RTL-Medizinexperte Dr. Specht ordnet ein

Corona-Forschungserfolg: Können wir uns schon bald alle impfen lassen?

© dpa, Christoph Schmidt, cdt bsc bwe

04. Juli 2020 - 9:54 Uhr

Ende Juli soll an bis zu 30.000 Personen getestet werden

Ein von der Biotechfirma Biontech entwickelter Impfstoff in einer klinischen Studie hat jetzt vielversprechende Ergebnisse erzielt. Das Immunsystem der Probanden reagiert wie erhofft. Die Tests sollen nun Ende Juli auf bis zu 30.000 Teilnehmer ausgeweitet werden. Wenn alles positiv verläuft, geht man davon aus, Ende des Jahres schon 100 Millionen Dosen herstellen zu können. Heißt das jetzt, das wir uns also alle bald gegen Corona impfen lassen können? Mediziner Dr. Specht ordnet die neuen Ergebnisse ein.

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"Hinweise, dass Impfstoff effektiv ist, sind gut"

Vorab lässt sich sagen: Die Ergebnisse sind erstmal vielversprechend, aber das bedeutet noch nicht, dass dieser Impfstoff nun ungehindert hergestellt werden kann. Die Hinweise, dass der Impfstoff aber effektiv ist, seien gut. "Auch andere Forscher haben schon gute Ergebnisse erzielt. Aber besonders positiv sticht hier heraus, das eine besonders starke Immunabwehr gesehen wurde. Und zwar eine stärkere, als die, die normalerweise stattfindet, wenn die Infektion an sich durchgemacht worden ist. Und das ist schon recht ungewöhnlich.", so Dr. Specht.

30.000 Menschen müssen noch testen

Die Probe, ob dieser Impfstoff tatsächlich Menschen vor Infektionen schützen kann, steht aber noch aus. "Das kann man erst in Phase 3 sehen.", so Dr. Specht. Ende Juli soll der Impfstoff dann an bis zu 30.000 Menschen getestet werden. Und die sind nicht mehr wie die Probanden zuvor im Labor, sondern bewegen sich draußen im Alltag. Erst danach lassen sich wirklich zuverlässige Aussagen treffen. Aber bedeutet das, dass nach Phase 3 auch alles wieder anders sein kann?

Komplikationen nicht ausgeschlossen

Dr. Specht hält die derzeitigen Ergebnisse ebenso für vielversprechend, aber mögliche Komplikationen seien nicht ausgeschlossen. "Es könnte z.B. passieren, das der Impfstoff nach der Probe nicht vor einer Reinfektion schützt. Oder das ältere Menschen, die ja zur Corona-Risikogruppe gehören, den Impfstoff schlecht vertragen und mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen haben." Dennoch, sollte sich alles positiv weiterentwickeln, ist die Wahrscheinlichkeit, das der Impfstoff Ende des Jahres auf dem Markt ist, nicht unwahrscheinlich.

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