Experten üben Kritik

Schwedens Sonderweg: Ist der Umgang mit dem Corona-Virus zu locker?

11. Juni 2020 - 16:30 Uhr

Kaum Schließungen, keine Masken

Kindergärten, Schulen und Restaurants waren seit Beginn der Pandemie nie geschlossen. Es gibt kaum Abstandsregeln und keine Maskenpflicht. Schweden ist im Umgang mit dem Virus einen eigenen Weg gegangen. Warum ein schwedischer Professor das Vorgehen Schwedens hart kritisiert, zeigen wir im Video.

„Unsere Strategie ist gut, wir können damit sehr zufrieden sein.“

Mit den Freunden zusammen im Restaurant sitzen oder die Kinder zu ihren Freunden in den Kindergarten bringen, um etwas Ruhe im Homeoffice zu haben. Dinge, auf die viele Deutsche wochenlang gewartet haben, waren in Schweden immer möglich. Die Regierung hat nur wenige Verbote ausgesprochen. Allerdings gibt es eine Empfehlung zuhause zu bleiben. Dabei richten sich die Politiker vor allem nach dem Rat des Chef-Epidemiologe Anders Tegnell. Der sagt heute über den schwedischen Sonderweg: "Unsere Strategie ist gut, wir können damit sehr zufrieden sein. Besonders weil wir die Gesellschaft geöffnet lassen konnten. Das wird viele gute Langzeiteffekte für die öffentliche Gesundheit haben."

Über 4000 Tote

Im Hinblick auf die Todesfälle in Schweden, glaubt Tegnell aus heutiger Sicht, dass man in Pflegeheimen früher Maßnahmen hätte ergreifen müssen, um sie besser auf das Virus vorzubereiten. Etwa 50 Prozent der Todesfälle sollen in Alters- und Pflegeheimen sowie in der Altenpflege aufgetreten sein.

Schwedens Besonderheiten

Bei der Betrachtung des schwedischen Sonderwegs ist wichtig die Besonderheiten des Landes zu beachten. Es gibt weniger Ballungsräume als beispielsweise in Deutschland. Dafür viel weite Landschaft. Wo weniger enge Kontakte sind, überträgt sich das Corona-Virus auch weniger häufig.

Trotzdem: Betrachtet man in europäischen Ländern die Todesfälle auf 100.000 Einwohner, hat Schweden eine vergleichsweise hohe Zahl. Außerdem sind die Zahlen der Neuinfizierten aktuell deutlich höher als in Deutschland.

Kritik aus dem eigenen Land

Nicht nur andere Staaten schauen skeptisch auf den Weg, den Schweden gewählt hat. Auch Wissenschaftler aus dem eigenen Land kritisieren das Vorgehen der Regierung. So auch Jan Lötvall von der Uni Göteborg: "Die gegebenen Anweisungen basieren nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, sie sind nicht mit dem Rest der EU abgeglichen und sie folgen nicht der Weltgesundheitsorganisation."

Seiner Meinung nach seien Tests und die Isolierung Infizierter bereits viel früher notwendig gewesen. Außerdem fordert er für Schweden eine Maskenpflicht wie in Deutschland.

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