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Corona-Ausbruch bei Tönnies: Studie zeigt - Ansteckung über 8 Meter Entfernung möglich

Ansteckung ging offenbar von einzelnem Mitarbeiter aus

Studie zu Corona-Ausbruch bei Tönnies: Ansteckung auch über 8-Meter-Entfernung möglich

HANDOUT - 17.07.2020, Nordrhein-Westfalen, Rheda-Wiedenbrück: Das von der Firma Tönnies zur Verfügung gestellte Foto zeigt Mitarbeiter, die an ihren Arbeitsplätzen von Plexiglasscheiben voneinander getrennt von Tönnies geschlachtete Schweine im Stamm
Wiederaufnahme der Schlachtung bei Tönnies
mg abl, dpa, Tönnies

Virus kann sich auch über weitere Distanzen verbreiten

Wie genau konnte sich das Coronavirus im Schlachthof Tönnies ausbreiten? Mit dieser Frage haben sich Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Heinrich-Pette-Instituts, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) genauer angeschaut. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass sich die Viren über größere Distanzen im Betrieb verbreiten konnten. Offenbar war es ein einzelner Mitarbeiter, der den Massenausbruch auslöste.

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Kollegen in 8-Meter-Umkreis steckten sich an

Die Forscher analysieren die Standorte der Arbeiter und die Virussequenzen der Infizierten, um so die Infektionsketten besser nachvollziehen zu können. Mit erstaunlichem Ergebnis: Ein infizierter Mitarbeiter im Zerlegebreich für Rinder habe mehrere Kollegen angesteckt, die in einem Umkreis von mehr als acht Metern um ihn herum arbeiteten.

Die Ansteckung sei hauptsächlich in diesem Bereich des Betriebs passiert, wo die Luft umgewälzt und auf zehn Grad heruntergekühlt wird, meinen die Forscher. In den Wohnbereichen hätte sich das Coronavirus dagegen kaum verbreitet. Tönnies installierte inzwischen eine neue Filter-Anlagen, um das Verteilen des Virus über die Luft zu unterbinden.

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Wenig Frischluft und körperliche Arbeit

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Bedingungen des Zerlegebetriebs – also die niedrige Temperatur, eine geringe Frischluftzufuhr und eine konstante Luftumwälzung durch die Klimaanlage in der Halle, zusammen mit anstrengender körperlicher Arbeit – die Aerosolübertragung von SARS-CoV-2-Partikeln über größere Entfernungen hinweg förderten“, sagt Prof. Adam Grundhoff, Mitautor der Studie und Forschungsgruppenleiter am HPI. Ein Mindestabstand von 1,5 bis 3 Metern sei also vermutlich nicht überall ausreichend.

Adam Grundhoff, Mitautor der Studie, sagte der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf das Ergebnis: „Damit ist ein Superspreader für den Ausbruch bei Tönnies gefunden.“ Auch sei nachgewiesen worden, dass die bei Tönnies gefundenen Virussequenzen zuvor in einem Werk einer Westfleisch-Tochter in Dissen in Niedersachsen auch eine Rolle gespielt habe, sagte der Professor. Die Studienergebnisse wurden noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht, sondern vorab auf eine sogenannte Preprint-Plattform gestellt.

16.07.2020, Nordrhein-Westfalen, Rheda-Wiedenbrück: An seinem Arbeitsplatz durch eine Plexiglasscheibe von seinen Kollegen  getrennt, zerlegt ein Mitarbeiter von Tönnies, der eine Mundschutz-Maske trägt, geschlachtete Schweine im Stammwerk des Betrie
Wiederaufnahme der Schlachtung bei Tönnies
hpl, dpa, -
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Virus sprang nach und nach auf andere Bereiche der Fleischfabrik über

Tönnies-Sprecher André Vielstädte berichtete, dass sich die Zahl der gefundenen Infektionen von der Rinderzerteilung über die Sauen- und später die Schweinezerteilung ausgebreitet habe. Das hätte die eigene Reihentestung gezeigt. Zwar würden die Arbeiter nicht in den unterschiedlichen Bereich durchmischt eingesetzt. „Aber die Bereiche liegen in der Fabrik nah beieinander“, erklärte Vielstädte. Die Arbeiter würden sich in den Gängen auf dem Weg zur Arbeit und in den Sozialräumen begegnen.

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