Verzweifelter Kampf gegen Corona-Ausbreitung

Indien: Behörden desinfizieren Menschen mit Chlor-Wasser-Gemisch

04. April 2020 - 18:44 Uhr

Drastische und fragwürdige Maßnahme

Indien - ein Riesenstaat mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern kämpft gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie. Zum Teil mit drastischen, aber auch verzweifelten und fragwürdigen Maßnahmen. So ließen die Behörden im Bundesstaat Uttar Pradesh Menschen mit einem Mix aus Chlor und Wasser besprühen, um sie zu desinfizieren. Mehr dazu – in unserem Video.

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Tausende Wanderarbeiter marschieren hunderte Kilometer

Delhi fire officers disinfect an area at Nizamuddin, from where several people who attended an Islamic congregation earlier this month were tested positive for Covid-19, in New Delhi, India, Thursday, April 2, 2020. Police in New Delhi have filed a c
Feuerwehrmänner desinfizieren in Neu-Delhi öffentliche Anlagen,
© AP, Manish Swarup, MS

Landesweit sollen Zehntausende Wanderarbeiter isoliert werden, um die Coronavirus-Pandemie einzudämmen. Die Menschen haben sich zu Fuß auf den Weg aus Städten in ihre oft Hunderte Kilometer entfernten Heimatdörfer gemacht, nachdem sie wegen einer dreiwöchigen Ausgangssperre ihr Einkommen verloren hatten.

Sie waren auch plötzlich gestrandet, weil keine Züge und Busse mehr in Richtung ihrer Dörfer fahren. Indien ist nach China das bevölkerungsreichste Land der Erde. Mit einer der größten Massenwanderungen in Indiens jüngster Geschichte droht die Gefahr, dass sich das Virus bis in die entlegendsten Gegenden verbreitet.

Einige Orte griffen zu drastischen Maßnahmen, mehrere Dörfer wiesen die Zurückkehrenden nach ihren langen Märschen gar ab. In einem Dorf im Bundesstaat Westbengalen schickten die Bewohner sieben Tagelöhner zur Isolation auf Bäume. Dort hätten sich diese Baumhäuser gebaut.

Erster Corona-Todesfall in Riesen-Slum

FILE PHOTO: High-rise residential towers are seen behind shanties in Dharavi, one of Asia's largest slums, in Mumbai March 18, 2015. REUTERS/Danish Siddiqui/File Photo
Der Dharavi-Slum in Mumbai ist einer der der größten Slums der Welt.
© REUTERS, Danish Siddiqui, DS/MK/KV/

Sorgen bereitet den Experten der erste Corona-Todesfall in einem der größten Slums der Welt. Nun fürchten lokale Behörden, dass sich das Virus dort rasch ausbreiten wird. Der 56-Jährige stammte aus dem Dharavi-Slum in Mumbai. Dort leben geschätzt bis zu einer Million Menschen dicht an dicht auf fünf Quadratkilometern. Oft teilen sich acht bis zehn Menschen ein Zimmer. Viele Haushalte nutzen die gleichen sanitären Anlagen.

Wer sich in der nordindischen Stadt Chandigarh nicht an die dreiwöchige Ausgangssperre hält, muss zwangsweise in ein Cricketstadion oder einen anderen Sportkomplex. Sport gibt es dort zwar wegen der Coronavirus-Pandemie keinen mehr, doch stattdessen werden die Regelbrecher über Social Distancing, Hygiene und die Ausgangssperrenregeln aufgeklärt, so ein Polizeisprecher. Die Sportstätten seien quasi temporäre Gefängnisse.

TVNOW-Doku: Stunde Null Teil 2 - Wettlauf mit dem Virus

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt weiter in Atem. Nach dem ersten Teil der Doku "Stunde Null" gleichen die Autoren in der zweiten TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.

Mehr Informationen finden Sie auch in unserem Podcast "Wir und Corona".