Frühstart spezial mit Prof. Jutta Allmendinger

Corona-Krise: Frauen werden langfristig finanziell geschwächt

12. Oktober 2020 - 9:23 Uhr

Das Virus und die Frauen

Kinder, nebenher noch Haushalt oder ein Job mit hohem Infektionsrisiko zum Beispiel in der Pflege oder an der Supermarktkasse: Für Frauen – insbesondere Mütter – ist die Coronakrise eine ganz besondere Belastung. Warum Frauen auch langfristig durch die Krise geschwächt werden können, erklärt die Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung Jutta Allmendinger. Die Antworten - im Video!

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Soziale Ungleichheiten verstärken sich

Jutta Allmendinger ist seit 2007 Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung und berichtet im RTL/ntv-Gespräch von einer alarmierenden Umfrage mit mehr als 7.000 Teilnehmern, die ihr Institut im Zuge der Corona-Krise in Auftrag gegeben hat. "Wenn man nach der Lebenszufriedenheit, wenn man nach der Arbeitszufriedenheit fragt, sind die jungen Mütter diejenigen, wo der Ausschlag am dramatischsten ist." Frauen sind momentan hauptsächlich von Veränderungen im Alltag und im Beruf betroffen.

"Jene, die zu Hause sind, haben zwar gesundheitlichen Schutz aber oft gar keine finanzielle Sicherheit", berichtet sie. Das bestätigt auch die Studie: Durch die Corona-Krise verstärken sich soziale Ungleichheiten, denn Selbstständige und Geringverdiener trifft die Pandemie hart. Vor allem bei Müttern hat die Arbeitszufriedenheit abgenommen (minus 5 Prozentpunkte gegenüber den Vätern). Das kann daran liegen, dass sie oft die Hauptlast der Kinderbetreuung tragen müssen und sie ihre Arbeitszeiten im Beruf reduzieren mussten.

"Zumindest ist es ein potentieller Karrierekiller"

Gesundheitlicher Schutz ist für viele angestellte Frauen in der Corona-Krise schwierig.
Gesundheitlicher Schutz ist für viele angestellte Frauen in der Corona-Krise schwierig.
© dpa, Tom Weller, twr

Momentan auch besonders betroffen sind Kinder aus bildungsfernen Familien. Sie brauchen die Beziehung und Bindung zu anderen Personen außerhalb der Familie stärker, um Bildungsdefizite aufzuholen. Das gelingt momentan durch Isolation und Kontaktbeschränkungen nicht. Welche Folgen kann die Situation nach sich ziehen? "Das sieht man so richtig in 20 Jahren, weil solche Bildungsdefizite nicht mehr aufgeholt werden können", berichtet Jutta Allmendinger.

"Ich spreche immer von den drei großen "S": das eine "S" ist finanzielle Sicherheit, das zweite ist gesundheitlicher Schutz und das dritte ist Schule oder Kindertagesstätten. Und man sieht, Frauen in den sogenannten systemrelevanten Berufen, die haben eine finanzielle Sicherheit, aber sie haben keinen Gesundheitsschutz."

Frauen sind oftmals von einer dieser Einschränkungen in der Corona-Pandemie betroffen: Bekommen sie gesundheitlichen Schutz durch Isolation, so verringert sich oft die finanzielle Sicherheit. Bekommen sie finanzielle Sicherheit in systemrelevanten Berufen, so verringert sich oft der gesundheitliche Schutz. "Wenn wir irgendwas lernen, dann, dass wir diese partnerschaftlichen Familien, wie es die Politik so schön sagt, wenn die Krise vorbei ist, viel, viel stärker leben müssen", resümiert die Soziologin.

Viele Frauen könnten die Krise nur finanziell geschwächt überstehen, befürchtet Jutta Allmendinger "Zumindest ist es ein potentieller Karrierekiller ... Wir wissen, dass Frauen, wenn sie lange aus dem Arbeitsmarkt draußen sind, sehr schwere Chancen haben, wieder reinzukommen, dass sich die Karriereentwicklung verzögert."

Familienministerin Franziska Giffey hat heute im RTL-Frühstart angekündigt, sich um Familien, die besonders unter der Corona-Krise leiden, zu kümmern. Die Details finden Sie hier.

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Frühstart Corona Spezial im Podcast

Das gesamte Interview mit Prof. Jutta Allmendinger gibt´s im Podcast.