Corona-Kollektion

Corona macht erfinderisch – statt Klamotten geht jetzt Schutzkleidung übers Fließband

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09. April 2020 - 14:05 Uhr

Schutzanzüge für Krankenhäuser

Arbeitsplätze sichern, Löhne bezahlen und Gewinne generieren: Diese Ziele verfolgen die meisten Firmen. In der Coronavirus-Krise stellt sich das allerdings für die meisten Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als schwierig heraus. Umdenken ist angesagt.

Was brauchen wir in dieser Krise wirklich?

Der französische Luxuskonzern LVMH (Luis Vuitton Moët Hennessy) hat es vorgemacht. Statt Parfüm produzieren sie jetzt Desinfektionsmittel. Jetzt ziehen auch deutsche Unternehmen mit, wie beispielsweise das Betzdorfer Unternehmen "Liquisign". Die Firma stellt statt Arbeitskleidung nun Schutzkleidung her. Auch der deutsche Youtuber Fynn Kliemann verkauft in seinem Webshop jetzt statt Kleidung, wiederverwendbare Mundbedeckungen.

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Sicherung von Arbeitsplätzen durch Produktion von Schutzkleidung

Die Firma Liquisign bestickt normalerweise Kleidung für andere Unternehmen beispielweise mit deren Logo. Durch die Coronavirus-Krise ist die Nachfrage nach diesen Produkten gesunken – fast 95 Prozent ihres Umsatzes ist eingebrochen. Ohne den Umschwung der Produktion auf Schutzanzüge und -kittel hätte das mittelständische Unternehmen, seinen 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kündigen müssen. Die nun produzierte Schutzbekleidung wird hauptsächlich von Krankenhäusern gekauft.

Sicherung der Gesundheit

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„Komm, wir stellen mal eben unsere Klamottenproduktion auf Masken um“ ... Eine Woche später sind wir einer der größten Masken-Produzenten Europas. Portugal ist auf 40.000 Masken pro Tag hochgeschraubt. In Serbien haben wir mit dem Wirtschaftsministerium geschnackt: „Entweder sind weitere 80 Menschen aufgrund der allg. Auftragsstornierung arbeitslos oder wir kriegen für unsere Produzenten eine Sonderausfuhrgenehmigung…“ Zack – 160.000 Masken mehr die Woche und 80 Arbeitslose weniger. Mit diesen Mengen im Rücken haben wir @lighthouserelief und @standbyme.lesvos angeschrieben und können beiden griechischen Flüchtlingsunterkünfte jeweils 3.500 Masken für Camps in Ritsona und Lesvos sponsern. Dort gibt es bereits einige Infektionen und sogar einen Todesfall und wir tun alles, damit die Hilfe dort so schnell wie möglich ankommt. @seawatchcrew hat über 10.000 Masken für das Camp Moria in Lesbos bestellt, wovon wir 2.500 spenden, ohne die es momentan ebenfalls nicht ausreichend Schutz gäbe. Für @Vivaconagua verschicken wir gerade 25.000 Masken in die Townships Südafrikas. Da is nix mit social distancing und schnelle Hilfe wird dringend benötigt. Wir filtern permanent Reseller aus den Bestelllungen heraus, um zu möglichst geringen Preisen, medizinische und Pflegeeinrichtungen beliefern zu können. Unsere Masken sind nicht medizinisch geprüft und erst recht nicht zertifiziert, aber ein Krankenhaus hat soeben bestätigt, dass die Abschirmwirkung unserer Masken sogar besser ist, als die der Standard OP-Masken. Außerdem ist im Zweifel EINE Maske, besser als KEINE. Für Großbestellungen schreibt gerne an maske@fynn-kliemann.de. Alles bis 100 Stück könnt ihr ab jetzt wieder im Shop bestellen (LINK in BIO). Der is wieder aufgefüllt. Wir schaffen das schon! Passt auf einander auf! Meine Crew von @globaltactics produziert und verpackt währenddessen Tag und Nacht unter den neuen Sicherheitsbestimmungen für euch. Vielen Dank!

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Die Herstellung von Schutzbekleidung hilft nicht nur medizinischem Personal, wie das Beispiel von Youtuber Fynn Kliemann zeigt. Er konnte mit der Produktion von Mundbedeckungen rund 80 Arbeitsplätze sichern – pro Woche werden 250.000 Mundbedeckungen produziert. Bei ihm bestellen Privatpersonen und auch Krankenhäuser. In Zusammenarbeit mit NGOs konnte er außerdem Flüchtlingscamps mit Mundbedeckungen versorgen:

  • Lighthouse Relief und Stand by Me – Lesvos kaufen je 3.500 Masken für Camps in Ritsona und Lesvos
  • Die Seawatch Crew bestellte über 10.000 Masken für das Camp in Moria, davon spendet Kliemann 2.500

Keine Zertifizierung für selbstgemachte Masken

Eine weitere Gemeinsamkeit der Unternehmen ist, dass sie beide noch keine Zertifizierung für ihre Schutzbekleidung haben. Die Behörden seien momentan überlastet und schaffen es nicht, die Produkte schnell zu überprüfen. Liquisign und Fynn Kliemann produzieren dennoch weiter, denn "Im Zweifel ist EINE Maske, besser als KEINE Maske.", sagt Kliemann.