Globale Verteilung von Corona-Impfstoff

Logistikbranche steht vor Mammutaufgabe

Bei der globalen Verteilung des Corona-Impfstoffs spielen Logistikunternehmen eine zentrale Rolle.
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18. November 2020 - 10:45 Uhr

Bis zu zehn Milliarden Impfstoff-Dosen

Einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu haben, ist das Eine. Wie er weltweit transportiert und zu den Impfzentren und Ärzten gebracht werden kann, das Andere. Seit die ersten Meldungen von ersten erfolgreichen Impf-Tests von Biontech oder dem amerikanischen Arzneimittelkonzern Moderna die Runde machten, arbeitet auch die Logistikbranche auf Hochtouren und bringt sich in Stellung. Denn in den kommenden zwei Jahren sollen bis zu zehn Milliarden Dosen des Vakzins global verteilt werden.

DHL tüftelt an Lieferketten für Impfstoff

In der Logistik-Branche ist man sich einig: Die weltweite Verteilung des Corona-Impfstoffs ist eine Mammutaufgabe. Denn sobald der Impfstoff zugelassen ist, muss er weltweit verteilt und in die jeweiligen Länder gebracht werden. Der Transport des Vakzins des Mainzer Unternehmens Biontech muss beispielsweise bei Minus 70 Grad erfolgen. Werden die Lieferungen nicht permanent kühl gehalten, verliert der Impfstoff seine Wirkung. Längst haben sich deswegen weltweit große Logistikunternehmen wie Fedex, UPS oder die deutsche DHL in Stellung gebracht und tüfteln hinter den Kulissen die aufwendigen Transportketten aus. Die Gespräche mit den Pharma-Unternehmen laufen hierzu seit Langem, Ideen habe man einige, heißt es aus der Branche.

"Ultralow-Freezer" sollen Impfstoff kühlen

Von der Logistiktochter der Deutschen Post, DHL, heißt es: "Wir durchleuchten unsere Infrastruktur auf die Kapazitäten, bei minus 20 oder minus 70 Grad liefern zu können", sagte der für Kühltransporte zuständige Manager der DHL Thomas Ellmann der deutschen Presseagentur. Um das zu gewährleisten wolle man besonders kalte und leistungsfähige Tiefkühlschränke, sogenannte "Ultralow-Freezer", kaufen. Diese hätten Platz für ca. 25.000 Glasfläschchen mit dem Corona-Impfstoff. So sei man in der Lage, den Impfstoff bis zu sechs Tage konstant bei minus 70 Grad zu kühlen. Kostenpunkt: Einen niedrigen fünfstelligen Betrag, heißt es von der DHL.

Auch auf den Staat kommt es an

Die DHL nimmt dabei auch den Staat in die Pflicht und fordert beispielsweise einen reibungslosen Ablauf bei der Verzollung des Impfstoffs. Nur so könne man schnell und zuverlässig verteilen. Auch die Europachefin des amerikanischen Transportunternehmens Fedex, Karen Reddington, spricht von einer Mammutaufgabe: "Covid-19-Impfstoffe setzen eine umfangreiche Logistik-Expertise voraus, damit sie effektiv in großen Stückzahlen auf der ganzen Welt verteilt werden können - ganz anders als bei traditioneller Fracht. Von geeigneter Temperaturkontrolle bis hin zur schnellen Verzollung: das ist alles andere als ein gewöhnlicher Transport."

In vielen Bundesländern wird diskutiert, die Impfungen an zentralen Impfzentren und nicht, wie zum Beispiel bei der Grippeimpfung, vom Hausarzt durchführen zu lassen. Es könne nicht so ablaufen, wie bei einem normalen Impfstoff, bei dem sich die Leute ihren Impfstoff selber in der Apotheke holen oder dieser bei Ärzten vorrätig sei, erklärt Ellmann. Für den Corona-Impfstoff sei eine neue Logistik notwendig: "Weder Apotheken noch Ärzte haben geeignete Tiefkühlkapazitäten." Und genau hier sieht sich die DHL gemeinsam mit anderen Logistikriesen als Partner im Kampf gegen das Corona-Virus.