für die Gastronomie. Virenverbreitungswege sind in der Bahn nicht nachvollziehbar.

Wie sich Fliegen und eine Reise nach Mallorca anfühlt? Das erzählen unsere Reporter hier.

Reisende tragen ihre Maske am Kinn

Hinzu kommen Reisende, die - soviel zum gesunden Menschenverstand - ihre Maske am Kinn tragen oder nur den Mund bedecken. Die Fahrkartenkontrolleure weisen die Verweigerer nicht immer darauf hin. Und wenn doch hat es keine Konsequenz. Eine Ansage beim Einsteigen und ein Laufband auf den Zugmonitoren reicht der Bahn offenbar. Diese Menschen erreicht man damit aber nicht.

Wenn nicht mal die Deutsche Bahn (100 Prozent des Unternehmens davon besitzt der Staat) die staatlichen Vorgaben einhält und durchsetzt, ist das Hohn und Spott für jede andere betroffene Branche des freien Unternehmertums, konterkariert das Werben um das Mitmachen und Durchhalten der breiten Bevölkerung und schürt Unsicherheit, ob die Grundregeln des Corona-Managements wirklich noch nötig sind.

Bahn: "Wir achten darauf, unsere Züge gleichmäßig auszulasten"

Auf Nachfrage via Twitter teilt die Bahn mit:

"Wir achten im Buchungsprozess verstärkt darauf, dass wir unsere Züge möglichst gleichmäßig auslasten und im ganzen Zug ausreichend Sitzplätze ohne Reservierungen vorhalten. Was die Einhaltung der Maskenpflicht angeht, sind wir die Rücksichtnahme aller Fahrgäste . (...) Umso wichtiger ist es aber, dass alle Fahrgäste eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen."

Viel Selbstverantwortung der Fahrgäste. Dabei wäre ein Management der Lage doch wirklich nicht so schwer:

  • Buchungssystem anpassen: Jede zweite Sitzreihe blocken (sollte jemand schon vor der Krise reserviert und jetzt von der Sperre betroffen sein: eine zusätzlichen Wagen anhängen und dort für die betroffenen Plätze freihalten)
  • Vorübergehende Reservierungspflicht
  • Wer keine Maske trägt, muss raus aus dem Zug.

Bei der Laisez-faire-Mentalität der Bahn jedenfalls kann es nicht bleiben. Gerade Staatsunternehmen sollten Vorbilder sein. Sonst verliert die Bahn nicht nur ihren Ruf, sondern auch langfristig ihre Kunden, die sich in Coronazeiten ohnehin zweimal überlegen, ob sie nicht lieber mit dem Auto fahren. Wenn die Bahn nicht handelt, muss die Bundesregierung als Eigentümerin der Bahn durchgreifen. Und zwar schnell, Herr Scheuer!

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