Regel-Wirrwarr im Corona-Winter

In diesen Bundesländern sind Hotel-Übernachtungen an Weihnachten erlaubt

01. Dezember 2020 - 15:58 Uhr

von Dirk Emmerich

Übernachten im Hotel an Weihnachten - nein, eigentlich geht das nicht. Doch das sehen jetzt nicht alle Bundesländer mehr so. Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wollen bei Verwandtenbesuchen zu Weihnachten erlauben, auch im Hotel zu übernachten.

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Trotz Corona-Lockdown: Fünf Bundesländer erlauben jetzt doch Weihnachts-Hotelübernachtungen

ARCHIV - 29.10.2020, Schleswig-Holstein, Kiel: Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, spricht im Landtag. Bei den Gesprächen mit Bund und Ländern über weitere Corona-Schutzmaßnahmen setzt sich Günther dafür ein, in Abhängigke
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther erklärte Freitagmorgen, vom 23.-27. Dezember seien jeweils maximal zwei Übernachtungen erlaubt.
© dpa, Frank Molter, tba abl wsz

Die Zahl der Abtrünnigen steigt. Jetzt sollen Hotelübernachtungen über Weihnachten auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein erlaubt sein. Damit sind es jetzt fünf Bundesländer, in denen das gehen soll. Am Donnerstag hatten dies bereits Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin angekündigt.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther erklärte Freitagmorgen, vom 23.-27. Dezember seien jeweils maximal zwei Übernachtungen erlaubt. Günther begründete dies mit sozialer Verantwortung. In einer 40-Quadratmeter-Wohnung übernachten zu müssen, sei aus virologischer Sicht einfach nicht klug. Und aus der Staatskanzlei in Hannover hieß es, wer zu Weihnachten zu Verwandten und Freunden reise, dürfe sich in einem Hotel einquartieren. Dies sei keine touristische Übernachtung. Ähnlich hatten gestern auch die anderen ausscherenden Bundesländer argumentiert.

Kanzleramtschef Helge Braun ist gegen touristische Reisen im Corona-Winter

Und plötzlich sieht niemand mehr richtig durch, was geht, was erlaubt ist und was nicht.

Dabei schien es für einen kurzen Moment, als seien sich die Ministerpräsidenten dieses Mal einig, möglichst einheitliche Regeln zu beschließen. Doch kaum hatten sie ihre Computer nach der Videokonferenz mit der Bundeskanzlerin am Mittwoch-Abend heruntergefahren und eine Nacht darüber geschlafen, war das offenbar vergessen.

Mag der Videomarathon mit sieben Stunden recht lang gewesen sein, aber eigentlich war klar: Touristische Übernachtungsangebote sind auch in der Weihnachtszeit untersagt. Kanzleramtschef Helge Braun hatte dazu in einem RTL-Interview erläutert: "Wir haben überlegt, ob man die Hotels öffnen kann, damit das nicht auf der Couch zu Hause stattfindet. Aber wir sind zu der Überzeugung gekommen: Das kann man nicht kontrollieren. Und touristische Reisen dürfen auf keinen Fall stattfinden."

Eindeutig und wenig missverständlich, aber schon da war herauszuhören, dass Braun mit dem Diskussionsverlauf nicht zufrieden war und das eine oder andere gerne in der Maßnahmeliste gerne schärfer formuliert hätte. Stimmen gibt es schon jetzt genug, die befürchten, dass nach den Lockerungen zum Jahreswechsel, der nächste große Lockdown-Hammer im Januar kommen werde. Bundeskanzlerin Merkel und ihr Kanzleramtschef Braun wollen das vermeiden.

Corona-Flickenteppich erinnert an Beherbergungsverbot

Doch alle auferlegten Einheitsappelle haben die Ministerpräsidenten offenbar wieder in den Wind geschlagen. Natürlich liegen die Argumente für eine Übernachtung bei Verwandtenbesuchen auf der Hand. Ja… aber dann hätte man dies doch auch bitte in der Schaltkonferenz ausloten, einordnen, bewerten und dementsprechende Beschlüsse fassen können. Hat man aber nicht. Eine touristische Übernachtung ist eben keine Auslegungssache. Nicht in Zeiten wie diesen.

Und so erinnert wieder einiges an den Flickenteppich, den schon beim Beherbergungsverbot im Oktober für Chaos und Unverständnis gesorgt hatte, bis es schließlich wieder gekippt wurde. Außer der Verunsicherung bei den Menschen hat das wenig gebracht.

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