Elternkolumne

Corona-Krise als Chance: „Es gibt tatsächlich tröstliche Momente“

Eva Imhof sieht die Corona-Krise als Chance
© RTL

16. März 2020 - 16:44 Uhr

Von Eva Imhof

Gerade eben habe ich mich dabei erwischt, wie ich in meinem ganzen Corona-Krisen-Chaos einfach vom Schreibtisch aufgestanden bin und mich nach draußen in die Sonne gesetzt habe. Zwischenzeitlich dachte ich am Schreibtisch, mir platzt der Schädel in Anbetracht der Nachrichtenflut und vom vielen Grübeln über die Zukunft. Aber statt wie sonst immer eine Ibu gegen meinen plötzlich auftretenden, stechenden Kopfschmerz einzuwerfen, bin ich also erst mal ab nach draußen. Für ein paar Minuten habe ich einfach NICHTS gemacht. Ich habe den Vögelchen beim Zwitschern zugehört und den in der Nachbarschaft spielenden Kinderstimmen. Außerdem habe ich die ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf der Haut gespürt und erschnuppert, dass irgendjemand bei uns im Kiez den Grill angeworfen hat.

"Es gibt tatsächlich tröstliche Momente"

Plötzlich muss ich lächeln: So dramatisch, schrecklich und weltumspannend diese Krise auch ist – es gibt tatsächlich tröstliche Momente. Zuvor hatte ich bereits eine E-Mail an die Elternvertreter*innen und Lehrer*innen unserer Töchter geschrieben, dass wir in der Lage sind, in den kommenden beiden Wochen weitere Kinder bei uns zu betreuen. Für diejenigen Eltern, die keine Betreuungsmöglichkeit haben. Denn mein Mann hat diese Woche keine Sendung und ist sozusagen im "Kinderdienst", da ich eigentlich in Köln im Studio bei RTL "Guten Morgen Deutschland" eingesetzt wäre. Aber nun ist alles anders: Zusammen mit der Redaktion haben wir entschieden, dass es besser ist, wenn ich in Berlin bleibe. Und somit war heute früh beim Wetter der Treptower Park, einer der größten Parks in Berlin, mein "Home Office". Morgen früh mache ich mich dann beim RTL Wetter in Berlin-Mitte auf die Suche nach Frühlingsblüten.

Und dazwischen versuche ich, keine Panikattacken zu bekommen. Denn gemeinsam mit meinem Mann betreibe ich noch zwei Fachgeschäfte für Fruchtgummi in Dresden und mache mir selbstverständlich große Sorgen um die kommende Zeit und um unser Team. ABER: Diese Gefühle sind etwas, das uns gerade weltweit vereint! Und ich frage mich: Könnte es sein, dass diese schlimme Zeit - so schrecklich, bedrohlich und existenzzerstörend sie auch gerade auf uns wirken mag - in sich auch eine Chance birgt?

Zeitweise habe ich das Gefühl, es wurde einfach mal dieser völlig überdrehten, klimakollabierenden und digitalen Welt der Stecker gezogen. Apropos digital: Gerade im Netz habe ich schon so viele tröstliche Momente gesehen. Seien es die Menschen in Italien oder Spanien, die über ihre Balkone und Fenster miteinander musizieren oder beispielsweise mein irischer Wetterkollege Deric O´hArtagáin (er schreibt sich wirklich so!), der nun über Instagram jeden Tag live sein Fitnessprogramm durchzieht, damit andere mitmachen können und ein bisschen abgelenkt werden vom derzeitigen "Alltagselend".

Und gerade bei Instagram habe ich inzwischen bereits soviel tolle Ideen gesehen, was man alles mit Kindern zusammen basteln und gestalten kann, dass es mir ganz warm ums Herz wird.

"Ich übernehme Verantwortung in dieser Krise"

Meine Kinder sind übrigens gerade nochmal in die Schule gegangen. Heute bekommen sie mitgeteilt, was in den nächsten Wochen zu Hause alles geübt und erledigt werden soll. Und ich freue mich, wenn ich sie gleich abhole und wir uns erst einmal eine Runde auf die Wiese setzen und sie mir etwas Schönes vorlesen. Ich musste eben lachen, als ich zu meinem Mann sagte: "Komm, sollen wir eben noch schnell was zusammen zum Mittag essen gehen?" Und er mit seinem unvergleichlich lustigen, ganz trocken Humor antwortete: "Nein, Eva, das machen wir nicht. Es ist alles zu. Wir müssen verhungern."

Aber ganz ehrlich: Ich kann auch verstehen, dass Menschen nichts anfangen können mit Humor in der Krise und weder über Klopapier-Witze lachen können noch mit Solidaritätsbekundungen etwas anzufangen wissen. Denn wenn man sein Leben, seinen Job und letztlich seine Existenz bedroht sieht, darf man sich auch einfach mal schlecht und verzweifelt fühlen!

Ich habe für meinen Teil entschieden: Ich übernehme Verantwortung in dieser Krise und versuche, anderen zu helfen, die vor größeren Herausforderungen stehen als ich. Und ich bin mal gespannt, wie viele fröhliche Kinderstimmen hier bald durchs Haus tönen, wenn die Mitschüler*innen hier einfallen...

Es sei denn, es kommt auch in Berlin zum "Shutdown". Dann bleiben wir natürlich alle daheim und auch das sehe ich als Chance. Einfach mal einen Gang runterfahren, den Blick nach innen kehren, sich an den Sonnenstrahlen und dem Frühling erfreuen und Pläne schmieden – im Zweifel schon mal für die "Zeit danach", also die Zeit nach der Krise.

Ich schaue gleich mal, ob ich im Gartencenter ein paar Pflänzchen kaufen kann. Ich möchte versuchen, mein erstes eigenes Gemüse zu ziehen. So wie mein Papa früher. Er hat das jedes Jahr im Frühling gemacht. Schließlich birgt die Besinnung auf die Natur und ihre Schätze in sich etwas sehr Beruhigendes...

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund!

Alles Liebe, Ihre Eva Imhof