Schleswig-Holstein geht Sonderweg

Corona im Norden: Das gilt für Weihnachten, Silvester und Co.

Corona-Warn-App, Das Logo der Corona-Warn-App auf einem Smartphone. Mithilfe der App werden Bürger benachrichtigt, soll
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26. November 2020 - 16:25 Uhr

"Lockdown Light" verlängert

Wieder einmal haben die Chefs der Bundesländer mit der Kanzlerin Angela Merkel über die aktuelle Corona-Lage gesprochen. Nach einer mehr als siebenstündigen Videoschalte ist klar: Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie werden verlängert und teilweise verschärft. Ausnahmen gibt es wenige – nur Schleswig-Holstein geht einen Sonderweg.

Leichte Fortschritte zu erkennen

"Wir haben ein stabiles Infektionsgeschehen in Deutschland. Die Infektionszahlen sind nicht weiter dramatisch angestiegen", sagt Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach der Videoschalte mit der Bundeskanzlerin. "Weil die bisherige Infektionslage eben noch nicht stabil genug ist, müssen wir die Beschränkungen, die wir Anfang November in Kraft gesetzt haben, bis zunächst 20. Dezember des Jahres fortführen". Das sei nötig, um die Lage weiter zu stabilisieren. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fand am Abend ähnliche Worte. "Sorry, aber wir tun das aus sehr, sehr guten Gründen", sagte er z.B. hinsichtlich des Verbots größerer Silvesterfeiern.

Leichte Lockerungen für Weihnachten und Silvester

Und das sind die einzelnen Maßnahmen:

  • Private Zusammenkünfte sollen weiter begrenzt werden – auf fünf Personen aus zwei Haushalten. Davon ausgenommen sein sollen Kinder bis 14 Jahre
  • In Läden mit mehr als 800 Quadratmeter soll sich eine Person pro 20 Quadratmeter aufhalten dürfen, in kleineren Läden soll sich weiterhin eine Person pro 10 Quadratmeter aufhalten dürfen
  • Die Maskenpflicht soll auf alle öffentlich zugänglichen, geschlossenen Räume ausgeweitet werden. Am Arbeitsplatz soll eine Maske zur Pflicht werden, wenn die Mindestabstände nicht eingehalten werden können. Auch auf engen Straßen und Plätzen sowie Parkplätzen soll die Pflicht gelten
  • Vom 23. Dezember bis zum 1. Januar sollen Treffen im engsten Familien- und Freundeskreis bis maximal 10 Personen möglich sein, ohne die Beschränkung auf zwei Haushalte. Auch hier sollen Kinder bis 14 Jahre ausgenommen sein
  • Die Weihnachtsferien beginnen bereits am 19. Dezember
  • Auf Silvesterfeuerwerk soll verzichtet werden, eventuell soll auf kleineren, engen Plätzen das Böllern verboten werden

Schleswig-Holstein: Tierparks dürfen wieder öffnen

Wie sich schon angedeutet hatte, sollen in Schleswig-Holstein nicht alle Beschlüsse umgesetzt werden. Größter Unterschied: Zusammenkünfte sollen nicht weiter beschränkt werden – demnach sollen auch weiterhin zehn Personen aus zwei Haushalten im öffentlichen Raum und zehn Personen aus zehn Haushalten im privaten Raum zusammenkommen dürfen.

Wenn entsprechende Hygienekonzepte vorliegen, sollen Ministerpräsident Daniel Günther zufolge Tierparks, Massage- und Nagelstudios wieder öffnen dürfen. Auch die strengeren Vorgaben für den Einzelhandel sollen nicht umgesetzt werden. "Ich weiß, das ist ein besonderer Schleswig-Holsteinischer Weg, aber ich sage sehr klar: Wir sind mit unserem eigenen Weg in Schleswig-Holstein im Moment in der Lage, eines von zwei Bundesländern zu sein, die unter 50 sind und im Moment wirklich die Chance haben, auch aus eigener Kraft diese Krise zu durchstehen."

Ministerpräsidenten appellieren an Bürgerinnen und Bürger

"Jeder Einzelne von uns ist auch selbst mit in der Verantwortung, durch das eigene Verhalten dazu beizutragen, dass wir ruhige Weihnachten und einen guten Jahreswechsel miteinander begehen können", sagte Stephan Weil in einem Video der niedersächsischen Staatskanzlei.

Hamburger Erster Bürgermeister Peter Tschentscher appelliert ebenfalls: "Wichtig ist, dass alle Bürger wissen: Vermeidbare Feiern, jede vermeidbare Enge - hier geht es ja um die Kontaktbeschränkungen - dass die nicht durch Disziplin-Losigkeit und Alkoholeinfluss gefährdet werden."

Insgesamt zeigten sich die Ministerpräsidenten mit der Konferenz grundsätzlich zufrieden, Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) lobte der DPA zufolge, dass die Konferenz eine klare Grundlage geschaffen habe. Kritisch sehe er allerdings die frühen Weihnachtsferien – in Bremen sollen die Eltern selbst entscheiden können, ob sie ab dem 19. Dezember ihre Kinder noch weiter zur Schule schicken oder zuhause lassen.