Inzidenz unter 50 kaum vorstellbar

Ärzte bezweifeln Lockdown-Ende am 31. Januar

Coronavirus - die Intensivstationen sind voll.
Coronavirus - die Intensivstationen sind voll.
© dpa, Sven Hoppe, shp exa

13. Januar 2021 - 9:45 Uhr

Ratlosigkeit auch in der Politik

Wie lange werden wir noch im Lockdown festhängen? Die deutschen Amtsärzte bezweifeln, dass die harten staatlichen Corona-Beschränkungen am 31. Januar aufgehoben werden können. "Ich bin mir sehr unsicher, ob wir Ende des Monats zu einem Ende des Lockdown kommen können", sagte die Vorsitzende des Berufsverbands der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, der Funke-Mediengruppe. Den aktuellen Ansteckungszahlen nach zu urteilen, werde es schwer, bis dahin unter die angestrebten 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner je Woche zu kommen.

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Lockerungen werden höchstens Schritt für Schritt kommen

Es reiche zudem nicht, wenn diese Marke einmal erreicht wird. "Die Ansteckungszahlen müssen dauerhaft so niedrig bleiben." Fest stehe: "Lockerungen werden in jedem Fall nur schrittweise kommen können und nicht auf einen Schlag."

Derzeit liegen 25.000 Covid-19-Patienten in deutschen Kliniken. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnte erneut vor einer Überlastung des Systems. "Mit circa 6.000 intensivbehandlungsbedürftigen Patienten, deren Versorgung deutlich höhere Personalressourcen bündelt, ist ein hoher Belastungsgrad im System insgesamt erreicht, in vielen Kliniken vor Ort zum Teil bereits überschritten", sagte Hauptgeschäftsführer Georg Braun der "Rheinischen Post".

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet warb um Verständnis, dass die Politik nicht wisse, wie es nach dem Lockdown bis zum 31. Januar weitergeht. "Die Frage, wie es weitergeht, treibt uns alle um. Aber wir wissen es nicht." Ein Konzept bis zum Ende des Jahres werde es in einer Pandemie nicht geben können, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

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Es gibt auch hoffnugsvolle Signale

Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
Hoffnung macht der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen: Bald kann in Arztpraxen geimpft werden.
© imago images/Jürgen Heinrich, Jürgen Heinrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Doch gibt es auch hoffnungsvolle Signale: Gut zwei Wochen nach dem Beginn der Impfungen mit dem ersten in der EU zugelassenen Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer beginnt an diesem Dienstag die Auslieferung des zweiten zugelassenen Vakzins der US-Firma Moderna an die Bundesländer und deren Impfzentren.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, verwies darauf, dass in Arztpraxen bald schnell sehr viel geimpft werden könne. "Wir werden in absehbarer Zeit mehrere Impfstoffe einsetzen können, die sich auch in Praxen verimpfen lassen", sagte Gassen der "Rheinischen Post". Neben dem nun in Deutschland angekommenen Impfstoff von Moderna gehöre dazu auch derjenige von Astrazeneca.