"Ich sterbe, ich kann nicht atmen"

Container-Drama in Essex (England): 26-Jährige schickte letzte Nachricht an ihre Mutter

Lkw-Tote in Essex: Vietnamesin schickte vor ihrem Tod letzte Nachricht an ihre Familie
© Twitter, Hoa Nghiem

29. Oktober 2019 - 9:46 Uhr

Container-Drama in Essex, England: Ist eine Vietnamesin unter den 39 Toten?

Bei einem der Todesopfer im Container-Drama im englischen Essex soll es sich offenbar um eine junge Vietnamesin handeln. Wie britische Medien berichten, habe ein vietnamesisches Menschenrechts-Netzwerk die 26-Jährige identifiziert. Unmittelbar vor ihrem Tod soll sie noch mehrere Kurznachrichten aus dem verriegelten Container geschickt haben – an ihre Mutter. Diese Nachrichten hat die Menschenrechtlerin Hoa Nghiem jetzt auf Twitter veröffentlicht.

Ihre letzte Nachricht aus dem Container: "Es tut mir leid, Mama"

Pham Thi Tra My wusste, dass sie sterben würde. Eingesperrt in einem Kühlcontainer zusammen mit 38 anderen Menschen. Ihre letzten Gedanken galten ihrer Familie. "Es tut mir leid, Mama", schrieb sie ihrer Mutter in der Nacht auf Mittwoch, 23. Oktober. Hektisch, verzweifelt. "Meine Reise ins Ausland war nicht erfolgreich. Mama, ich liebe dich so sehr! Ich sterbe, ich kann nicht atmen. Ich komme aus Ngen, Can Loc, Ha Tinh, Vietnam. Es tut mir leid, Mama."

Das war das Letzte, was die Familie von der 26-Jährigen hörte. Dann ging Pham Thi Tra My offline. Seit Mittwoch hat es kein Lebenszeichen mehr von ihr gegeben.

Die Kurznachrichten kamen mitten in der Nacht in Vietnam an, zu dieser Zeit kam der Container gerade in Großbritannien an. Nur wenige Stunden später fanden Sanitäter den Lkw-Container in einem Industriegebiet in Grays, östlich von London. Zu spät: Alle 39 Menschen darin waren bereits tot. Die Polizei nahm zuerst den Fahrer des Lkw fest, am Freitag machten die Ermittler drei weitere Festnahmen bekannt.

Vietnamesin Pham Thi Tra My: 35.000 Euro für eine Reise in den Tod

Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass der organisierte Menschenhandel hinter der Lkw-Tragödie in Essex steckt. Laut BBC habe Pham Thi Tra My umgerechnet rund 35.000 Euro für ihre Reise nach Großbritannien zahlen müssen – an Menschenhändler.

Wie der Guardian berichtet, habe die junge Vietnamesin Anfang Oktober ihr Heimatland verlassen, sei nach China gereist, von dort weiter nach Europa. Das will der Sender über Verwandte der 26-Jährigen erfahren haben. Von Frankreich aus habe sie versucht, mit dem Flugzeug nach Großbritannien zu gelangen – sei aber von den Grenzbeamten prompt zurückgeschickt worden. Ihr letzter bekannter Aufenthaltsort sei in Belgien gewesen. Offenbar wollte sie einen zweiten Versuch unternehmen – im Container.

Die vietnamesische Botschaft in London hat laut Guardian bestätigt, mit einer Familie aus Vietnam in Kontakt zu stehen. Die Familie befürchte, ihre Tochter sei unter den Todesopfern. Die Botschaft habe die Polizei in Essex verständigt und warte noch auf eine Antwort.

Britischen Medien zufolge sollen noch weitere Familien in Vietnam den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben, nachdem sie von Belgien aus nach England reisen wollten. Offiziell ging die Polizei in Essex am Donnerstag davon aus, dass alle Todesopfer aus China stammen. Die Ermittler konnten die Opfer allerdings noch nicht identifizieren.