RTL reist quer durch Deutschland und fragt nach

Corona-Check: Mit 99 guckt man anders auf diese Pandemie

28. Mai 2020 - 16:13 Uhr

von Nele Balgo

Das Coronavirus wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Ob jung oder alt, jeder in Deuschland ist von den Einschränkungen betroffen. Ältere Menschen werden zu ihrem Schutz oft isoliert. Unser Reporter Stephan Richter und unsere Reporterin Janine Bleker reisen eine Woche durch die Republik. Ziel der Tour ist, mit unterschiedlichen Menschen über die Folgen des Virus für ihr Leben zu sprechen, ihre Sorgen, Ängste und persönlichen Erlebnisse zu erfahren.

Erste Station ist Schleswig-Holstein. Dort schauen sie sich die Folgen der Pandemie für die Freizeitmöglichkeiten und den Urlaub der Deutschen an.

In Niedersachsen und Bremen sprechen sie mit Menschen im Bildungssystem darüber, wieso das Coronavirus zur Bildungsschere in Deutschland werden könnte.

In Sachsen erzählen Angestellte und Selbstständige ihnen von Existenzängsten in der Krise. 

Weiter geht es mit den Konsequenzen für das Leben von Senioren und Jugendlichen in einem Mehrgenerationenhaus in Hessen!

Alte Menschen sind besonders gefährdet und werden deshalb bestmöglich vor dem Coronavirus geschützt. Denn wenn Covid-19 in einem Alters- oder Pflegeheim ausbricht, kann das fatale Folgen haben. In mehreren deutschen Heimen sind ältere Menschen an der Krankheit gestorben. Wir haben das Heilhaus in Kassel besucht. Dort leben junge und alte Menschen zusammen. Für beide bedeutet das Virus eine Lebensumstellung.

+++Alle neusten Informationen zum Coronavirus können Sie in unserem Live-Ticker nachlesen+++

RTL-Reporter auf Tour durch Deutschland
Stephan Richter und Janine Bleker reisen durch Deutschland für unseren "Corona-Check: So denkt Deutschland"
© RTL

99-Jährige: "Man ist dadurch isolierter geworden."

"Das ist doch viel ruhiger geworden, alles. Und der Speisesaal ist zu. Der fehlt einem natürlich auch. Wir essen auf dem Zimmer. Und sonst sind wir immer eine Tischgemeinschaft, wo man sich schonmal unterhalten kann. Das fällt ja jetzt alles aus", bedauert Sofie Schöbel die Umstellungen. Die neuen Einschränkungen durch das Coronavirus haben ihr Leben verändert. In drei Monaten wird sie 100 Jahre alt und ist damit die älteste Bewohnerin im Haus. Sie sitzt im Rollstuhl, hat Vorerkrankungen und gehört zur Risikogruppe. Obwohl sich die 99-Jährige der Gefahr durch Sars-CoV-2 bewusst ist, erschüttert sie das Virus nicht. Im zweiten Weltkrieg habe sie auf der Flucht ganz andere Dinge erlebt, berichtet sie.

Normalerweise kochen oder spielen die Bewohner im Heilhaus zusammen. Jetzt beschäftigt sich Frau Schöbel mit Stricken, Lesen oder Kreuzworträtseln allein. "Man ist dadurch isolierter geworden", stellt sie fest. Besuch dürfen die Senioren hier unter Auflagen aber bekommen. Darum ist Sofie Schöbel dankbar. Welche Gedanken sie sich um das Virus macht und welchen Appell sie hat, sehen Sie im Video.

Singen am Balkon als neues Gemeinschaftsprojekt im Mehrgenerationenhaus

Doch nicht nur den älteren Menschen fehlen Freunde und Bekannte. Der 16-jährige Nepomuk, der selbst im Haus wohnt und arbeitet, vermisst seine Freunde, mit denen er oft auf der Dachterrasse des Hauses sitzt. Die Bewohner des Heilhauses machen trotzdem das Beste aus der Krise. "Wir halten alle zusammen. Und hier ist quasi niemand alleine", erklärt Nepomuk. Abstand halten ist ihm aber wichtig, vor allem in der Schule. Er befürchtet, dass bei Schulöffnungen zu viele Menschen auf engem Raum aufeinandertreffen und sich so infizieren könnten. Sein Umfeld möchte Nepomuk auf keinen Fall anstecken. Vor allem für die älteren Bewohner im Haus wäre das ein Risiko.

Obwohl sich für die Senioren durch die Corona-Krise einiges verändert hat, ist das Heilhaus ein Beispiel dafür, wie Gemeinschaft in dieser Zeit trotzdem funktionieren kann. Jeden Freitag kommen alle Bewohner an ihre Fenster und singen gemeinsam Lieder. Dort spürt Nepomuk die Gemeinschaft besonders stark.

Vermutlich erleben nicht alle älteren Menschen diese Unterstützung in der Krise. Laut einer RTL-Forsa-Umfrage ist nur rund die Hälfte aller Befragten (51 Prozent) der Ansicht, dass sich die Politik in der Corona-Krise genug um die Belange und Bedürfnisse der älteren Menschen in Deutschland kümmert. 38 Prozent meinen, dass sich die Politik nicht ausreichend darum kümmert. Sofie Schöbel fühlt sich im Mehrgenerationenhaus wohl. Sie ist aber froh, wenn sie irgendwann wieder mehr Zeit mit ihren Mitbewohnern verbringen kann.

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Wie verändert die Krise das soziale Miteinander? Viele Menschen sind hilfsbereit und rücksichtsvoll. Andere kontrollieren ihre Mitmenschen. Sehen Sie hierzu "Corona-Denunzianten - Blockwarte oder Lebensretter?"