Ehrliches Interview mit der Deutschen Bahn

Clueso spricht über Kindheit: So war seine Zeit in psychiatrischer Klinik

Sänger Clueso
Sänger Clueso
© imago/VIADATA, SpotOn

25. September 2021 - 12:40 Uhr

Clueso packt über sein Leben aus

Sänger Clueso (41) lässt im Interview mit der Deutschen Bahn die Hosen runter. Er spricht über seine Kindheit, in der er wegen seiner Hyperaktivität oft angeeckt ist. So sehr, dass er sechs Wochen in einer psychiatrischen Kinderklinik verbringen musste.

„War einfach nur scheiße auffällig und bin irgendwann in eine Klinik gekommen“

Clueso ist einer der bekanntesten Popmusiker Deutschlands. Acht Alben hat er bislang herausgebracht, die sich insgesamt rund zwei Millionen Mal verkauft haben. Im Titelinterview der Oktoberausgabe des Kundenmagazins der Deutschen Bahn bezeichnet sich der Sänger als hyperaktiv - eine Diagnose, die ihm bereits als Jugendlicher gestellt wurde.

"Ich bin überall angeeckt, aber keiner hat gecheckt, dass da eine Energie ist, die kanalisiert werden wollte, und ich nur das Ventil nicht gefunden habe. Ich hätte Lehrer gebraucht, die mir zuhören, die Ideen haben, was ich machen könnte", erklärt der heute 41-Jährige. "Stattdessen war ich einfach nur scheiße auffällig und bin irgendwann in eine Klinik gekommen." Sechs Wochen habe er in einer psychiatrischen Kinderklinik verbringen müssen, bis seine Eltern ihn herausgeholt haben.

Rapper-Dasein machte ihn im Ostdeutschland nach der Wende zur Zielscheibe

Im Interview spricht Clueso außerdem über die Freiräume, die er als Kind genossen hat. Als die Mauer im November 1989 fiel, war der Erfurter, der mit bürgerlichem Namen Thomas Hübner heißt, neun Jahre alt. Für ihn sei die Zeit danach toll gewesen: "Die Erwachsenenwelt war krass mit sich beschäftigt, sogar die Polizei hatte anderes zu tun, als auf uns zu achten. Auf einmal war die ganze Stadt ein einziger Spielplatz", so der Sänger im DB-Interview.

Seine musikalische Laufbahn begann Clueso tatsächlich als Rapper - was ihn im Ostdeutschland nach der Wende mitunter zur Zielscheibe gemacht hat, erzählt er weiter. "Es war in den ostdeutschen Innenstädten überhaupt kein Problem, als Neonazi aufzutreten - Shirts mit Logos von rechten Bands oder von Marken wie Thor Steinar und Lonsdale, Springerstiefel, weiße Schnürsenkel. Und wir Hip-Hopper sind dann von den Nazis durch die Stadt gejagt worden."

Schon früh war Cluesos Ventil die Musik. Auch wenn der Erfolg anfangs ausblieb: "Viele Jahre wollte mich keiner hören. Damals habe ich gedacht, dass die da draußen alle doof sind. Dass die meinen Style nicht checken, dass die da oben mir keine Chance geben, dass die Plattenfirmen keinen Geschmack haben." (DPA/rla)