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Corona-Impfung: Diese EU-Länder wollen Vorteile für Geimpfte

Wird Deutschland nachziehen?

Erste EU-Länder gewähren Vorteile für Geimpfte

 Impfstart in Koeln erste Bewohner von Pflegeheimen werden geimpft Symbolbild, Symbolfoto Impfpass mit einer Ampulle von Biontech Pfizer Impfstoff und Spritze wahrend der ersten Impfung in Pflegeheimen Koeln Nordrhein-Westfalen Deutschland *** Vaccin
Impfstart in Koeln erste Bewohner von Pflegeheimen werden geimpft Symbolbild, Symbolfoto Impfpass mit einer Ampulle von
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Drei Länder wollen Einreisebestimmungen lockern

In Deutschland bekommen Geimpfte vorerst keine Vorteile. Sie dürfen noch nicht frei reisen oder ins Kino gehen . Immer mehr EU-Länder entscheiden sich aber anders: Schon drei Länder wollen die Einreisebestimmungen für Geimpfte lockern, andere könnten nachziehen.

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Ethikrat in Deutschland gegen Vorteile für Geimpfte

Restaurantbesuche, Kinoabende, Reisen: Sollen Geimpfte dürfen, was anderen in der Corona-Pandemie noch versagt ist? In Deutschland werden alle Vorstöße für entsprechende Regelungen von Kanzlerin Angela Merkel und der Bundesregierung noch abgeblockt. Auch der Ethikrat hat sich dagegen ausgesprochen. In einigen europäischen Ländern ist man schon ein ganzes Stück weiter.

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Dänemark denkt über digitalen Ausweis für Geimpfte nach

27.12.2020, Dänemark, Ishoj: Jytte Margrethe Frederiksen (r) wird von dem Arzt Tomas Johanson gegen Corona geimpft. In Dänemark sind die ersten Menschen gegen das Coronavirus geimpft worden. Die dänische Regierungschefin Frederiksen, die die Impfung
Dänemark denkt laut über Vorteile für Menschen nach, die bereits gegen Corona geimpft sind.
mras esz exa, dpa, Mads Claus Rasmussen

Zum Beispiel in Dänemark. Deutschlands nördlichster EU-Nachbar legte vergangene Woche Pläne für einen digitalen Ausweis mit Impfdaten vor, um Dienstreisen in Corona-Zeiten zu erleichtern - und letztlich vielleicht auch die sorgenfreie Teilnahme an Konzerten oder Sportveranstaltungen zu ermöglichen. Der dänischen Regierung schwebt ein digitaler Ausweis vor, den man auf Reisen bei Bedarf auf seinem Smartphone vorweisen kann.

"Das hier soll als ein Instrument betrachtet werden, wie ein zweiter Pass, wenn man so will", sagte der geschäftsführende Finanzminister Morten Bødskov vergangene Woche. Bis der Corona-Pass inklusive App praxistauglich ist, dürfte es allerdings noch drei bis vier Monate dauern.

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Dänemark erhofft sich Erleichterungen für Wirtschaft und Kultur

Auch Dänemarks Nachbar Schweden will bis zum 1. Juni die digitale Infrastruktur für einen Impfpass schaffen - allerdings in enger Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation WHO und der EU. Die Dänen blicken bei ihrem Projekt dagegen vor allem auf die heimische Wirtschaft und Kultur. "Es gibt Teile der dänischen Gesellschaft, die vorankommen müssen", sagt Bødskov. In der Wirtschaft gebe es Menschen, die reisen müssten, auch ins Ausland. Zugutekommen soll der Corona-Pass zunächst Dienstreisenden, aber die dänische Wirtschaft will mehr.

