Krankenhäuser haben nicht genug Beatmungsgeräte für alle

Corona-Krise in Spanien: "Mit über 75 Jahren lassen sie uns einfach sterben"

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© AP, Bernat Armangue, EM

25. März 2020 - 12:17 Uhr

Ärzte in Spanien gezwungen, über Leben und Tod zu entscheiden

Nicht nur in Italien, das besonders hart von der Corona-Krise betroffen ist, droht das Gesundheitssystem zusammenzubrechen. Auch in Spanien werden die Ressourcen an einigen Orten bereits knapp. Es gibt viel zu wenige Beatmungsgeräte, um alle Patienten, die mit Lungenproblemen in die Kliniken eingeliefert werden, zu versorgen. Ärzte sind gezwungen über Leben und Tod zu entscheiden, weil sie nicht mehr alle an die lebensrettende Beatmung anschließen können.

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Viele ältere Corona-Patienten können nicht mehr richtig versorgt werden

Was das im Einzelfall bedeutet, musste der Direktor des MotoGP-Teams LCR-Honda schmerzlich erfahren. Óscar Haros Vater starb an Covid-19. Er kam mit schweren Symptomen ins Krankenhaus, doch weil kein Beatmungsgerät mehr frei war, konnten die Ärzte nicht mehr viel für ihn tun. "Mit über 75 Jahren kümmern sie sich nicht mehr um sie und lassen uns einfach sterben", klagte Haro in einer Videobotschaft an.

Solche Berichte häufen sich, weil besonders im stark vom Virus geplagten Madrid, die Krankenhäuser an ihre Belastungsgrenzen kommen. Vergangene Woche schon verbreitete sich die Sprachnachricht einer Krankenschwester aus Madrid in sozialen Medien. Die Frau erzählte, dass Patienten über 65 nur noch mit Sauerstoff versorgt werden könnten, wenn kein jüngerer Patient gerade Bedarf habe. Auch die Zeitung "Welt" berichtete, dass Menschen über 75 Jahren an manchen Orten in Spanien gar keine Chance mehr hätten, auf die Intensivstation zu kommen.

Auch bei jungen Menschen kann es zu schweren Verläufen kommen

Weil in Spanien immer mehr Menschen an dem Virus erkranken, gibt es auch immer mehr junge Leute, bei denen die Krankheit schwer verläuft. Wenn sich das Virus weiter ausbreitet, könnte sich die Situation noch weiter verschärfen. Nach aktuellen Zahlen der John Hopkins Universität gibt es in Spanien aktuell 42.058 Infizierte. 2.991 Menschen starben dort bisher an Covid-19 (Stand 25. März, 11 Uhr).

Die Intensivstationen in Deutschland bereiten sich auf den eigentlichen Sturm erst noch vor. Während anderswo in Europa die Betten und Beatmungsgeräte knapp werden, ist die Lage in vielen Deutschen Krankenhäusern noch vergleichsweise entspannt. Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Sachsen nahmen darum bereits vereinzelt Patienten aus Italien und Frankreich auf, um dort die Krankenhäuser etwas zu entlasten.

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