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Cockpit-Verhandlungsführer zum Pilotenstreik bei Ryanair: "Es bleibt uns keine andere Chance"

Streik bei Ryanair hat begonnen
Streik bei Ryanair hat begonnen Härtester Pilotenstreik in der Geschichte des Billigfliegers 01:03

Härtester Pilotenstreik in der Ryanair-Geschichte

Der bislang härteste Pilotenstreik in der Geschichte Ryanairs, wie die Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit" (VC) ihn betitelt hat, trifft den irischen Billigflieger mitten in der Ferienzeit. Die Piloten in mehreren europäischen Ländern haben ihre Streikaktionen abgestimmt. Das Unternehmen hat daraufhin von 2.400 geplanten Flügen rund 400 gestrichen. Die Piloten streiken für bessere Arbeitsbedingungen und Manteltarifverträge, wie der VC-Verhandlungsführer Ingolf Schumacher im ausführlichen RTL-Interview erklärt.

Piloten schließen weitere Streiks nicht aus

Vor allem am frühen Morgen wird dem Plan zufolge kaum ein Ryanair-Flieger von einem deutschen Flughafen abheben. Im Laufe des Tages sollen dann einige Flüge erfolgen mit Maschinen, die aus anderen, nicht bestreikten Ländern landen und auch wieder starten.

Europaweit sind rund 55.000 Passagiere betroffen, davon gut 42.000 in Deutschland. Sie konnten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen. Weitere Entschädigungen lehnt Ryanair ab. Streiken wollten die Piloten in Deutschland, Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden.

Der Ausstand in Deutschland begann um 03.01 Uhr und am Samstag um 02.59 Uhr enden. Die Piloten streiken für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Weitere Streiks in der Urlaubszeit hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen. Im Interview erklärt der VC-Vorsitzende Ingolf Schumacher die Hintergründe, Motive und Ziele des Streiks.

Ingolf Schumacher: "'Ryanair must change' ist die Botschaft"
Ingolf Schumacher: "'Ryanair must change' ist die Botschaft" Cockpit-Verhandlungschef im Interview 01:49

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig

Ryanair habe offenbar mit massiven Ausfällen gerechnet und daher lieber gleich das gesamte Programm der deutschen Crews abgesagt, hatte ein Sprecher der Gewerkschaft "Vereinigung Cockpit" zuvor in Frankfurt erklärt. Das sei für das Unternehmen offenbar einfacher zu behandeln. Am Samstag soll der Betrieb wieder wie gewohnt laufen, hat Ryanair angekündigt.

Die abgestimmte Aktion ist der bislang größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten. Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept in Frage stellen würden.


Quelle: DPA/RTL.de

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