Krankenhaus in Eger (Cheb) vor dem Kollaps

Menschen in Tschechien flehen: „Öffnet die Grenze nach Deutschland für die Krankenwagen“

Tschechien: Coronavirus-Station in einem Krankenhaus (Archivbild)
Tschechien: Coronavirus-Station in einem Krankenhaus (Archivbild)
© dpa, Dalibor Glück, jzd dhu lop

03. Februar 2021 - 9:43 Uhr

Petition hat schon 3.000 Unterzeichner

Tschechien ächzt unter der Last der Corona-Auswirkungen, das Gesundheitssystem des Landes steht teilweise vor dem Zusammenbruch. In der grenznahen Region Karlsbad gibt es kein freies Intensivbett mehr. Können wir unseren Nachbarn helfen? Immer mehr Menschen in Tschechien fordern ihre Regierung auf, Deutschland um Hilfe bei der Behandlung von Corona-Intensivpatienten zu ersuchen. Eine Online-Petition mit dem Titel "Öffnet die Grenzen für Rettungswagen" haben bisher mehr als 3.000 Menschen unterzeichnet (Stand: 2. Februar 12 Uhr).

Appell an Kabinett in Prag - passiert ist nichts

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Innerhalb kurzer Zeit unterstützten bereits 3.000 unterzeichner den Aufruf nach einer Grenzöffnung für Krankenwagen.

Der Präsident der Region Karlsbad im Westen des Landes, Petr Kulhanek, äußerte sich frustriert: Er habe an das Kabinett in Prag appelliert, über Verlegungsmöglichkeiten nach Sachsen oder Bayern zu verhandeln. "Und nichts", schrieb der konservative Politiker bei Twitter, sei passiert.

In der Verwaltungsregion um Karlsbad (Karlovy Vary) war kein einziges Intensivbett für Corona-Patienten mehr frei. In der benachbarten Region Pilsen (Plzen) gab es noch ein einziges. Besonders dramatisch entwickelt sich die Lage im Stadtkrankenhaus von Eger (Cheb). Das Online-Portal onetz.de berichtet, das in dem westböhmischen Krankenhaus die Kapazitäten nicht mehr ausreichten, um alle Covid-19-Patienten intensivmedizinisch zu behandeln.

Patienten mit extremer Atemnot warten stundenlang

29.10.2020, Tschechien, Zlin: Medizinisches Personal in Schutzkleidung arbeitet auf einer Intensivstation im Regionalkrankenhaus Tomas Bata, wo Patienten mit Covid-19-Erkrankung versorgt werden. Foto: Dalibor Glück/CTK/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Situation in den Kliniken ist teilweise dramatisch (Symbolfoto)
© dpa, Dalibor Glück, jzd dhu lop

Auch andere Stationen der Klinik seien bereits voll ausgelastet. Die dortigen Ärzte stünden kurz davor, die sogenannten Triage anwenden zu müssen, also die Entscheidung, welche Patienten behandelt werden und welche nicht. Tschechische Medien berichten. dass Covid-19-Patienten mit extremer Atemnot bis zu fünf Stunden warten müssten, bis jemand vom Krankenhaus-Personal Zeit hat, sich um die Neuzugänge zu kümmern.

Täglich werden Patienten von Cheb mit Krankenwagen oder Armeehubschraubern in weit entfernte Kliniken innerhalb Tschechiens verlegt - teilweise über Hunderte Kilometer. Dabei ist die Grenzstadt auf drei Seiten von Deutschland umgeben. Bayern und Sachsen hatten der Regierung in Prag bereits Anfang Januar Zusagen über die Aufnahme von Patienten gegeben.

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Nordwesten Tschechiens gilt als medizinisch unterversorgt

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© dpa, Slavomír Kubeš, vhm nwi

Gesundheitsminister Jan Blatny ist der Ansicht, dass ausländische Hilfe nicht erforderlich ist, solange in anderen Landesteilen Kapazitäten verfügbar sind. Kritiker merken an, dass der Nordwesten des Landes seit Jahren medizinisch unterversorgt sei. In der Karlsbader Region gibt es kein einziges Universitätskrankenhaus.

Die Behörden meldeten zuletzt landesweit 2.540 neue Corona-Fälle innerhalb von 24 Stunden. Seit Beginn der Pandemie gab es mehr als 987.000 nachgewiesene Infektionen und 16.392 Todesfälle. Die tschechische Regierung verschärfte in der vergangenen Woche die Corona-Maßnahmen noch einmal. Seit Samstag dürfen Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung nur noch aus triftigen Gründen einreisen. Fahrten nur zum Einkaufen nach Tschechien sind derzeit nicht erlaubt.

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