Schulen und Kitas waren gerade erst wieder geöffnet

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Eltern im Kreis Gütersloh sind stinksauer - und machen ihrem Ärger Luft

18. Juni 2020 - 19:12 Uhr

Spontane Proteste vorm Tönnies-Anwesen

Mutter Agnes Puchala ist stinksauer. Und sie ist nicht alleine. Alle Eltern in Kreis Gütersloh können es einfach nicht fassen. Erst seit kurzen sind die Schulen und Kitas wieder auf - und jetzt heißt es: Alles wieder auf Anfang! Kinderbetreuung zuhause, Homeschooling, das ganze Programm. Denn wegen des Corona-Ausbruchs bei Tönnies machen Schulen und Kitas dort bis zu den Ferien wieder dicht. Doch die Eltern dort wollen sich das nicht einfach so gefallen lassen. Sie protestierten heute spontan vor Tönnies Anwesen und an verschiedenen Orten im Kreis. 

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Wut, Ohnmacht und blanke Existenzängste

Nach dem Corona-Ausbruch in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb sind vorsichtshalber Schulen und Kindergärten im Kreis Gütersloh geschlossen worden. Kinder von Tönnies-Mitarbeitern müssen auch in Bielefeld jetzt zuhause bleiben. Bis zu den NRW-Sommerferien ab dem 26. Juni wird wieder nur die Notbetreuung angeboten.

Agnes Puchala hat Zwillinge in der Kita. Ihr Söhnchen Lukas ist noch zu klein. Sie sagt uns: "Die meisten Eltern, die ich heute im Kindergarten getroffen habe, sind fertig. Wir wissen nicht mehr weiter." Ärger und Frust sitzen tief: "Die Bürger werden mal wieder bestraft - und die Kinder."

Christian Beckmann, Elternsprecher der Gütersloher Schulen, weiß wie die Eltern sich jetzt fühlen: "Es war für alle ein Schock! Zwischen Wut, Ohnmacht und Existenzängsten ist alles dabei. Wut darüber, dass es nicht früher erkannt wurde, Ohnmacht bei der Frage, wie es weitergehen soll und Ängste, dem Chef sagen zu müssen, dass man jetzt wieder zuhause bleiben muss."

Familien an der Grenze der Leistungskapazität

Vor dem Tönnies-Anwesen versammelten sich auch spontan dutzende Menschen - Lehrer, Eltern und Kinder. Sie haben Schilder mit Aufdrucken wie "Stoppt die Ausbeute bei Tönnies" bei sich. Protest-Teilnehmerin Melanie Beforth sagt: "Bildung ist offenbar nicht so wichtig wie ein Stück Fleisch zu essen." Es gehe ihr aber nicht darum, auf die Arbeiter bei Tönnies zu zeigen, die nicht die Schuld trügen. Sie wolle zeigen, dass die Familien an der Grenze ihrer Leistungskapazität seien.

Tönnies Eltern und Kinder
Durch den Ausbruch bei Tönnies sind alle Schulen und Kindergärten im Kreis Gütersloh geschlossen worden. Eltern und Kinder protestieren.
© picture alliance, dpa/picture-alliance, David Inderlied

Caritas Gütersloh: "System Tönnies gefährdet den sozialen Zusammenhalt"

Bislang wurden laut Auskunft von Tönnies 730 Tönnies-Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet (Stand 18.06. um 15:07 Uhr). Auch Volker Brüggenjürgen von der Caritas Gütersloh war unter den Demonstrierenden. "Wir kritisieren seit Jahren die Arbeits- und Wohnbedingungen bei Tönnies", so der Vorstandsvorsitzende. "Das System Tönnies gefährdet den sozialen Zusammenhalt."

Von Tönnies heißt es, man habe Verständnis für den Unmut. "Ich habe mit den Leuten vor dem Werk gesprochen und mich entschuldigt", sagte ein Pressesprecher von Tönnies. "Wir tun alles, um das Virus wieder loszuwerden, so dass die Schulen und Kitas nach den Sommerferien wieder regulär starten können."

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