Hart aber fair" zur Corona-Krise

Schweigekartell Bundesliga – was bedeuten die Bundesliga-Tests wirklich?

Frank Plasberg moderiert "Hart aber fair".
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06. Mai 2020 - 12:25 Uhr

Darüber wurde bei "Hart aber fair" diskutiert

Top-Entscheider und Krisenleider des Coronavirus – bei "Hart aber fair" kommen beide Seiten ins Gespräch. Was gepflegt beginnt, endet in einer hitzigen und ungehaltenen Diskussion. Allen Themen voran steht der Wunsch nach weiteren Lockerungen und Maßnahmen der Vernunft. Und die Gäste diskutieren über die positiven Coronavirus-Tests in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga.

Schrei nach Gerechtigkeit

Die erste Infektionswelle scheint laut Virologen gut überstanden und im Lockdown werden allmählich Lockerungsmaßnahmen getroffen. Doch noch immer wird auf Sicht gefahren; die unterschiedlichen Stufenpläne der einzelnen Bundesländer führen zu Unklarheiten und einem Schrei nach Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Besonders die neuesten Testergebnisse aus der Bundesliga scheinen der Tropfen auf den heißen Stein zu sein. Zehn von insgesamt 1.724 Coronavirus-Tests in der 1. und 2. Liga waren positiv. Aus persönlicher Sicht und zugleich mit Blick auf die Allgemeinheit wird an diesem Montag bei "Hart aber fair" leidenschaftlich, aber auch kritisch diskutiert.

Die Gäste und ihre wichtigsten Aussagen

 Malu Dreyer SPD, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz Pressekonferenz in der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz nach der Schalte der Regierungschefinnen und -chefs der Länder mit der Bundeskanzlerin zur Corona Pandemie 30.04.2020 *** Malu Dreye
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) betonte, dass Sicherheitskonzepte bei der Öffnung von Gastronomie & Co. eine große Rolle spielen.
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  • Malu Dreyer, (SPD), Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz: "Wir entscheiden über viele gesellschaftliche Felder. Es ist wichtig, zu sagen, es geht nicht nur um die Bundesliga – es geht um das Thema Gastronomie, um das Thema Kita und Schule. (…) Ich glaube, es ist ein berechtigtes Interesse, dass auch Fußballer sagen, sie möchten zurück und wieder spielen können. (…) Am Ende geht es um die Frage, wie sieht die Konzeption aus, die Sicherheit herzustellen, dass die Bevölkerung, wenn positive Fälle da sind, nicht angesteckt wird."
  • Alexander Herrmann, Sternekoch und Hotelier: "Es geht um uns alle, wir müssen alle wieder zurückkommen können. Deshalb bin ich jetzt mal so frech und sage, die Bundesliga hat mir gerade heute mit diesen Testergebnissen ein wahnsinnig positives Signal gegeben." Für den Sternekoch scheint es eine positive Bilanz zu sein, dass nur zehn der insgesamt 1.724 Tests bei Spielern und Betreuern positiv waren.
  • Prof. Dr. Melanie Brinkmann, Virologin: Sie misst den Zahlen aus der Bundesliga anscheinend keine Bedeutung bei – und wenn doch, dann keine erfreuliche: "Diese Zahlen sagen gar nichts." Jedoch scheint es beunruhigend, dass nicht klar ist, in welcher Konstellation die Fälle aufgetreten sind: Stammen die Sportler aus einem Verein oder aus verschiedenen? "Wenn sich jetzt herausstellen würde, die zehn sind in den verschiedensten Regionen Deutschlands, dann würde ich sagen, wir haben eine deutlich höhere Dunkelziffer mit diesen Tests aufgedeckt, als mir lieb wäre." Angeblich ist die Summe dann zwanzigfach höher als die, von der man bisher ausgegangen ist. Doch die Politik der Deutschen Fußball Liga setzt auf einen schwachen Informationsfluss, was zu einer Forderung der Virologin führt: "Wenn Sie der Wissenschaft helfen wollen, sagen Sie es."
  • Ulrich Matthes, Schauspieler am Deutschen Theater Berlin: "Ich habe das Gefühl, ich sitze hier als Stellvertreter für einen Bereich, der grundsätzlich in den vergangenen Wochen deutlich zu kurz gekommen ist. Die Olaf Scholz'sche Bazooka müsste in etwas geringerer Form auf den gesamten, gesellschaftlich absolut relevanten Bereich der Kultur angelegt werden. Die Kultur ist in der öffentlichen Debatte in einer Weise zu kurz gekommen, die der Bedeutung für das Land Deutschland absolut nicht entspricht."
  • Katrin Bruns, berufstätige Mutter im Homeoffice: "Wir haben uns alle zusammengerissen und gewartet, haben einen Hoffnungsschimmer gesehen, weil es hat ja funktioniert. Und jetzt wird uns langsam, aber sicher klar, dass trotzdem nicht das passiert, was wir uns erhofft haben. Nämlich, dass unsere Kinder möglichst schnell wieder in die Schule gehen können." Die Mutter von drei Kindern kritisiert vor allem, dass in den einzelnen Bundesländern die Entscheidungen zum Thema Schulalltag sehr verschieden ausfallen. "Das verstehe ich nicht und das hat mich die letzten Wochen total sauer gemacht. Ich fühle mich gar nicht richtig aufgeklärt."

Das Fazit

Schenken wir den Virologen Glauben, so ist Deutschland ein herausragendes Vorbild für andere Nationen im Umgang mit dem Virus. Doch im Landesinneren scheint sich die Lage zu verschärfen und auch in der Talkrunde bei "Hart aber fair"" spitzt sich die Diskussion unangenehm zu. Der finanzielle Druck lastet schwer auf den unterschiedlichsten Teilen der Gesellschaft. Gefordert werden vor allem Planungssicherheit und ein einheitliches Konzept. Vor allem die unterschiedlichen Pläne der jeweiligen Bundesländer sorgen für Verwirrung. So unterschiedlich wie die Runde, sind auch die Wünsche der einzelnen Gäste. Lockerungen aber auch Sicherheit und Schutz sind gefordert. Von Lebensfreude keine Spur.