Würde eine Impfpflicht helfen?

Nicht mal jeder Zweite will sich sofort gegen Corona impfen lassen

Nicht mal jeder Zweite will sich sofort gegen Corona impfen lassen.
© imago images/Christian Ohde, Christian Ohde via www.imago-images.de, www.imago-images.de

11. Dezember 2020 - 11:46 Uhr

43 Prozent wollen sich sofort impfen lassen

Mit einer Impfung zurück in ein normales Leben ohne Corona: Wenn sich 60 Prozent der Menschen impfen lassen, ist eine Herdenimmunität erreichbar, sagen Experten. Doch was, wenn es weniger Menschen gibt, die sich freiwillig impfen lassen? Würde eine Impfpflicht helfen?

In einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL geben 43 Prozent der Bürger an, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, sobald dies möglich ist. 50 Prozent wollen erst einmal abwarten, sieben Prozent wollen sich generell nicht impfen lassen.

+++ Aktuelle Infos zum Corona-Virus jederzeit im Liveticker +++

Staatliche Impfpflicht steht nicht auf der Agenda

Für eine Herdenimmunität wären diese 43 Prozent zu wenig, wenngleich unklar ist, wie viele der noch unentschlossenen 50 Prozent am Ende nicht doch bereit wären, sich impfen zu lassen. Wie auch immer, eine staatliche Impfpflicht scheint abwegig. Sie steht aus mehreren Gründen im Moment auch gar nicht auf der Tagesordnung.

Zum einen muss der Impfstoff erst einmal zur Verfügung stehen. Im ersten Quartal werden kaum mehr als sieben Millionen Dosen bereitstehen. Da jeder Mensch zweimal geimpft werden muss, damit das Präparat wirksam wird, würde das 3,5 Millionen Menschen betreffen. Das sind kaum fünf Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung. Deshalb geht es gar nicht um eine Pflichtimpfung, sondern um Prioritätenlisten. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes hat diese Woche empfohlen, zunächst Bewohner von Pflegeheimen, Menschen über 80 und besonders gefährdete Mitarbeiter des Gesundheitswesens zu impfen.

Zum anderen ist es aus medizinischer Perspektive gar nicht erforderlich, dass sich jeder Mensch gegen Covid-19 geimpft wird. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach: "Um eine Herdenimmunität zu erreichen, reicht es, wenn 50-60 Prozent der Bevölkerung impfen lassen - je nach Wirksamkeit der Impfstoffe. Eine Impfpflicht ist medizinisch nicht notwendig." Außerdem, so die Einschätzung von Lauterbach, werde es im ersten Halbjahr 2021 immer mehr Impfwillige geben als überhaupt Impfstoff zur Verfügung stehe. Auch für medizinisches Personal sei keine Plichtimpfung erforderlich. Dies sei normalerweise die Gruppe in der Gesellschaft, die sich ohnehin freiwillig impfen lasse, so Lauterbach.

"Es wird keine Impfpflicht geben, darauf kann man sich verlassen“

Berlin, Plenarsitzung im Bundestag Deutschland, Berlin - 18.11.2020: Im Bild ist Karl Lauterbach SPD vor Beginn der Sitzung des deutschen Bundestags zu sehen. Berlin Bundestag Berlin Deutschland *** Berlin, Plenary Session in the Bundestag Germany, B
Im ersten Halbjahr 2021 werde es immer mehr Impfwillige geben als überhaupt Impfstoff zur Verfügung stehe., so Karl Lauterbach.
© imago images/Christian Spicker, Christian Spicker via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), gibt sich im Gespräch mit RTL überzeugt: "Es wird keine Impfpflicht geben, darauf kann man sich verlassen." Auch er verweist auf die Herdenimmunität. Sowohl Lauterbach und Rüddel setzen auf die Vernunft die Menschen und darauf, dass sich die Akzeptanz erhöhen werde.

Dass sich im Moment nur 43 Prozent der Bürger impfen lassen würden, hängt sicher auch mit der Tatsache zusammen, dass der Impfstoff so schnell wie nie zuvor entwickelt und zugelassen wird. Was sonst Jahre braucht, haben die beteiligten Wissenschaftler in wenigen Monaten bewältigt – und dazu noch mit einer neuen Technik. Auch wenn der Impfstoff zugelassen ist, wird er bei den Zulassungsbehörden weiter im Fokus bleiben. Wer ein erhöhtes Risiko trägt, den Impfstoff nicht zu vertragen, sollte unter Umständen gar nicht geimpft werden. Oder der Betroffene müsse dies mit seinem Hausarzt besonders gründlich abwägen.

Nicht ganz auszuschließen ist allerdings, dass beispielsweise andere Staaten eine Einreise nur bei Vorlage einer Covid-19-Impfung erlauben. Die australische Fluggesellschaft Quantas erwägt das beispielsweise für ihre Fluggäste.

Grundsätzlich vorstellbar wäre dies sicher auch für privatrechtliche Bereiche in Deutschland. Dies wäre dann eine Art Impfpflicht durch die Hintertür. Doch diese Debatte befindet sich noch in den Kinderschuhen. Aber geführt werden wird und muss sie wohl dennoch weiter.

Jetzt geht es vor allem darum, dass der Impfstoff schnell kommt und für die verfügbar wird, die sich impfen lassen wollen.

Ob eine Impfpflicht richtig wäre, diskutieren Nikolaus Blome und Franca Lehfeldt.

VIDEO: Sie war die erste Patientin in Großbritannien, die geimpft wurde

Auch interessant