RTL reist einmal quer durch Deutschland und fragt nach

Corona-Check: Die Gefahr von ausbleibenden Arztbesuchen für die eigene Gesundheit

29. Mai 2020 - 22:25 Uhr

von Nele Balgo

Das Coronavirus hat viele Lebensbereiche verändert. Unsere Reporter reisen eine Woche für die "Corona-Check: So denkt Deutschland"-Tour durch die Republik und fragen bei den Menschen von Nord bis Süd nach, wie sich das Virus und dessen Folgen ganz persönlich auf ihr Leben ausgewirkt. Sie wollen wissen, welche Sorgen und Ängste Menschen zurzeit haben, wie sie in die Zukunft blicken und welche Geschichten sie mit dieser Krise verbinden. 

Los ging die Reise hoch im Norden. Wie die Corona-Krise das Freizeitangebot und den Urlaub der Deutschen verändert, haben sie in Schleswig-Holstein erfahren.

In Niedersachsen und Bremen besuchten sie eine Schule und eine Hausaufgabenbetreuung. Dort haben sie mit Menschen im Bildungssystem darüber gesprochen, wieso das Coronavirus zur Bildungsschere werden könnte.

In Sachsen haben Angestellte in Kurzarbeit und eine Selbstständige uns von ihren Existenzängsten und neuen Einnahmequellen berichtet.

Was das Coronavirus mit Senioren und Jugendlichen in einem Mehrgenerationenhaus in Hessen macht, haben wir im Gespräch mit einer fast 100-Jährigen erfahren.

Auf der letzten Etappe der Deutschlandreise dreht sich in Baden-Württemberg und Bayern alles um das Thema Gesundheit!

Ärzte mit weniger Patienten, Hebammen mit besorgten Schwangeren, eine Klinikleiterin, die hunderte Kurgäste abweisen muss. Das alles sind persönliche Geschichten, die Menschen unseren Reportern auf der Deutschlandreise erzählt haben.

Hebamme: "Die Kinder kommen, egal, ob Corona kommt oder nicht."

Hebammen sind für Schwangere ein wichtiger Ansprechpartner in der Vorbereitung auf die Geburt. Als das Coronavirus Deutschland erreichte, nahm die Unsicherheit auch bei Hebammen zu. "Was machen wir, wenn wir uns selber anstecken? Die Angst war am Anfang schon sehr groß", berichtet Hebamme Barbara Tengel. Im Falle einer Ansteckung hätte sie die Schwangeren nicht mehr versorgen können. "Die Kinder kommen, egal, ob Corona kommt oder nicht", erklärt sie. Noch gibt es wenige Studien zu den Folgen einer Covid-19-Erkrankung bei Schwangeren.

Die werdenden Mütter, die Tengel betreut, haben sich vor allem Gedanken über die Geburt ihres Kindes gemacht. "Für die Schwangeren war eigentlich die Angst, dass ihre Männer bei der Geburt nicht dabei sein können, dass die Männer sie im Krankenhaus nicht begleiten dürfen, die Familien nicht dabei sein dürfen. Das war die größte Herausforderung", erzählt Tengel im RTL-Interview.

Angelika Müller, die Mitte Juni ihr Kind erwartet, konnte ihre Kurse problemlos im Garten von Barbara Tengel fortführen. Die Kontakteinschränkungen durch das Virus belasten sie trotzdem. "Man meidet den Kontakt zu anderen, auch zu seiner Familie, wo einem auch ganz wichtig ist, gerade in der Zeit, dass sie mal auf den Bauch langen und einfach mal spüren, wie es sich bewegt", sagt die Bayerin. Ihr Mann darf bei der Geburt dabei sein. Das gibt der 34-Jährigen ein Gefühl der Sicherheit in einer unsicheren Corona-Zeit.

Klinik im Allgäu: 305 Frauen für Kur abgesagt

Während Hebamme Barbara Tengel Frauen in der Corona-Krise weiterhelfen kann, steht bei Elke Hüttenrauch alles still. Sie leitet eine Präventions- und Rehabilitationsklinik für Frauen mit psychosomatischen Erkrankungen oder Erschöpfungssyndromen in Oberstdorf. Ihre Kurgäste sind meist erwerbstätig, kümmern sich um ihre Kinder und/oder pflegen Familienmitglieder. Bis mindestens zum 31. Juli muss ihre Klinik wegen der Corona-Auflagen noch geschlossen bleiben.

305 Patientinnen musste sie in diesem Zeitraum für eine Kur absagen. Für die Frauen, die im Alltag einen Allround-Job leisten, eine Enttäuschung. "Wir haben ganz oft erst Familien im Blick, wenn etwas passiert ist. Es muss endlich wahrgenommen werden, dass Erwerbsarbeit, Kindererziehung, Hausarbeit, Kümmern um Angehörige, dass das Schwerstarbeit ist, die per se unterstützt werden muss", fordert Hüttenrauch von der Politik. Sie befürchtet, dass die Belastung der Familien nach der Corona-Krise noch stärker sein wird.

Weshalb die Versicherung der Klinik nicht für den finanziellen Ausfall aufkommt, sehen Sie im Video.

Weniger Patienten gehen im März zum Arzt

Die Frauen in der Klinik im Allgäu würden gern in die Kur kommen. In baden-württembergischen Arztpraxen sieht das ganz anders aus. Einige Ärzte spürten eine große Verunsicherung bei ihren Patienten. "Es kommen zwanzig bis mehr Prozent weniger Patienten in die Praxen", stellt Dr. Norbert Metke von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg für den Monat März fest.

Eine RTL-Forsa-Umfrage zeigt, dass 39 Prozent der Befragten Arztbesuche, die sie normalerweise wahrnehmen würden, aufgrund der Corona-Pandemie momentan vermeiden oder verschieben. Dies ist bei den über 30-Jährigen etwas häufiger der Fall als bei Jüngeren. Die Gefahr des Patientenrückrangs - beispielsweise aus Angst vor einer Infektion im Wartezimmer - bestehe vor allem darin, dass Krankheiten bei ausbleibenden Vorsorgeuntersuchungen nicht erkannt werden. Deshalb empfiehlt Dr. Metke Patienten die regelmäßigen Arztbesuche wieder wahrzunehmen, zum Schutz der eigenen Gesundheit.

TVNOW-Dokus: Corona und die Folgen

Das Corona-Virus hält Deutschland und den Rest der Welt weiter in Atem. Auf TVNOW finden Sie jetzt die neue Doku "Was wir aus der Krise lernen".

Nach dem erfolgreichen ersten Teil der Doku "Stunde Null" gleichen die Autoren in der zweiten TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.

Wie verändert die Krise das soziale Miteinander? Viele Menschen sind hilfsbereit und rücksichtsvoll. Andere kontrollieren ihre Mitmenschen. Sehen Sie hierzu "Corona-Denunzianten - Blockwarte oder Lebensretter?"