Problem der geschlossenen Grenzen

Corona-Krise: So schwer ist es gerade, Stammzellen-Spenden zu überbringen

Stammzell-Kurierin Maria Schmiing
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25. März 2020 - 16:53 Uhr

Eine Stammzellen-Kurierin erzählt

Die Corona-Krise stellt uns alle vor Herausforderungen. Doch was ist, wenn man in diesen Zeiten krank ist? An Leukämie leidet und dringend auf Stammzellen wartet? Die Suche nach einem passenden Spender ist ohnehin nicht leicht und vielfach nervenaufreibend.  Aber die Spende in Zeiten von Grenzschließungen zu den Patienten zu bringen, stellt die DKMS vor große Herausforderungen. Wir haben mit einer Kurierin für Stammzellen gesprochen.

von Cordula Robeck

"Es muss gemacht werden, sonst kann der Patient nicht überleben", sagt Maria Schmiieng. Sie ist Kurierin für rettende Stammzellen. Die müssen in Zeiten von Corona trotz geschlossener Grenzen transportiert werden.

Vor ein paar Tagen erst ist Maria Schmiing aus den USA zurückgekommen. Auf dem Hinflug im Handgepäck: eine Kühlbox mit Stammzellen – aufbereiteten Blutproben von deutschen Spendern. Die sollen an Blutkrebs erkrankten US- Amerikanern das Leben retten. Nach der Diagnose Blutkrebs muss für einen Kranken dringend ein "Zwilling" gefunden werden, dessen Erbanlagen gleich sind. Nur der kann dann seine Stammzellen spenden. Stammzellenspenden ist international, ein passender Spender wohnt nicht zwingend im gleichen Land.

Routine-Flug wird in Corona-Zeiten zur Herausforderung

Eigentlich ein Routine- Einsatz für Maria Schmiing. Nicht aber in Zeiten von Corona: nur mit Sondergenehmigung kann sie aus Europa herausfliegen, in der Boing 747 ist nur jede 3. Reihe besetzt, erzählt sie uns am Telefon. Der Reiseplan, alle notwendigen Dokumente, die sie für die Kontrollen bei der Einreise in die Staaten braucht – alles ist perfekt vorbereitet und trotzdem ist sie aufgeregt. Fiebermessen bei der Einreise, dann weiter zur Klinik, wo ein Patient schon sehnlichst auf die Stammzellen wartet. Zehn Minuten dauert die Übergabe – Rückflug am folgenden Tag. So kann sie wenigstens ein bisschen von der jeweiligen Stadt sehen.

Und ja, gesteht sie ein, zu reisen sei gerade ein Risiko. Aber gerade jetzt sei es wichtig, denn viele Kuriere springen aus Sorge um die eigene Gesundheit ab – oder sind gerade selbst in Quarantäne.

Auch Gabi Rall nennt es die größte Herausforderung in den 27 Jahren als Leiterin des Internationalen Transplantations- Service der Deutschen Knochenmark- Spender- Datei, kurz DKMS. "Wir können es nicht riskieren, dass es unsere Patienten nicht schaffen, weil sie kein Transplantat erhalten haben.", sagt Rall – und bisher hat es wirklich geklappt, dass auch in Zeiten von Corona jede in Deutschland entnommene Stammzelle die Empfänger in der ganzen Welt sicher erreicht hat.