Cleveland: Erschossener schwarzer Junge hatte Hände in den Taschen

06. Dezember 2015 - 10:22 Uhr

Warnung kann nicht erfolgt sein

Vor etwas mehr als einem Jahr in Cleveland, Ohio: Eine verheerende Verwechslung, so hieß es, sei schuld, dass der zwölfjährige schwarze Junge Tamir Rice von der Polizei erschossen wurde. Der Junge, so sagten die damals beteiligten Polizisten, habe nach einer Spielzeugpistole in seinem Hosenbund gegriffen. Diese sei aber einer halbautomatischen Waffe sehr ähnlich gewesen. Ein orangefarbenes Zeichen, dass sie als ungefährlich ausgewiesen hätte, sei abgekratzt gewesen.

Erschossener schwarzer Junge hatte Hände in den Taschen
Bild aus dem Überwachungsvideo, das analysiert wurde
© Reuters, HANDOUT

Jetzt wollen Experten in einer Videoanalyse herausgefunden haben, dass Tamir zum Zeitpunkt des tödlichen Schusses, seine Hände in den Taschen hatte. Laut den Experten hatte der Junge nicht genügend Zeit, die Hände aus den Taschen zu nehmen und in den Hosenbund zu greifen. Die Hände in denen er laut Polizei die Spielzeugwaffe hielt, sollen laut Experten für die Polizisten gar nicht sichtbar gewesen sein.

Dies geht aus einer Analyse hervor, die die Anwälte von Tamirs Familie nun veröffentlichen. Zuvor wurden seitens der Familie schon zwei Gutachten veröffentlicht, die zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Sie sollen als Beweis dienen, damit eine Grand Jury ein Verfahren gegen die verantwortlichen Polizisten eröffnet.

Die vorherigen Analysen des Videomaterials hatten ergeben, dass Tamir innerhalb von zwei Sekunden, nachdem der schießende Officer seine Autotür geöffnet hatte, erschossen wurde. Die neue Analyse eines Ballistik-Experten kommt zu dem Ergebnis, dass es sogar wesentlich schneller passiert sein könnte. Da die Beamten ihre Fenster nicht runterließen, kann Tamir vor den Schüssen auch keine nicht gewarnt worden sein.

Zu dem Vorfall war es gekommen, nachdem ein Augenzeuge die Polizei alarmiert und von einer Person berichtet hatte, die auf dem Spielplatz eines Freizeitzentrums eine Waffe auf andere Menschen richte. Dann hatte es zunächst geheißen, zwei Beamte hätten den Verdächtigen gestellt und ihn aufgefordert, die Hände hoch zu nehmen. Er habe das nicht befolgt und stattdessen in seinen Hosenbund gegriffen, um seine Waffe zu ziehen. Daraufhin hätten die Beamten geschossen und ihn im Bauch getroffen.