Klimaschutz und Pandemie

Corona-Krise: Die Chance für Schwarz-Grün?

Klimaschutz und Pandemie: Wie passt das zusammen?
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28. April 2020 - 11:58 Uhr

von Philipp Sandmann

Auf einmal kommen gleich mehrere zukunftsträchtige Themen zusammen. So befinden wir uns mitten in einer Pandemie, müssen aber auch feststellen, dass es seit Wochen so gut wie nicht mehr regnet. Erinnerungen werden wach an die vergangenen Dürre-Sommer. Eine anhaltende Hitze würde unsere Wälder und Felder nachhaltig zerstören und Landwirte vor immense Probleme stellen. Und das in einer Zeit, in der die Wirtschaft ohnehin massiv angeschlagen ist.

Zwar ist es etwas stiller geworden um die Klimaaktivistinnen Greta Thunberg aus Schweden und Luisa Neubauer aus Deutschland, dabei hängen Pandemie und Klimaschutz miteinander zusammen, sagt auch der Zukunftsforscher und Politikexperte Daniel Dettling. Nun zeigen sogar die ersten Studien, dass sich das Virus schneller in verschmutzter Luft verbreite. "Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Pandemie- und Klimaschutz. Das sind zwei Seiten einer Medaille", sagte Dettling im Gespräch mit der RTL/ntv Redaktion.

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Wer schützt uns am besten?

Ein positiver Aspekt: In der Krise sei die Bereitschaft gewachsen, langfristiger zu denken. "Deswegen müssen wir Vorsorge betreiben", erklärt der Politikexperte. Vor einigen Jahren machten sich noch viele darüber lustig, dass der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière vorgeschlagen hatte, jeder Bürger solle doch Zuhause einen kleinen Vorrat an Lebensmitteln für den Fall einer Pandemie anlegen. In der Corona-Krise sind Hamsterkäufe zur Realität geworden.

Natürlich geht es bei der Vorsorge in erster Linie nicht um Hamsterkäufe und einem Vorrat an Klopapier. Es gehe vielmehr um nachhaltige und kluge Ernährung, gesunde Städte, Digitalisierung, Lebens- und Luftqualität, Mobilität: Damit ließen sich auch Wahlen gewinnen, wenn sie glaubwürdig und authentisch vorgetragen würden, betont Dettling. "Natürlich müssen diese Themen aber auch zu den Personen passen."

Für die Wahl 2021 hieße das: "Nächstes Jahr wird die wahlentscheidende Zukunftsfrage sein: Wer schützt uns am besten? Und zwar umfassend: Gesundheitlich, sozial und wirtschaftlich. Diese Krise könnte eine Blaupause für eine schwarz/grüne Bundesregierung sein", sagt der Zukunftsforscher.

Das große Schweigen

Ein Thema, über das wiederum gerade wenig gesprochen wird: Die Lage der Flüchtlinge. Lediglich 47 unbegleitete Flüchtlingskinder von den griechischen Inseln nahm Deutschland unlängst auf – vor einigen Wochen war noch die Rede von 1.500.

Der Migrationsforscher Gerald Knaus erklärt, dass der derzeitige Umgang mit der Frage der Flüchtlinge offenbare, dass es weiterhin keinen Plan in der Europäischen Union für das Problem gäbe. Denn trotz niedriger Flüchtlingszahlen sei die EU überfordert. "Viele Leute haben immer noch das Gefühl, dass es an der EU-Außengrenze einen Druck gibt. Im letzten Jahr sind ganze 12.000 Menschen nach Italien gekommen: Das ist ein schlecht besuchtes Zweitligaspiel", sagte Knaus im Gespräch mit der RTL/ntv Redaktion.

"Dramatisch verschärfen" könne sich zudem die Lage der Millionen Syrer in der Türkei. Zwar hätte ein Teil der Syrer in der Türkei die Unterstützung der EU, z.B. durch Sozialhilfe, erhalten, jedoch gäbe es rund 1,5 Millionen, die diese Unterstützung nicht bekommen hätten. "Viele davon haben informell gearbeitet. Wenn diese Arbeit jetzt aufhört, weil die Fabriken wegen Corona stillstehen, dann haben wir eine sehr große Zahl an Menschen, die kein Einkommen mehr haben", so Knaus. Weiter: "Wenn die EU-Hilfen jetzt auslaufen und damit gleichzeitig die Unterstützung fürs Gesundheitswesen in der Türkei und die medizinische Versorgung für Syrer, dann wird das System dort unter enormen Druck geraten, was auch zu großen Flüchtlingsströmen führen kann."

Hoffnung auf deutsche EU-Ratspräsidentschaft

Hoffnung hat der Migrationsforscher mit Blick auf die EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands ab 2020. Hier erwartet Knaus konkrete Vorschläge: "Ich glaube, dass die Probleme an Europas Grenzen lösbar sind". Mit Blick auf die Bundestagswahl 2021 sagt er: "Das Flüchtlingsthema könnte wieder groß werden, wenn klar wird, dass die Politik wirklich gar keine Antworten hat. Weil dann kleine Zahlen Panik verursachen können. Aber wir haben es in der Hand."

Die Wahlen sind erst in einem Jahr. Bis dahin gibt es vielleicht und hoffentlich einen Impfstoff, aber vermutlich noch keine Antwort auf die Frage wie wir mit den Flüchtlingen umgehen und wie wir das Klima retten sollen. Aber vielleicht regnet es bis dahin.

TVNOW-Doku: "Was wir aus der Krise lernen"

Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind? Sehen Sie hierzu die TVNOW-Doku: "Was wir aus der Krise lernen".