Animation zeigt Entwicklung

Wie sich das Coronavirus in Deutschland ausbreitet

21. August 2020 - 10:38 Uhr

Video: So hat sich das Coronavirus bei uns entwickelt

Erst Heinsberg, Tirschenreuth, Gütersloh - und jetzt die Reiserückkehrer: Nachdem die Infektionszahlen phasenweise steil bergab gingen und einige Landkreise sich sogar als coronafrei bezeichnen durften, flackern nun immer wieder neue Corona-Hotspots auf – und das überall in Deutschland. Wie sich das Virus in Deutschland entwickelt hat und warum Corona längst nicht vorbei ist, zeigt unsere Animation zur Virus-Lage von Mai bis heute im Video.

+++ Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus lesen Sie in unserem Live-Ticker bei RTL.de +++

Wie hoch sind die Corona-Zahlen in Ihrer Region?

Ist die Corona-Krise vorbei? Auf diese Frage lassen die Daten aus den Gesundheitsämtern nur eine Antwort zu: nein. Der Erreger Sars-CoV-2 befindet sich beinahe überall im Land wieder auf dem Vormarsch. Nach den vereinzelten Ausbrüchen der vergangenen Wochen steigt das Fallaufkommen nun auch in der Fläche deutlich an. Auf der Deutschlandkarte zur aktuellen Virus-Lage färben sich ganze Landstriche über den Sommer von Grün zu Grau: Die Zahl der Regionen ohne Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen geht deutlich zurück - vom Höchststand 158 Mitte Juni auf inzwischen nur noch 15. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter an.

Egal ob Ballungsraum oder dünnbesiedelte Landschaften: Mit der einsetzenden Rückreisewelle und vermehrten Kontakten in der Bevölkerung findet das Coronavirus auch an weit auseinanderliegenden Orten immer neue Wege zurück in die ungeschützte Öffentlichkeit. Gegen Ende des Hochsommers stellt sich die Lage in Deutschland wieder ganz anders dar als noch zur Einführung der sogenannten Obergrenze am 6. Mai.

Die Deutschland-Karte zeigt die 401 Städte und Kreise, wie sie sich über die 16 Bundesländer verteilen. Die Farben zeigen die Entwicklung der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz an.

  • Grün eingefärbt erscheinen jene Regionen, in denen es keine oder nur noch sehr wenige neue Fälle gibt. Gemessen wird das örtliche Fallaufkommen an der Anzahl der gemeldeten Neuinfektionen im jeweils zurückliegenden Zeitraum von sieben Tagen. Um die Daten vergleichbar zu machen, wird die Anzahl der Fälle je 100.000 Einwohner angegeben.
  • Grau steht für Städte und Kreise, in denen sich die Neuinfektionszahlen in einer breiten Spanne zwischen 1,5 und 24,9 Fällen bewegen: je dunkler der Grauton, desto höher das Fallaufkommen.
  • In der Farbe Orange beginnen sich Regionen zur färben, sobald sie mit ihrer Sieben-Tage-Inzidenz Werte über 25,0 erreichen.
  • Das volle Warnorange markiert Gebiete mit mehr als 35,0 Neuinfektionen.
  • Und in Rot leuchten jene Kreise auf, in denen die zwischen Bund und Ländern vereinbarte Obergrenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern erreicht oder überschritten ist.

Startpunkt ist der 6. Mai, und damit der Tag, an dem die Bund/Länder-Einigung zur Obergrenze in Kraft trat. Die Daten dahinter stammen vom Robert Koch-Institut (RKI) und geben den offiziellen Stand wieder, so wie er sich den Behörden in Deutschland anhand der tagesaktuell gemeldeten Fälle darstellt. Anhand der Zahlen wird erkennbar, wie sich das Infektionsgeschehen in den Wochen nach dem Abebben der ersten Welle von Anfang Mai bis Mitte August entwickelte.

Corona-Ausbrüche über ganz Deutschland verstreut

Gut zu sehen ist unter anderem, dass die Ausbrüche geografisch weit verstreut in vollkommen unterschiedlichen Regionen auftreten. Anfang Mai rückten etwa Regionen in drei verschiedenen Bundesländern ins Rampenlicht. Auffallend hohe Fallzahlen gab es im Kreis Coesfeld in Nordrhein-Westfalen, im Landkreis Greiz in Thüringen und im Kreis Steinburg in Niedersachsen. Später kommen Hotspots hinzu, die bundesweit für Aufsehen sorgten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist dabei nicht nur eine theoretische Zahl für Virologen. Als entscheidende Kenngröße bestimmt dieser Wert über die Fachkreise hinaus die politische Debatte und das öffentliche Leben in den betroffenen Regionen. Schließlich hängt von der weiteren Entwicklung bei den Neuinfektionen auch ab, ob schlimmstenfalls neue Corona-Auflagen verhängt werden müssen.

Steigen die Zahlen zu hoch, kommt es zu lokalen Lockdowns

Gemäß der Bund-Länder-Einigung liegt die Entscheidung darüber letztlich bei den Länderbehörden. Sobald es sich jedoch nicht mehr nur um ein lokal begrenztes Infektionsgeschehen handelt und sich die Infektionsketten überregional auszubreiten drohen, bleibt in der Pandemie-Abwehr nicht mehr viel Spielraum. Schon wenn sich die lokalen Werte der Warn- oder gar der Alarmschwelle annähern, können die Verantwortlichen vor Ort daher schnell unter erheblichen Rechtfertigungsdruck geraten.

Schließlich sind Lockdown-Entscheidungen mit massiven Konsequenzen für die örtliche Bevölkerung, die regionale Wirtschaft und das öffentliche Leben verbunden. Praktische Erfahrung damit konnten bisher vor allem die Einwohner im Kreis Gütersloh sammeln. Dort mussten nach dem Ausbruch in einem Schlachtbetrieb ("Fall Tönnies") unter anderem auch die Schulen zeitweilig wieder geschlossen werden. Der lokale Anstieg hatte überregionale Folgen: Einzelne Nachbarländer wie zum Beispiel Österreich verweigerten Urlaubern aus der Region zeitweise sogar vorsorglich die Einreise.

Immerhin jedoch liefern die regionalen Fallzahlen wertvolle Hinweise darauf, wie genau sich Coronavirus-Ausbrüche wirksam eindämmen lassen. Entscheidend sind nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts drei grundlegende Maßnahmen:

  1. die frühzeitige Isolierung der Infizierten,
  2. die möglichst rasche Nachverfolgung aller Kontaktpersonen
  3. und die strikte Einhaltung der Quarantäne vor Ort.

Zuletzt erwies sich jedoch die große Zahl an Reiserückkehrern als problematisch: Beim RKI mehren sich die Hinweise, dass sich offenbar eine nicht unerhebliche Zahl an Urlaubern im Ausland - oder während der Rückreise - mit dem Coronavirus angesteckt hat. Aus welchen Ländern das Virus hauptsächlich einreist, lesen Sie hier.

Die Entwicklungen der vergangenen Wochen belegen, dass die Pandemie-Gefahr noch längst nicht gebannt ist. Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht in Geschäften oder im Nahverkehr, das allgemeine Distanzgebot, die grundlegenden Hygieneregeln und wohl auch die Absage von Großveranstaltungen konnten die Ausbreitung der potenziell tödlichen Virus-Erkrankung Covid-19 bisher lediglich verlangsamen. Aus der Welt schaffen lässt sich das Virus so nicht.

Video-Playlist: Alles, was Sie zum Coronavirus wissen müssen