Pläne von Spahn, Impfkommission & Co.

Biontech weitet Kapazitäten aus - aber wer wird zuerst gegen Corona geimpft?

Steht Biontech für die große Impfstoffproduktion bereits in den Startlöchern?
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18. September 2020 - 10:14 Uhr

Ist Biontech bald soweit?

Experten gehen davon aus, dass es noch bis etwa Mitte nächstes Jahr dauern wird, bis der Impfstoff gegen das Coronavirus soweit ist, dass sich die Menschen in Deutschland tatsächlich impfen lassen können. Dennoch stehen die Pharmaunternehmen schon so gut wie in den Startlöchern. Die deutsche Firma Biontech beispielsweise gab am Donnerstag bekannt, dass sie ein Novartis-Werk in Marburg gekauft habe, in dem bis zu 750 Millionen Dosen Corona-Impfstoff pro Jahr hergestellt werden sollen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte bei seiner Pressekonferenz in dieser Woche, Deutschland sei bei dem Corona-Impfstoff ganz vorne dabei.

Aber wer wird eigentlich zuerst geimpft, sobald der Impfstoff verfügbar ist? Denn noch ist unklar, wie lange es dauern wird, bis genug Dosen für alle da sind.

Corona-Risikogruppen werden zuerst geimpft

Mit dieser Frage beschäftigst sich die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Instituts (RKI). Dort wird laut Spahn derzeit an einem Vorschlag zur Priorisierung gearbeitet. Einiges sei aber bereits absehbar: "Zunächst werden diejenigen geimpft, die beruflich bedingt einem Risiko ausgesetzt sind – Pflegende, Ärztinnen und Ärzte. Und dann kommen Risikogruppen wie Hochbetagte oder Menschen mit Vorerkrankungen", so Spahn im Interview mit "Focus Online".

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Was ist mit Schwangeren?

"Schwangere sind bei Corona nicht typischerweise diejenigen, die besonders gefährdet sind", erklärt RTL-Medizinexperte Dr. Christoph Specht. "Das kann auch sein, aber sie sind nicht besonders gefährdet. Wir müssen abwarten, was letztlich die STIKO sagt und ob sie dann auch die Impfung für Schwangere empfiehlt. Das können wir jetzt noch nicht sagen, weil wir den Impfstoff nicht haben."

Warum Dr. Specht eine Impfpflicht für "vollkommen widersinnig" hält, erfahren Sie hier.

Werden Privatpatienten bevorzugt?

In vielen medizinischen Belangen haben Privatpatienten gegenüber Kassenpatienten einen Vorteil. Wird das auch bei der Corona-Impfung der Fall sein? "Das ist noch nicht klar", so Dr. Rolf Hömke vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller gegenüber "Bild". Aktuell gebe es jedoch kein Indiz dafür, dass Privatpatienten bevorzugt würden.

Ethiker entwickeln anderes Modell

Während die Impfempfehlung der STIKO also noch nicht bekannt ist, machen sich Forscher auch Gedanken um andere Modelle. Eine Gruppe von Ethikern hat beispielsweise einen Plan entworfen, der manche überraschen dürfte. Sie wollen den Impfstoff nämlich besonders fair verteilen, um Todesfälle und schwere Verläufe zu begrenzen. Länder mit höheren zu erwartetenden Todesraten oder solche, in denen wirtschaftliche Einbrüche eher in Armut der einzelnen Bürger und Bürgerinnen enden würden, sollen nach diesem Modell zuerst genug Impfstoffdosen bekommen.

Medizinisches Personal, das vor allem in westlichen Ländern meist einen guten Zugang zu medizinischer Versorgung hat, solle bei diesem Modell nicht priorisiert werden. Mehr zu dem Vorschlag der Ethiker lesen Sie hier.

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