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Papier des Gesundheitsministeriums

Spahn: Erste Hausärzte sollen ab Mitte März mitimpfen

Impfen gegen Corona beim Hausarzt?
Impfen gegen Corona beim Hausarzt?
© dpa, Ennio Leanza, el lix lop

03. März 2021 - 15:11 Uhr

Mehr Impfstoff im April - Keine Kapazität im Impfzentrum

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will erste Hausärzte ab der zweiten März-Woche in die Impfkampagne einbeziehen. Das geht aus einem Papier des Gesundheitsministeriums für die Anpassung der Impfverordnung hervor, das auch RTL vorliegt.

"Die Impfverordnung des Bundes wird dahingehend geändert, dass ab der zweiten März-Woche die Beauftragung ausgewählter Leistungserbringer der niedergelassenen ärztlichen Versorgung durch die Länder einen festen Rahmen hat", heißt es darin.

Ein Grund dafür sei, dass ab April die Mengen gelieferter Impfstoffe die Kapazitäten der Impfzentren überstiegen. In vier Wochen muss Deutschland also Massenimpfungen können. Daran aber gibt es erhebliche Zweifel.

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Corona-Impfung: 11 Millionen Dosen bis Ende der ersten Märzwoche

Bis Ende der ersten Märzwoche rechnet das Ministerium mit der Lieferung von 11 Millionen Impfdosen. Das heißt: In den pharmazeutischen Kühlschränken liegen bis Freitag fast so viele Impfdosen, wie Deutschland in den vorhergehenden elf Wochen verspritzt hat. Davon werden zwar viele Dosen für eine Zweitimpfung zurückgehalten. Doch nach Berechnungen des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland gab es schon vor einer Woche einen Rückstau von rund 680.000 Impfdosen. Es droht also das umgekehrte Problem zur aktuellen Situation: Zu viel Impfstoff, der nicht verimpft werden kann.

2,1 Millionen Impftermine pro Woche - Schafft Deutschland das?

"Die Impfkampagne muss nun also deutlich an Fahrt gewinnen", so das Bundesgesundheitsministerium. Die Zahl der in den Impfzentren und durch die mobilen Impfteams der Länder tatsächlich durchgeführten Impfungen pro Woche müsse "wie zugesagt verdoppelt werden", heißt es weiter. Das allein ist schon eine Herausforderung. Vor allem deshalb, weil die Impfteams jetzt nicht mehr im großen Stil in Seniorenheimen impfen, sondern im nächsten Schritt die kleinteiligere Impfung von Privathaushalten ansteht.

Wie aber ab April verfahren werden soll, ist der eigentliche Knackpunkt: Fünf Impfhersteller (Curevac und Johnson & Johnson sind noch nicht zugelassen, aber mit eingerechnet) wollen in den Monaten April, Mai und Juni Impfstoff für 76,9 Millionen Immunisierungen liefern. Die täglich 170.000 Impftermine, die Deutschland im Moment schafft, reichen da nicht einmal ansatzweise. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schätzt, dass mit den vorhandenen Strukturen maximal 2,1 Millionen Impfungen pro Woche machbar sind.

Gesundheitsministerium: Impfverordnung in zweiter Märzwoche

 Jens Spahn in der 213. Sitzung des Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude. Berlin, 26.02.2021 *** Jens Spahn at the 213th session of the German Bundestag in the Reichstag building Berlin, 26 02 2021 Foto:xF.xKernx/xFuturexImage
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn steht vor der Herausforderung, wie der zusätzliche Impfstoff ab März verimpft werden soll.
© imago images/Future Image, Frederic Kern via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Deshalb plant Spahns Ministerium, ab April nicht mehr allein auf Impfzentren und mobile Impfteams zu setzen, sondern er will auch die niedergelassenen Ärzte einbeziehen. Neben Hausärzten könnten dann beispielsweise theoretisch auch gynäkologische oder HNO-Praxen gegen Corona impfen. Wo und wie genau geimpft wird, soll eine neue Impfverordnung festlegen, die nächste Woche erscheinen soll.

Das Problem: Seit Anfang des Jahres verhandelt das Ministerium dem Papier zufolge mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, den Apothekenverbänden und dem pharmazeutischen Großhandel über die Bezahlung der Ärzte und die Verteilung des Impfstoffes und des -zubehörs. Zwei Monate später sind hierzu offenkundig noch immer Fragen offen.

Außerdem wird in dem Papier des Ministeriums nicht geklärt, wie die Terminvergabe ablaufen soll. Die Priorisierungsreihenfolge soll nämlich beibehalten werden und der jeweilige Arzt eigenverantwortlich entscheiden, ob ein Patient mit Impfwunsch tatsächlich schon an der Reihe ist. Auf die Ärzte kommt also eine große Zahl an zusätzlichen Terminen zu, sowie das unangenehme Gespräch, ob jemand ausreichend vorerkrankt ist für die zweite oder dritte Prioritätsgruppe.

Hürde: Abrechnung und Dokumentation

Dominik Graf von Stillfried, Vorstandschef des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung, hält dennoch eine Million Impfungen am Tag für möglich: "Die Million erreichen wir, wenn deutschlandweit 50.000 Arztpraxen bei der Impfkampagne mitmachen, und jede im Durchschnitt 20 Impfungen täglich schafft", sagte er im Gespräch mit RTL und ntv. Das Problem: Laut Stillfried muss eine Praxis für 20 Impfungen drei Stunden aufwenden, weil zu der eigentlichen Impfung noch jede Menge Papierkram hinzukommt.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnte daher bereits in der vergangenen Woche vor zusätzlicher Bürokratie und empfahl einen flexibleren Umgang mit der Impfreihenfolge: "Die Priorisierung wird bisher strikt medizinisch geplant, ohne Bezug zum tatsächlichen Impfstoffvolumen", erklärte Gassen. "Sobald der Impfstoff in großer Menge in die Arztpraxis kommt, wird diese Priorisierung schnell nachrangig werden."

Kassenärztlichen Bundesvereinigung und das Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung stellten in der vergangenen Woche eine Modellberechnung vor, wie eine größtmögliche Impfkapazität erreicht werden kann. Sie machten dem Bundesgesundheitsministerium außerdem Vorschläge wie Abrechnung und Impfstofflieferung bestmöglich gestaltet werden müssten. Ob diese bis zur kommenden Woche, wenn die Impfverordnung des BMG kommen soll, schon zu einer einfacheren Handhabung in den Praxen führen, ist offen. Aber die zeit drängt. Im zweiten Quartal wird die Schuld für eine schleppende Impfkampagne nicht noch einmal den Impfherstellern oder der EU zugeschrieben werden können.

Quelle: ntv.de

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