Berchtesgaden ist im Lockdown

Corona-Lockdown: Dient Berchtesgaden als Blaupause für Deutschland?

20. Oktober 2020 - 16:14 Uhr

Hunderte Touristen müssen Berchtesgadener Land verlassen

Steigende Corona-Fallzahlen haben dafür gesorgt, dass Berchtesgaden in Bayern nun im Lockdown ist. Ziel sei es nicht, das noch öfter zu wiederholen, aber man hätte im Berchtesgadener Land konkret handeln müssen, sagt der bayerische Innenminister im RTL-Interview. Auch die Grenzen zu kontrollieren, könne jetzt nicht mehr ausgeschlossen werden.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

"Teilweise sind noch nicht mal die Schäden aus dem Frühjahr kompensiert"

Die strikten Ausgangsbeschränkungen im Landkreis Berchtesgaden haben hunderte Feriengäste zur Abreise gezwungen. Die Berchtesgadener Land Tourismus schätzte die Zahl der Gäste, die in der Bergidylle rund um Watzmann und Königssee teils die Herbstferien verbringen wollten, auf knapp 2.500. Der Sommer sei zwar für manche Beherbergungsbetriebe sogar besser gelaufen als das Vorjahr, sagte eine Sprecherin heute. Aber: "Teilweise sind noch nicht mal die Schäden aus dem Frühjahr kompensiert."

Der Lockdown hatte damals Hoteliers und Gastgebern schwere Einbußen gebracht. Für die nächste Zeit gebe es nicht viele Stornierungen - denn die meisten Gäste hätten sich ohnehin mit langfristigen Planungen zurückgehalten. Wie sich die hohen Zahlen und die Ausgangsbeschränkungen dauerhaft auswirkten, hänge nicht zuletzt davon ab, "wie lange das dauert und wie groß der Imageschaden ist."

Bayerns Innenminister: "Grenzkontrollen kann ich nicht 100-prozentig ausschließen"

Grenzkontrollen seien laut Bayerns Innenminister (CSU) für das Berchtesgadener Land vorerst nicht geplant, "aber ich kann das im Moment auch nicht 100-prozentig ausschließen für die Zukunft. Im Moment wollen wir alles dafür tun, um vor allen die hohen Infektionsraten, die wir sowohl in Österreich wie auch in Tschechien beobachten, nicht weiter in unser Land eindringen zu lassen", sagt Jochachim Herrmann im RTL-Interview. Von Grenzschließungen könne jetzt nicht die Rede sein, "die gab es so auch zu keinem Zeitpunkt in der Vergangenheit und die würden uns jetzt auch nicht weiterhelfen. Wir brauchen ja einen intensiven, auch wirtschaftlichen, Austausch mit unseren Nachbarländern."

Der vernetzte Arbeitsmarkt auch innerhalb der europäischen Union sei enorm wichtig, das dürfe man jetzt nicht kaputt machen. Dennoch musste man jetzt im Berchtesgadener Land konkret handeln, aber "unser Ziel ist es nicht, das jetzt möglichst oft zu wiederholen. Es ist wichtig, dass überall schnell genug reagiert wird. Jetzt gilt es die Maßnahmen, die wir in der vergangenen Woche beschlossen haben, konsequent umzusetzen – dazu wird die bayerische Polizei mitunterstützen, unterwegs sein und auch kontrollieren", sagt der bayerische Innenminister RTL.

Berchtesgadener Lockdown ab heute in Kraft

Das Verlassen der eigenen Wohnung ist im Landkreis an nur noch mit triftigem Grund erlaubt. Es sind bayernweit die ersten Ausgangsbeschränkungen seit Monaten, sie gelten vorerst für 14 Tage. Am Montag lag die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis bei 272,8. Sie gibt an, wie viele Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gemeldet wurden.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lobte die Entscheidung des Landkreises Berchtesgadener Land. Die Infektionszahlen dort seien fünfmal so hoch wie es "tolerabel" wäre. "Deshalb habe ich größten Respekt vor den Verantwortlichen vor Ort, vor dem Landrat, Bürgermeister, aber auch vor der bayerischen Staatsregierung, weil sie schnell und umfassend handeln. Damit helfen sie uns, einen allgemeinen Lockdown in ganz Deutschland zu verhindern", so Altmaier im RTL/ntv "Frühstart".

Ist Berchtesgaden also eine Art Blaupause für den Rest Deutschlands? Ob es in den kommenden Wochen mehr lokale Lockdowns gebe, hänge von der Entwicklung der Ansteckungszahlen und der Konsequenz von Entscheidungen vor Ort ab, betonte der Wirtschaftsminister. "Wir müssen verstehen, dass Maßnahmen in Hotspots keine willkürlichen Maßnahmen sind, um Menschen das Leben schwer zu machen, sondern dass sie notwendig sind, um andere Menschen zu schützen vor Ort."

Noch mehr Politik-News in unserer Videoplaylist

​Spannende Hintergrund-Reportagen zu gesellschaftspolitischen Themen wie Gesundheit, Schule oder natürlich auch zu aktuellen Corona-Maßnahmen, sowie interessante Interviews mit Politikern – das alles finden Sie in unserer Video-Playlist.

Politiker-Interviews im "Frühstart"

In der Interview-Reihe "Frühstart" treffen wir täglich spannende Gesprächspartner aus der Politik. In unserer Videoplaylist können Sie sich die Video-Interviews ansehen.