Corona-Krise setzt Arbeitsmarkt massiv zu: Viel Kurzarbeit

Ein Hinweisschild für die Arbeitsagentur neben einer roten Ampel. Foto: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild
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30. April 2020 - 14:40 Uhr

Die Corona-Pandemie und der Stillstand in weiten Teilen der Wirtschaft haben den Thüringer Arbeitsmarkt erheblich unter Druck gesetzt. Statt der sonst üblichen Frühjahrsbelebung stieg die Arbeitslosigkeit im zurückliegenden Monat - erstmals im Monat April seit Anfang der 1990er Jahre, wie aus Zahlen der Landesarbeitsagentur vom Donnerstag hervorgeht. Demnach gab es knapp 7000 Arbeitslose mehr als im März; die Quote stieg um 0,6 Punkte auf 6,0 Prozent. Für die kommenden Monate werde mit einem weiteren Anstieg gerechnet, hieß es. Wie stark der ausfalle, hänge davon ab, wie lange große Teile der Wirtschaft vom "Shutdown" betroffen seien.

"Ohne das Instrument der Kurzarbeit wäre die Arbeitslosigkeit noch stärker gestiegen", betonte der Geschäftsführer der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, Markus Behrens. Seit März seien knapp 23.500 Anzeigen auf Kurzarbeit eingegangen und davon 261.800 Beschäftigte betroffen. Behrens: "Das sind fast ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Thüringen."

In welchem Ausmaß die Kurzarbeit von den Unternehmen tatsächlich in Anspruch genommen wird, werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen, wenn die Unternehmen konkret abrechnen, hieß es. Es sei aber nicht damit zu rechnen, dass die Zahl der Betriebe mit Kurzarbeit noch erheblich steige, betonte Behrens und verwies auch hier auf Lockerungen etwa für Friseure und Handel.

Zuletzt haben den Angaben nach vor allem viele Zeitarbeiter ihren Job verloren. 1200 von ihnen meldeten sich im April arbeitslos, wie aus den aktuellen Statistiken hervorgeht. Im Verarbeitenden Gewerbe verloren demnach fast 1100 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz, im Handel 800 und im Gastgewerbe rund 700 Menschen. Insgesamt waren im April rund 67.500 Menschen in Thüringen arbeitslos gemeldet - 11,4 Prozent mehr als im März.

Arbeitsministerin Heike Werner (Linke) rechnet mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. "Ich gehe davon aus, dass durch das sukzessive Wiederanfahren der Wirtschaft und die Überbrückung durch Kurzarbeit der Anstieg der Arbeitslosenzahlen zwar gebremst wird, aber die Krise wird uns lange Zeit beschäftigen", erklärte sie. Das volle Ausmaß werde sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Nach Ansicht Werners hat sich das Instrument der Kurzarbeit erneut bewährt - andernfalls wären die Arbeitslosenzahlen stärker gestiegen.

"Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem nie dagewesenen Ausnahmezustand", resümierte der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen Michael Rudolph. Die Möglichkeit der Kurzarbeit habe verhindert, dass es im großen Stil zu Massenentlassungen gekommen sei. Jetzt müsse branchenbezogen geprüft werden, welche weiteren Hilfen zur Rettung notwendig seien. Viele Betriebe seien bereit, ihre Arbeitskräfte zu halten, betonte die Hauptgeschäftsführerin der IHK Erfurt, Cornelia Haase-Lerch. Dazu sei aber Planungssicherheit nötig: "Diese muss die Politik mit einem konkreten Terminplan für eine Rückkehr aller Branchen ins Wirtschaftsleben liefern."

Nach Einschätzung von Behrens greifen die Unterstützungsmaßnahmen von Bund, Ländern und Arbeitsagentur, um die Wirtschaft vor "einem Kollaps" zu bewahren. "Es ist gewährleistet, dass das soziale Netz steht", betonte er und verwies auf Rücklagen der Arbeitsagentur.

Gravierende Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt sieht die Agentur derzeit nicht. Es sei nicht festzustellen, dass Ausbildungsverträge wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelöst würden, erklärte Behrens. Zudem gebe es nach wie vor mehr Lehrstellen als Bewerber. Es sei wichtig, dass die Betriebe trotz der aktuellen Krise an ihren Auszubildenden festhalten und die Ausbildung zum Abschluss bringen, betonte Behrens: "Sie sind die Fachkräfte von Morgen."

Bundesweit ist die Zahl der Arbeitslosen im April wegen der Corona-Krise um 308.000 auf 2,644 Millionen Menschen gestiegen. Die Arbeitslosenquote kletterte saisonuntypisch um 0,7 Punkte auf 5,8 Prozent. Deutschlands Unternehmen meldeten nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit bis zum 26. April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit an - ein Rekordwert.

Quelle: DPA