RTL war exklusiv in den Unterkünften

Corona-Ausbruch in Tönnies-Fabrik: So beengt leben die Mitarbeiter

19. Juni 2020 - 11:25 Uhr

Corona in Tönnies-Fabrik: Wie konnte sich das Virus so stark verbreiten?

Abstand halten, Kontakte auf das Nötigste beschränken und sich nur mit wenigen Menschen in einem Raum aufhalten: Was deutschlandweit gelebt wird, um sich gegen das Coronavirus zu schützen, gilt offenbar nicht in dem Fleischbetrieb Tönnies im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück. Mehr als 650 Mitarbeiter haben sich hier mit dem Coronavirus infiziert. Wie konnte es so weit kommen? Wurde bei Tönnies nicht ausreichend auf Schutzvorkehrungen gegen Corona geachtet?

Aktuell sorgt ein Video aus der Kantine des Unternehmens für Diskussion. "Tausende Mitarbeiter" sitzen hier laut der Sprecherin des Videos auf engstem Raum zusammen. Und auch in den Wohnungen der vor allem aus Osteuropa stammenden Mitarbeiter ist an Abstand nicht zu denken. Viele kommen nur zum Arbeiten nach Deutschland, leben in dieser Zeit in viel zu engen Sammelunterkünften. RTL-Reporter Dominique Fleckinger hat sich diese genauer angeschaut – die exklusiven Bilder sehen Sie im Video.

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Leben auf engstem Raum

In einer Mitarbeiter-Unterkunft in Rheda-Wiedenbrück stößt unser Reporter auf extrem beengte Wohnverhältnisse: Drei erwachsene Männer leben hier auf 30 Quadratmetern, es gibt insgesamt vier Betten, drei davon stehen in einem Raum. Die Matratzen sind fleckig, die Wohnung wirkt verwahrlost. 150 Euro zahlen die Werkvertrags-Mitarbeiter pro Monat für ein Bett, wie uns einer der Männer im Interview erzählt. Verwandt sind die Männer nicht. Ihre Familien leben in Polen. Sie selbst wohnen alle drei seit zwei Jahren in der Wohnung. Vor fünf Jahren sind sie nach Deutschland gekommen – zum Arbeiten.

 13.10.2018, Wurstfabrik B & C Tönnies GmbH & Co.KG, Firmengebäude in Rheda-Wiedenbrück 13.10.2018, B & C Tönnies GmbH 6 Co.KG, im Detail 13.10.2018, B & C Tönnies GmbH 6 Co.KG, im Detail *** 13 10 2018, Wurstfabrik B C Tönnies GmbH Co KG, company bu
"...worauf du dich verlassen kannst". So wirbt die Firma Tönnies für ihre Fleischprodukte.
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Sind Wohnverhältnisse das Problem? Tönnies sieht anderen Grund

Was schon ohne Corona-Pandemie beengte Wohnverhältnisse wären, ist in der Corona-Krise kaum denkbar. Ob diese ausschlaggebend für eine Verbreitung des Virus innerhalb der Tönnies-Fleischfabrik waren, ist unklar. Laut Tönnies sind die Unterkünfte nicht das Problem, vielmehr wird vermutet, dass ausländische Mitarbeiter das Virus eingeschleppt haben.

"Wenn ein oder zwei oder auch fünf eine Infektion mitbringen und die dann zum falschen Moment am falschen Platz sind und diese Infektion verbreiten, kann das dazu führen, dass man damit einen Herd ausgebildet hat", sagte Dr. Gereon Schulze Althoff, Leiter des Pandemiestabs bei der Firma Tönnies, am Mittwoch in Gütersloh.

Der Vorfall in Tönnies ist nicht der erste Corona-Ausbruch in einem Fleischunternehmen in den letzten Monaten. Bereits im Mai breitete sich das Virus in Betrieben in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein schlagartig aus. Um eine weitere Verbreitung des Virus zu stoppen, hat Tönnies den Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück am Mittwoch eingestellt. Einen kompletten Lockdown des Landkreises hält Epidemiologe-Professor Timo Ulrichs hingegen nicht für nötig.

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