Sie waren während des Corona-Lockdowns auf Rügen

Corona-Bußgeld wegen Zweitwohnsitz: Muss ein Rentnerpaar 50.000 Euro zahlen?

Peter und Lydia Schultz verbrachten den März und den April auf Rügen - obwohl dies nur ihr Zweitwohnsitz ist. Ist die Strafe gerechtfertigt?
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28. Juli 2020 - 10:49 Uhr

Das Ehepaar verbrachte den März und den April auf Rügen

Peter (81) und Lydia Schultz (65) wohnen eigentlich in Kerken (Niederrhein), haben aber einen Zweitwohnsitz auf der Insel Rügen, wo sie immer wieder für mehrere Wochen leben. So auch während des diesjährigen Lockdowns aufgrund der Coronavirus-Pandemie. Die Monate April und Mai verbrachte das Ehepaar auf der deutschen Urlaubsinsel – und das soll sie jetzt teuer zu stehen kommen. Laut eines Briefs vom Landkreis Vorpommern Rügen, der der "Ostsee-Zeitung" vorliegt, sollen die beiden bis zu 50.000 Euro Strafe dafür bezahlen, dass sie in Mecklenburg-Vorpommern geblieben sind statt zurück nach Kerken zu reisen.

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Das Haus des Ehepaares sei umgebaut worden

Laut Lydia Schultz seien sie lange vor der Pandemie angereist: "Wir seien aus touristischen Gründen im Land gewesen. Aber das stimmt nicht." Weil das Haus des Ehepaares in Kerken umgebaut worden sei, konnten sie nicht zurück. Hotels seien ausgebucht gewesen.

Auf RTL-Anfrage hat sich der Landkreis Vorpommern-Rügen zu der Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro pro Person geäußert, die die bisher höchste Corona-Strafe in Mecklenburg-Vorpommern wäre: Laut dem Landkreis handele es sich nicht um Bußgeldbescheide, sondern um eine Anhörung im laufenden Verwaltungsverfahren. Das im Anhörungsschreiben erwähnte Maximalbußgeld aus dem Infektionsschutzgesetz entstamme der Zeit, als es noch keinen Bußgeldkatalog des Landes gab.

Nach dem nun geltenden Bußgeldkatalog sei lediglich ein Bußgeld zwischen 150,00 € und 2.000 € möglich. Ob aber überhaupt ein Bußgeld verhängt werden wird, entscheide sich erst nach Auswertung der Anhörung im Laufe des Verfahrens.