3 Tipps vom Psychologen

Corona-Krise macht einsam: Warum wir gerade jetzt Freunde und Verwandte sehen wollen

Das Handy steht bei vielen Menschen nicht mehr still
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07. April 2020 - 11:19 Uhr

Viele Menschen haben Sehnsucht nach Kontakten, die sie sonst nicht haben

Die Corona-Krise ist eine Zerreißprobe für uns alle. Während die einen wirtschaftlich ums Überleben kämpfen mit immer kreativeren Ideen, schlagen sich Heimarbeiter zu Hause mit Kind, Haushalt und Laptop Tag und Nacht um die Ohren. Menschen in systemrelevanten Berufen arbeiten am Limit und darüber hinaus, andere Berufsgruppen sind völlig stillgelegt und Arbeitnehmer sitzen gelangweilt auf der heimischen Couch. Dennoch gibt es etwas, was uns alle im Moment verbindet: Die Sehnsucht nach realen Kontakten. Dabei sind wir doch gerade mal drei Wochen zu Hause und unter normalen Umständen haben wir doch auch nicht immer Zeit? Wir haben Psychologen gefragt, warum wir gerade jetzt, am Liebsten jeden sehen wollen und wie wir die Zeit sinnvoll nutzen sollten.

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„Das Verbotene-Früchte-Phänomen“

Vielleicht fühlt sich hier nicht jeder angesprochen, doch gerade Menschen, die ein sehr hohes Sozialbedürfnis haben, leiden derzeit extrem unter den Zwangsmaßnahmen. "Manche definieren sich so sehr über die Gruppe, dass es für sie im Moment sehr belastend ist." erklärt Psychologe Rolf Schmiel. Neben einem ausgeprägten Sozialbedürfnis, spielt auch das Verbotene-Früchte-Phänomen eine entscheidende Rolle. "Menschen werten innerlich jene Alternativen auf, die ihnen durch äußere Beschränkungen gerade versperrt sind." sagt Psychologe Dirk Baumeier. Das was also verboten ist, hat den größten Reiz! "Das können wir auch schon bei Kleinkindern beobachten. Ein verbotenes Spielzeug ist viel interessanter. Und so ist es auch bei uns Erwachsenen.", so Schmiel.

Alle wollten ins Homeoffice - und jetzt?!

Auch die Arbeit zu Hause ist längst ein Belastungsfaktor geworden. Während Arbeitnehmer und Betriebsräte jahrelang dafür gekämpft haben, von zu Hause arbeiten zu können, sehnen sich nun viele Menschen danach, ins Büro zurückkehren zu können. "Alles was eben ausschließlich ist, nervt!" sagt Schmiel. Sobald wir gezwungen werden, sähen wir fast nur negative Seiten. Außerdem macht die derzeitige Doppelbelastung mit Kind zu Hause Homeoffice völlig uninteressant. "Die Mischung zwischen Präsenz im Büro und Heimarbeit wäre das Wahre!", so Schmiel.

3 Tipps: Was Sie ohne Freunde jetzt tun sollten

"Man hat uns Hausarrest erteilt und wie Kinder schmollen wir in der Ecke. Wir hoffen insgeheim, dass sich das Opfer der Einschränkung öffentlichen Lebens lohnt." so Baumeier. Und damit wir die Zeit bis zur Lockerung gut überstehen, gibt Psychologe Rolf Schmiel folgende Tipps:

  • Meditieren! Die Sehnsucht nach außen ist oft die Unfähigkeit mit sich selbst auszukommen. Mit Meditation vergeht die Zeit schneller und man kann wieder zu sich selbst finden.
  • Briefe schreiben! Die Menschen freuen sich jetzt mehr denn je über Briefe. Es hilft, alle Gedanken aufzuschreiben und den Kopf frei zu machen.
  • Bücher lesen! Wir fühlen uns mit den Figuren aus Romanen emotional verbunden. Ein guter Roman hat eine ähnlich psychisch stabilisierende Wirkung wie eine echte Begegnung mit einem Freund.

Wir und Corona

Das Corona-Virus wirbelt gerade unser aller Leben durcheinander, jeden Tag aufs Neue. Was sollen wir tun? Was sollen wir lassen? Wie halten wir das alles aus und vor allem: Wie halten wir zusammen? In Podcast "Wir und Corona" auf AUDIO NOW sprechen wir mit Ärzten, Politikern, Psychologen, Philosophen, aber auch mit Ihnen, jeden Abend. Hier halten wir Sie über das Wichtigste auf dem Laufenden und bieten konkrete Tipps für den Alltag in dieser Zeit.

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RTL.de-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

NEUE FOLGE: Im zweiten Teil der RTL.de-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" stellen wir die Frage: Wie besiegen wir Corona? Dafür gleichen die Autoren die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.