"Der Pass soll dazu beitragen, dass wir Dänemark so schnell wie möglich geöffnet bekommen", erklärte der Direktor der dänischen Handelskammer Dansk Erhverv, Brian Mikkelsen. Die Hoffnungen und Erwartungen der Reise- und anderer Branchen sind entsprechend groß in Dänemark. Wie konkret der Pass eines Tages angewendet werden kann - etwa im Urlaub, beim Restaurant-Besuch, im Kino oder Fußballstadion - ist aber noch unklar.

Polen gewährt seit Ende Dezember Vorteile für Geimpfte

Andere EU-Länder haben da schon mehr Schritte unternommen. In Polen gibt es seit Ende Dezember ganz konkrete Vorteile für Geimpfte. Sie sind von der zehntägigen Quarantänepflicht nach Einreise befreit. Außerdem zählen Geimpfte bei Beschränkungen für private Treffen nicht als Kontaktpersonen.

Auch die rumänische Regierung hat Mitte Januar geimpfte Einreisende von der Quarantäne befreit - und das, obwohl Staatspräsident Klaus Iohannis zuvor in der Diskussion um einen europäischen Impfpass noch vor "Diskriminierung" der nicht Geimpften gewarnt hatte. Estland ist das dritte EU-Land, das die Einreisefreiheit für Geimpfte zum 1. Februar vollständig - ohne Testpflicht und Quarantäne - wiederhergestellt hat.

Griechenland fordert freie Reisemöglichkeiten für Geimpfte

ARCHIV - Eine EU-Fahne weht am 09.04.2010 über der Akropolis in Athen. Die Griechen müssen sich auf weitere drastische Kürzungen gefasst machen. Regierungschef Papandreou will das Kabinett neue Sparmaßnahmen beschließen lassen.  Foto: Orestis Panagio
Länder wie Griechenland, die stark vom Tourismus abhängig sind, hoffen auf Erleichterungen für geimpfte Reisende.
dpa

Besonders wichtig ist das Thema Einreisebeschränkungen für die Länder der EU, die wirtschaftlich stark auf Tourismus angewiesen sind - wie etwa Griechenland. "Die Personen, die geimpft sind, müssen frei reisen dürfen", forderte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis schon vor Wochen.

Auf eine EU-weite Regelung scheint auch er jetzt nicht mehr warten zu wollen. Am Montag vereinbarte Griechenland mit Israel, dass Geimpfte zwischen beiden Ländern ohne Auflagen reisen dürfen. Mit Großbritannien soll eine ähnliche Regelung bereits auf dem Weg sein.

EU-Kommissionschefin von der Leyen: Noch zu viele Fragezeichen

Die EU hinkt solchen Alleingängen hinterher. Man ist sich zwar grundsätzlich einig, dass es ein gemeinsames Impfzertifikat brauche - und das sowohl in Papier- als auch in elektronischer Form. Dies soll aber zunächst nur für medizinische Zwecke genutzt werden. Mittlerweile haben sich die EU-Staaten auf Eckpunkte geeinigt. Ein medizinischer Zweck könnte demnach sein, dass zwei notwendige Impfdosen in verschiedenen Ländern gespritzt werden oder wenn ein Betroffener sein Impfzertifikat im Krankenhaus vorlegt, weil er Nebenwirkungen hat.

Für die Diskussion über mögliche Vorteile für Geimpfte sei die Zeit noch nicht reif, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kürzlich. Es gebe noch zu viele Fragezeichen. So sei offen, ob Geimpfte das Virus weiter übertragen und wie lange der Impfschutz anhält. Ähnlich hatte sich der deutsche Ethikrat geäußert. Zuerst müsste geprüft werden, inwiefern die Impfung die Übertragung des Virus verhindert. Erst dann können Freiheitsbeschränkungen für Geimpfte aufgehoben werden. Eine politische Frage sei, wie sichergestellt werde, dass jene Menschen, die noch keine Chance auf eine Impfung hatten, nicht benachteiligt würden. Soll der Impfpass tatsächlich freies Reisen in der gesamten EU ermöglichen, müssten die EU-Staaten bei all diesen Punkten eine gemeinsame Linie finden.