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Corona-Experiment in Leipzig: So fühlt sich ein Konzert mit Abstand an

Großes Corona-Experiment in Leipzig

So fühlt sich ein Konzert mit Abstand an

Experiment-Konzert unter Corona-Bedingungen in Leipzig
Beim Konzert-Experiment in Leipzig waren die Die etwa 1.400 Gäste quasi Versuchskaninchen für die Forschung.
hsc tba, dpa, Hendrik Schmidt

Von Anne Schneemelcher

Es ist Tim Bendzko anzumerken: Dieser Auftritt macht ihm Riesenspaß. Zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie spielt er in einer Halle ein Konzert vor Publikum . Die etwa 1.400 Gäste (geplant waren 4.000) und damit auch ich sind quasi Versuchskaninchen für die Forschung, denn mit mehreren Szenarien wollen Wissenschaftler der Uni Halle testen, wie Konzerte in Corona-Zeiten wieder möglich sein können. Bendzko am Ende glücklich: "Für mich war das ein überraschend gutes Gefühl."

Corona-Test vor dem Konzert-Experiment

22.08.2020, Sachsen, Leipzig: Probanden eines Großversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale sitzen in der Arena Leipzig. Rund 2200 Besucher beteiligen sich an dem Versuch unter dem Titel «Restart-19», bei dem der Popsänger Tim Bendzko auftritt. Di
In Sachen Abstand war in Leipzig fast alles beim Alten - zu Testzwecken, versteht sich.
hsc abl, dpa, Hendrik Schmidt

Um 8 Uhr morgens ging es für mich und die anderen los. Es wurde Fieber gemessen, jeder von uns bekam reichlich Desinfektionsmittel und eine Maske. Schon vorab wurden wir auf eine Corona-Infektion getestet. Schließlich sollte verhindert werden, dass sich beim Experiment tatsächlich Menschen anstecken. Tatsächlich wurde bei einem angemeldeten Teilnehmer das Virus nachgewiesen, er durfte nicht teilnehmen.

Am Anfang hieß es warten: Wegen einer technischen Panne begann der Versuch mit einer Stunde Verzögerung. Zunächst spielte Tim Bendzko, und alles war wie vor Corona. Keine Abstände, Anstehen, Teilnehmer dicht an dicht. Ein Tracker, den ich immer bei mir trug, zeigte an, wo ich und die anderen Besucher sich aufhielten und wo wir uns sammelten. Außerdem sollte mit einem speziellen Gel sichtbar gemacht werden, was wir angefasst hatten. Mein erstes Fazit: Das war mir nach Monaten mit Social Distancing zu eng und echt ungewohnt.

Wenig Abstand beim Pandemie-Test in Leipzig

Im zweiten Versuch wurden die Abstände größer – links und rechts neben mir war jetzt ein Sitzplatz frei. Der Vorteil: wahrscheinlich eine geringere Ansteckungsgefahr UND ein viel besserer Blick auf die Bühne. Allerdings hielt sich beim Eingang niemand so richtig an Abstandsregeln. Im dritten Versuch wurden die Abstände zwischen uns Teilnehmern noch einmal größer. Aber Konzertfeeling mit so viel Abstand? Tatsächlich geht Tanzen auch mit so viel Abstand – es war nicht so einsam wie befürchtet. Wenn Konzerte demnächst wieder stattfinden können, dann wohl so.

Zehn Stunden auf 'nem Konzert – das war lang und anstrengend, aber alles für die Wissenschaft. Tim Bendzko fand auch die Pausen zwischen den Szenarien ganz gut: irgendwie "altersgerecht", vier Lieder spielen, dann durchatmen.

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Tim Bendzko will zurück zur Normalität

In den nächsten Wochen wollen die Wissenschaftler der Uni Halle die Daten zum großen Corona-Konzert-Experiment auswerten. Wahrscheinlich im September gibt es erste Ergebnisse. Auch Tim Bendzko wartet darauf gespannt: "Wir müssen Richtung Normalität, sonst ist am Ende nicht mehr viel übrig", so der Sänger. Und dabei gehe es nicht um bekannte Künstler wie ihn, sondern um die vielen Helfer, die im Hintergrund arbeiten. In der Eventbranche arbeiten hunderttausende Menschen, die meisten von ihnen sind gerade in Kurzarbeit.