Politiker warnen, Virologen sind alarmiert, die Menschen in Sorge

Angst vor neuem Corona-Lockdown in Deutschland wird größer

Angst vor neuem Corona-Lockdown in Deutschland wird größer
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17. Oktober 2020 - 11:29 Uhr

von Dirk Emmerich

Die Zahlen steigen von Tag zu Tag. 7.830 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden sind ein neuer Rekordwert für Deutschland. Gerade erst wurden neue Corona-Maßnahmen beschlossen, bei den Bürgern wächst die Angst vor einem neuen Lockdown. Und die Frage wird lauter, was eigentlich aus Weihnachten wird.

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82 Prozent der Deutschen halten 2. Lockdown für wahrscheinlich

Wir haben uns diese Woche fast schon daran gewöhnt. In den Morgen-Nachrichten verkündet das Robert-Koch-Institut immer wieder neue Rekordwerte für Neuinfektionen. Inzwischen wurde die Marke von 7.000 durchbrochen, 7.830 Menschen wurden an einem einzigen Tag positiv auf Corona getestet. Das gab es seit Beginn der Pandemie noch nie. Und es gibt kaum Zweifel, dass diese Zahl in den nächsten Tagen noch weiter nach oben ansteigen wird.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte auf dem Corona-Krisengipfel im Kanzleramt gewarnt: Der zweite Lockdown sei "näher, als wir wahrhaben wollen". Die Angst, dass er womöglich wirklich kommt, wird mit jedem Tag größer. 82 Prozent der in einer Forsa-Umfrage von RTL/ntv befragten Deutschen halten einen neuen Lockdown inzwischen für wahrscheinlich oder sogar sehr wahrscheinlich. In der vergangenen Woche waren es nur 67 Prozent. 

Die Wirtschaft hat ihre Konjunkturprognosen für dieses und nächstes Jahr korrigiert. Hoteliers klagen über das umstrittene Beherbergungsverbot, Restaurantbesitzer über die Sperrstunde. Und die Menschen beginnen wieder, sich mit Toilettenpapier und Nudeln einzudecken. Es ist zu spüren, wie blank die Nerven überall wieder liegen.

Und immer mehr Menschen fragen sich auch, was in diesem Jahr aus Weihnachten wird.

Kanzleramtschef schlägt Alarm: "Deutlich ernster als im Frühjahr"

Die Ministerpräsidenten-Runde hatte am Mittwoch beschlossen, dass sich in Corona-Hotspots, also dort wo es mehr als 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche gibt, höchstens noch zehn Menschen aus maximal zwei Haushalten treffen dürfen.  Das würde bedeuten, dass große Familientreffen diesen Dezember tabu sind.

Experten verweisen zwar darauf, dass die aktuelle Zahl der Neuinfektionen eigentlich nicht mit denen aus dem Frühjahr vergleichbar sei. Damals gab es maximal 400.000 Tests pro Tag, jetzt sind es 1,2 Millionen. Mehr Tests bedeute am Ende eben auch mehr Infizierte.

Im RTL/ntv-Frühstart sagt Kanzleramtschef Helge Braun, dass dies zwar stimme, aber dieser Unterschied nicht entscheidend sei. Im Frühjahr habe man den Lockdown bei 2.000 Infizierten pro Tag verfügt. Jetzt liege das Land bei 7.000 Infizierten pro Tag und es gebe noch gar keinen Lockdown. Daher sei die Lage "deutlich ernster" als im Frühjahr, so Braun. 

Es sei die Dynamik, mit der die Zahl jeden Tag weiter nach oben gehe, die ihm Sorge bereite. "Wir hatten vor vier Tagen 4.000, dann 5.000, 6.000, jetzt über 7.000 Fälle. Das zeigt, dass wir gerade am Beginn einer wirklich großen zweiten Welle sind und die müssen wir jetzt unterbrechen." Und analysiert nüchtern weiter: "Momentan steigen die Zahlen überall. Und steigende Zahlen heißt: Wir tun im Augenblick nicht genug, um die Infektionen unter Kontrolle zu halten."

Virologe: Menschen haben es selbst in der Hand

Deshalb sei es extrem wichtig, dass die am Mittwoch beschlossenen Maßnahmen alle umgesetzt werden. Das gelte vor allem für den Freizeitbereich. "Es heißt jetzt handeln und in den nächsten zwei Wochen die Lage stabilisieren, dann brauchen wir uns um das Weihnachtsfest jetzt auch noch keine Gedanken machen.", so der Kanzleramtschef.

Auch Mediziner verweisen darauf, wie wichtig es sei, die verordneten Maßnahmen ernst zu nehmen und strikt zu befolgen. Die Menschen hätten es selbst mit in der Hand. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer sagt im Gespräch mit RTL/ntv: "Das Eine ist, Maßnahmen zu beschließen, aber wenn sich keiner daranhält und wenn auch nicht kontrolliert wird, dann haben wir ein großes Problem."

Unabhängig davon, wie hoch die Zahl der Neuinfizierten in den nächsten Wochen weiter steigt oder ob es gelingt, den Anstieg zu bremsen oder wieder zurückzuschrauben – das Virus wird bleiben, auch über den Winter. Mit oder hoffentlich ohne Lockdown.

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