Cleveland: Tödliche Schüsse auf schwarzen Jungen – Beamter war untauglich für Polizeidienst

Obwohl der zwölfjährige Tamir Rice nur eine Spielzeig-Pistole bei sich hatte, schoss der Polizeibeamte unmittelbar auf ihn und tötet das Kind.
Obwohl der zwölfjährige Tamir Rice nur eine Spielzeig-Pistole bei sich hatte, schoss der Polizeibeamte unmittelbar auf ihn und tötet das Kind.
© dpa, David Maxwell

06. Dezember 2015 - 10:22 Uhr

"Abwesend und weinerlich" am Schießstand

Mit tödlichen Schüssen auf einen zwölfjährigen schwarzen Jungen in der US-Stadt Cleveland löste Polizeibeamter Timothy Loehmann eine Welle der Empörung aus. Nun hat sich herausgestellt, dass der Beamte zuvor als untauglich für den Polizeidienst erklärt worden war.

Die Polizeistation Independence, wo Loehmann zuvor gearbeitet hatte, habe ihn als unfähig zum Dienst erklärt, berichtet die britische Zeitung 'Guardian'. Der heute 26-Jährige soll emotional zusammengebrochen sein, als er mit einer Waffe umgehen musste. Während des Trainings am Schießstand soll der Polizist "zerfahren und weinerlich" gewesen sein. Loehmann habe einfachsten Anweisungen nicht Folge leisten können. "Sein Umgang mit der Handwaffe war trostlos", hieß es in einem internen Memo der Polizeistation, die den Mann abschließend aus dem Dienst entließ, so der Bericht. Der Polizist quittierte einige Tage später den Dienst.

März dieses Jahres sei Loehmann dann wieder eingestellt worden – von der Polizei in Cleveland, heißt es. Unklar sei, ob der Dienststelle das Memo mit dem niederschmetternden Urteil über ihren neuen Beamten bei dessen Einstellung vorlag.

Video-Aufzeichnung belastet Polizisten

Mit einem Partner fuhr Timothy Loehmann vergangenen Monat zu einem Park in Cleveland, nachdem ein Anruf bei der Polizei eingegangen war. Demnach sollte dort ein Junge mit einer Waffe rumhantieren. Der Anrufer wies allerdings mehrfach darauf hin, dass die Waffe wohl nicht echt sei. Loehmann zögerte vor Ort dennoch nicht lange und schoss den zwölfjährigen Tamir Rice in den Bauch, nachdem der Junge zu seiner Softair-Pistole griff. Der Polizei zufolge sah die Waffe täuschend echt aus.

Ein veröffentlichtes Video von der Tat zeigt den blitzschnellen Ablauf der Schüsse auf das Kind. Die Aufnahmen erweckten Zweifel an der Darstellung der Polizei und der Rechtmäßigkeit ihres Vorgehens, kommentierten Experten im US-Fernsehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den Todesschützen. Ein Geschworenen-Gericht wird entscheiden, ob gegen Loehmann Anklage erhoben wird.

Mehrere Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze verursachen zurzeit Unruhen in den USA: In New York forderten zahlreiche Menschen eine Verurteilung für einen zuvor von der Anklage freigesprochenen Polizisten. Er hatte Sommer dieses Jahres einen unbewaffneten Schwarzen erwürgt. In der US-Stadt Ferguson löste ein ähnlicher Fall heftige Proteste aus: Ein Polizist hatte einen unbewaffneten jungen Schwarzen erschossen. Nachdem die Geschworenen entschieden hatten, dass der Polizist nicht angeklagt werden sollte, kam es zu gewaltsamen Aufständen.