Einsatzkräfte enttäuscht

Corona-Impfung: Feuerwehr- und DRK-Chefs sollen bevorzugt worden sein

27. Januar 2021 - 12:06 Uhr

Einfacher Feuerwehrmann "entsetzt" über Berichte

Werden in Hamburg bei der Feuerwehr und beim Roten Kreuz Mitarbeiter aus den Chefetagen bevorzugt behandelt und früher geimpft, als dies eigentlich der Fall sein dürfte? Diesen Vorwurf erheben regionale Medien in der Hansestadt. Sowohl die Feuerwehr als auch das DRK weisen die Anschuldigungen zurück. Dennoch bleiben Fragen offen. Bei den Mitarbeitern des Einsatzdienstes herrscht Unverständnis darüber, dass Teile ihrer Chefs die begehrte Spritze bekommen haben, während sie selbst noch darauf warten.

Feuerwehrsprecher weist Berichte über Pfusch zurück

Martin Schneider, Pressesprecher der Hamburger Feuerwehr.
Martin Schneider , Pressesprecher der Hamburger Feuerwehr, äußerte sich zu dem Vorfall.

Der Hamburger Feuerwehrsprecher Martin Schneider bestätigt, dass zu Jahresbeginn Menschen geimpft wurden, die nicht im Einsatzdienst arbeiten. Er wehrt sich aber gegen den Vorwurf, dass es sich um eine Vorzugsbehandlung für Chefs gehandelt habe. Die Feuerwehr habe sich an die geltende Impfschutzverordnung und eine Priorisierungsliste gehalten, sagt er.

In den bekannt gewordenen Fällen seien Impf-Dosen vor dem Ablaufen gerettet worden. Das habe sich kurzfristig ergeben, es war lediglich eine Stunde Zeit, weswegen nur eine sehr begrenzte Zahl von Mitarbeitern in Frage gekommen wäre.

Zwei davon seien der Leiter der Feuerwehrakademie und ein Mitarbeiter der Zentraldirektion gewesen. Grundsätzlich sei es aber so, dass zuerst die Kollegen aus dem Rettungsdienst geimpft würden. Danach kämen Angestellte der wichtigen Infrastruktur wie IT-Spezialisten und erst danach alle anderen.

Gewerkschafter: "Wir sind im Rettungsdienst tätig und diese Kollegen nicht"

Daniel Dahlke, Deutsche Feuerwehrgewerkschaft.
Daniel Dahlke, Deutsche Feuerwehrgewerkschaft hätte sich gewünscht, dass zuerst Kollegen geimpft werden, die im Außendienst sind.

Man hätte jede andere Dienststelle telefonisch kontaktieren können, sagt ein enttäuschter Feuerwehrmann, der anonym bleiben möchte. "Es ist ja täglich genug Personal an der Wache vorhanden, das auch geimpft werden will."

Er habe in seinem Dienst täglich mit Covid-19-Patienten zu tun und sei "entsetzt" über die Meldung gewesen. "Ich war überrascht, weil etwas anders bekanntgegeben wurde", sagt er.

Daniel Dahlke von der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft sagt: "Das Problem bei dieser ganzen Geschichte ist, dass wir im Rettungsdienst tätig sind und diese Kollegen nicht. Wir rücken tagtäglich aus und setzen unsere Gesundheit aufs Spiel, manchmal sogar unser Leben. Und in diesem Fall führt das dazu, dass unberechtigte Personen, unserer Meinung nach, geimpft worden sind."

Familienangehörige geimpft? DRK dementiert nicht

Der Corona-Impfstoff ist knapp. (Symbolfoto)
Der Corona-Impfstoff ist knapp und dementsprechend begehrt. (Symbolfoto)
© dpa, Gian Ehrenzeller, ge rac nic

Vorwürfe gibt es auch gegen das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Wie die Hamburger Morgenpost berichtet, sollen dort nicht nur Führungskräfte bevorzugt worden sein, sondern "auch noch Ehefrauen von hochrangigen DRK-Mitarbeitern sowie in einem Fall ein Kind."

Das DRK äußerte sich auf RTL-Anfrage bisher lediglich schriftlich: "Am 29. Dezember 2020 sind 60 Impfstoffdosen des mobilen Impfteams nicht verbraucht worden. In Absprache mit der Sozialbehörde sollte eine Vernichtung dieses nur begrenzt haltbaren Impfstoffs unbedingt vermieden werden.

Deshalb wurden am 30. Dezember Rettungsdienst-Mitarbeiter aus den Corona-Testteams und der Corona Task-Force des DRK Harburg geimpft, darunter auch zwei Leitungskräfte. Zuletzt wurden weitere Personen geimpft, die zu diesem Zeitpunkt verfügbar waren. Ein anderes Vorgehen war aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Seit 4. Januar wird unverbrauchter Impfstoff ins Impfzentrum Messehallen gebracht", heißt es im Namen von DRK-Vorstand Harald Krüger.

Dass Familienangehörige von Chefs geimpft wurden, wurde nicht dementiert.