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Corona-Lockdown - Brauereien müssen Tausende Liter Bier wegschütten: "Das ist der Albtraum"

Fässer sind nur begrenzt haltbar

Brauereien müssen Tausende Liter Bier im Lockdown wegschütten: "Das ist der Albtraum"

Bier wird im Lockdown vernichtet
Deutsche Brauereien müssen im Lockdown Tausende Liter Bier vernichten.
pse dna, dpa, Patrick Seeger

Bier läuft ab, bevor es getrunken werden kann

Lockdown-Tristesse statt Partys mit viel Bier: Eigentlich wäre für Brauereibesitzer Peter König aus Düsseldorf jetzt gerade Hauptsaison. Doch wegen der Corona-Pandemie fallen die üblichen Karnevalspartys im Rheinland aus. Auch die Kneipen sind geschlossen, darum bleibt die Hausbrauerei „Füchschen“ auf ihrem Bier sitzen. Und bei vielen Fässern läuft das Mindesthaltbarkeitsdatum ab, bevor sie getrunken werden können. Etwa 2.000 bis 3.000 Liter Altbier, das im Oktober abgefüllt wurde, wird König entsorgen müssen, schätzt er. Und so geht es bundesweit vielen Brauereien aktuell.

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Brauereien müssen fässerweise das Bier wegschütten

Gutes Bier im Millionenwert wird in Deutschland gerade in den Abfluss geschüttet. Brauereichef König tut das richtig weh, wie er erklärt: „Das ist der Albtraum.“ Die Früchte harter Arbeit landen einfach im Gully, weil Großveranstaltungen ausfallen und Gastro-Betriebe weiterhin nicht öffnen dürfen. Für Bier im Fass hat darum gerade niemand Verwendung. Es falle ihm schwer, die Ruhe in seinem Betrieb zu ertragen, so König.

Besonders Brauer, die auf den Ausschank und Feste ausgerichtet sind, müssten Bier im großen Stil vernichten, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele. Während Flaschenbier auch an Privathaushalte verkauft werden kann, werden Bierfässer zu Ladenhütern. Viele Großhändler würden die Fässer zurück in die Brauereien bringen, in denen ohnehin gerade die Produktion heruntergefahren wurde. Mit der geplanten Verlängerung des Lockdowns dürften weitere Fässer ablaufen und Bier im Abfluss enden.

Brauer müssen Bier im Lockdown entsorgen
In Deutschland stehen die Zapfhähne seit Monaten still.
reh cul vd, dpa, Carsten Rehder

In den Karnevalshochburgen wäre für die Brauereien gerade Hauptsaison

Wie viel Bier genau bisher weggeschüttet werden musste, weil niemand es trinken konnte, kann man schwer schätzen. „Nicht alles Bier, das bisher zurückgeliefert wurde, musste vernichtet werden, und nicht alles Bier, das nicht getrunken wurde, wurde auch gebraut“, sagt Eichele. Auch Niklas Other, Herausgeber des Branchenmagazins „Inside“, geht davon aus, dass viele Brauer vor dem zweiten Lockdown vorsichtig gewesen seien. „Bis zum erhofften Ende des Lockdowns im Frühling werden es in Deutschland trotzdem einige Hunderttausend Hektoliter sein“, schätzt er.

Auch die Großbrauerei Veltins, die nach eigenen Angaben im ersten Lockdown so gut wie kein Bier vernichten musste, muss jetzt wohl mehrere Tausend Liter wegschütten. Auch der Kölner Brauerei-Verband beklagt, dass der zweite Lockdown ausgerechnet die für Kölsch umsatzstärksten Monate betrifft. „Der Karneval als Faktor, gerade jetzt im Januar und im Februar, fällt komplett weg. Das ist enorm“, sagt Geschäftsführer Christian Kerner. „Das Problem ist die Ungewissheit, wie lange das dauert“, meint er. Da würden selbst vorsichtigere Kalkulationen nicht helfen.

In Großbritannien treffen die Corona-Maßnahmen die Bier-Branche ähnlich hart. Dort mussten bereits 50 Millionen Liter Bier vernichtet werden, weil Pubs im Lockdown geschlossen sind.