Durchbruch bei den Corona-Apps

Bundesregierung hat sich offenbar auf ein Konzept geeinigt

23. April 2020 - 14:05 Uhr

Infektionsketten nachvollziehen und Verbreitungswege erkennen

Anti-Corona-Apps auf dem Smartphone sollen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie in Deutschland helfen, indem sie Infektionsketten erkennen und neue Aufschlüsse über Verbreitungswege zulassen. Die Bundesregierung hat sich nun offenbar auf ein Konzept für eine Corona-App geeinigt. Im Video zeigen wir Ihnen anhand einer animierten Grafik, wie der Ansatz im Alltag funktionieren würde. Außerdem schätzt unsere Digitalexpertin für Sie ein, unter welchen Voraussetzungen eine App wirklich Sinn macht.

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Über Server sollen Kontaktpersonen gewarnt werden

Das besagte Konzept wurde von rund 130 Wissenschaftlern entwickelt und trägt das Kürzel PEPP-PT. Bei dieser Technologie erkennen sich Smartphones per Bluetooth untereinander. Sie speichern anonym, welchen Smartphones sie zumindest für ein paar Minuten näher als zwei Meter kommen. Erkrankt der Besitzer eines solchen Smartphones an Corona, kann er diese Information freigeben. Sie erreicht über einen Server dann alle Kontaktpersonen.

Schon vor einigen Wochen konnte die Bundeswehr diese Technologie testen. Wieso ein Vorstoß bei der Entwicklung eines Konzeptes für eine Corona-Warn-App so lange gedauert hat, können Sie hier nachlesen.

Apps müssen erst noch entwickelt werden

Auch wenn sich die Bundesregierung jetzt wohl auf ein technologisches Konzept geeinigt hat: Die passenden Corona-Tracing-Apps, die dann auf dem Smartphone vom Endverbraucher landen, müssen erst noch entwickelt werden. Wann sie kommen, ist noch nicht klar. Der Ansatz steht also, die konkrete Anwendung auf dem Smartphone muss noch ausgearbeitet werden.

Bereits im Umlauf ist allerdings eine Corona-Datenspende-App des Robert-Koch-Instituts. Diese sammelt Daten von Fitnessarmbändern und Smartwatches ein, um Hinweise auf Corona-Symptome zu erfassen.

Heftige Debatte um Datenschutz

Regelmäßig entfachen aber auch heftige Diskussionen über das Corona-App-Projekt. Denn viele machen sich Sorgen, wie es um den Datenschutz bestellt ist. Befürchtet wird, dass Daten aus solch einer App ausgespäht und ausgenutzt werden könnten.

Rund 300 Experten unterzeichneten vergangenen Montag einen offenen Brief, in dem sie vor der Gefahr von Überwachung und Missbrauch bei einer zentralisierten Speicherung von Daten warnen.

Die Bundesregierung betont: Die Technologie müsse Datensicherheit gewährleisten. Zudem ziehe sie eine Nutzung nur auf freiwilliger Basis in Betracht.

Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) äußert sich im Bezug auf Corona-Apps gegenüber RTL positiv gestimmt: "Versuchen Sie, für sich selber mal zu rekonstruieren: Wo waren Sie die letzten 14 Tage und wen haben Sie dort getroffen? In den jetzigen Situationen passt das besser. Aber gerade bei den gefährlichen Situationen, wo jemand sehr viele getroffen hat, viele infiziert hat, ist das schwieriger - und wenn ein solches digitales Tool helfen kann - es ist nicht die Wunderlösung - dann ist es auch effektiv im Einsatz."

Podcast "Ja. Nein. Vielleicht": Corona-Apps freiwillig oder verpflichtend?

Sollte die Politik Corona-Apps verpflichtend einführen oder auf die freiwillige Bereitschaft der Bürger setzen? Darüber spricht die Verhaltensökonomin Verena Utikal mit Ihrer Kollegin Katrin Schmelz von der Universität Konstanz. Schmelz ist Mitglied der dort angesiedelten Corona-Task-Force "Covid-19-Survey".

TVNOW-Doku: Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus

Im zweiten Teil der TVNOW-Doku "Stunde Null - Wettlauf mit dem Virus" stellen wir die Frage: Wie besiegen wir Corona? Dafür gleichen die Autoren die verschiedenen Maßnahmen einzelner Länder rund um den Globus mit den aktuellen Empfehlungen von Forschern ab.