Corona in den USA

Trump gibt zu: "Ich wollte es immer herunterspielen"

10. September 2020 - 11:58 Uhr

Interview-Szenen zeigen - Trump kannte das Corona-Risiko

Donald Trump fiel im Frühjahr mit verharmlosenden Äußerungen zur Gefahr durch das Coronavirus auf. Aus Interview-Mitschnitten geht nun hervor, dass er damals die gravierenden Risiken durchaus kannte. Wenige Wochen vor der Wahl gerät Trump nun unter erheblichen Druck.

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Donald Trump: "Ich spiele es auch immer noch gern herunter, weil ich keine Panik erzeugen will“

 March 2, 2016 - Austin, United States of America - Journalist and author Bob Woodward speaks about his recent book, The Last of the Presidents Men, during an event at the LBJ Presidential Library March 2, 2016 in Austin, Texas. Austin United States
Trump hatte die Interviews dem bekannten Investigativjournalisten Bob Woodward (Foto) für ein neues Buch gegeben. In einem Mitschnitt vom 19. März ist zu hören, wie Trump nach der Einleitung „Um ehrlich mit Ihnen zu sein, Bob“ über die Coronavirus-Situation sagt: „Ich wollte es immer herunterspielen. "
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Knapp zwei Monate vor der Wahl in den USA hat sich Präsident Donald Trump selbst in Bedrängnis gebracht durch sein Eingeständnis, die Corona-Gefahr heruntergespielt zu haben. Trump sagte zu seiner Verteidigung, er habe damit Panik vermeiden und Führungsstärke zeigen wollen. Zuvor hatten erstmals veröffentlichte Mitschnitte aus Interviews zu Beginn der Pandemie den Präsidenten in Erklärungsnot gebracht. Sein Herausforderer im Rennen ums Weiße Haus, der Demokrat Joe Biden, warf Trump umgehend vor, das amerikanische Volk belogen zu haben und für den Tod Zehntausender US-Bürger verantwortlich zu sein.

Trump hatte die Interviews dem bekannten Investigativjournalisten Bob Woodward für ein neues Buch gegeben. In einem Mitschnitt vom 19. März ist zu hören, wie Trump nach der Einleitung "Um ehrlich mit Ihnen zu sein, Bob" über die Coronavirus-Situation sagt: "Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es auch immer noch gern herunter, weil ich keine Panik erzeugen will."

In einem Gespräch am 7. Februar sagte Trump den Aufnahmen zufolge über das Virus: "Das ist tödliches Zeug." Menschen müssten nicht erst Kontaktflächen anfassen, um sich anzustecken: "Man atmet einfach Luft ein, und das ist, wie es sich überträgt." Die Krankheit sei auch "tödlicher" als eine schwere Grippe, die pro Jahr 25.000 bis 30.000 Amerikaner das Leben koste. Am Mittwoch überschritt die Zahl der Corona-Toten in den USA die Marke von 190.000.

Trump: „Ich bin ein Cheerleader für dieses Land, und ich will keine Panik sehen“

Biden warf Trump ein "beinahe kriminelles" Verhalten in der Corona-Krise vor. Der 77-Jährige sagte dem Sender CNN, Trumps Verhalten sei "abscheulich". Bei einem Auftritt in Michigan kritisierte Biden, Trump habe das amerikanische Volk über das Virus belogen, dadurch seien Menschen gestorben. "Er wusste, wie tödlich es ist und hat es gezielt heruntergespielt."

Trump sagte im Sender Fox News: "Ich bin ein Cheerleader für dieses Land, und ich will keine Panik sehen." Als Präsident trage er besondere Verantwortung: "Ich bin der Anführer dieses Landes, ich kann nicht auf und ab springen und die Menschen verängstigen." Er betonte, er habe frühzeitig einen Einreisestopp für Reisende aus China und der EU erlassen, der etliche Menschenleben gerettet habe. Trump lobte zugleich das Krisenmanagement seiner Regierung. "Wir haben unglaubliche Arbeit geleistet."

Besonders zu Beginn der Pandemie hatte Trump Covid-19-Erkrankungen wiederholt mit einer Grippe-Infektion verglichen. Auch behauptete er öffentlich, dass die Sterberate niedriger als bei einer Grippe sei - und hielt im Frühjahr mehrere Wahlkampfveranstaltungen mit Tausenden Anhängern ab. Mehrfach stellte er in Aussicht, dass das Virus eines Tages einfach wieder verschwinden werde.

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