Aufsichtsrat-Chef von Lidl meldet sich

Bauern-Proteste vor Lidl-Lager nach Telefonat beendet

Landwirte fahren mit Traktoren auf einer Landstraße. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Aktuell
Landwirte fahren mit Traktoren auf einer Landstraße. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Aktuell
© deutsche presse agentur

02. Dezember 2020 - 7:02 Uhr

Landwirte blockierten Zufahrt

Landwirte protestierten zeitweise mit bis zu 140 Traktoren in Cloppenburg sowie in anderen Städten gegen die Preispolitik des Lebensmitteleinzelhandels. Am Dienstagabend (01.12.) beendeten die Demonstranten ihre Aktion vor Lagern des Discounters Lidl. Vorausgegangen waren Gespräche zwischen Unternehmensvertretern und den Landwirten.

17-Jährige stürzte mit ihrem Trecker um

Wie das Nachrichtenportal für das Oldenburger Münsterland "OM online" berichtet, hätten sich die Landwirte nach einer Abstimmung dazu entschieden, den Bereich vor dem Lidl-Zentrallager in Cloppenburg zu verlassen. Zuvor habe sich Klaus Gehrig, Leiter der Schwarz-Gruppe und Aufsichtsrat-Chef von Lidl und Kaufland, per Telefon in Cloppenburg gemeldet. Die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta zeigte sich mit dem "langwierigen, aber größtenteils friedlichen Verlauf" der Aktion insgesamt zufrieden. Auch in Rade (Kreis Harburg) und in Schwanewede hatten Landwirte bis zum frühen Dienstagmorgen (01.12.) die Zufahrt zu Lidl-Lagern blockiert. Außerdem gab es in Westerkappeln (Kreis Steinfurt/NRW) eine Treckerdemo nahe der niedersächsischen Grenze. In der Nacht zum Dienstag kam es zu einem Unfall in Emstek, als eine 17 Jahre alte Traktorfahrerin aus noch ungeklärter Ursache mit ihrem Trecker umstürzte und sich schwer verletzte, wie ein Polizeisprecher berichtete.

Landwirte ärgerten sich über einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel

Die Landwirte waren wütend über einen Brief der großen deutschen Handelsketten an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Topmanager der Konzerne Edeka, Rewe, Aldi und der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) hatten sich darin über Äußerungen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner beschwert. Die CDU-Politikerin hatte einen Gesetzesentwurf auf den Weg gebracht, mit dem Landwirte und kleinere Lieferanten besser vor dem Preisdruck der Handelsriesen geschützt werden sollen und von teils unfairen Bedingungen gesprochen. Die Supermarkt-Ketten klagten, Klöckner habe ein Zerrbild der Handelsunternehmen gezeichnet.

In einer am Dienstagnachmittag (01.12) von der niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Silvia Breher verbreiteten Videobotschaft auf Facebook wandte sich Klöckner an die Landwirte. "Liebe Bauern und liebe Bäuerinnen, ich verstehe Euch. Die Preise im Handel sind alles andere als wertschätzend (...) Ich kann Euren Zorn verstehen, auch dass Ihr Warenlager blockiert", so die Ministerin. Sie werde versuchen, mit den Verantwortlichen bei Lidl zu sprechen - "und dass sie mit Euch sprechen."


Quelle: DPA / RTL.de