CIA: Saudi-Kronprinz ist Drahtzieher der Khashoggi-Ermordung

Der unter Druck geratene saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Foto: SPA
Der unter Druck geratene saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Foto: SPA
© deutsche presse agentur

17. November 2018 - 8:56 Uhr

Mord im königlichen Auftrag?

Der US-Geheimdienst CIA kommt nach Medienberichten zu der Einschätzung, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet hat. Die CIA sei zu dieser Schlussfolgerung gekommen, nachdem sie mehrere Quellen ausgewertet habe, darunter ein Telefongespräch zwischen dem Bruder des Kronprinzen und dem Regierungskritiker Khashoggi, berichtet die "Washington Post".

Nach Tod von Jamal Khashoggi, Proteste vor der saudischen Botschaft in Paris Demonstration, following the call of the AIDL (International Alliance for the Defence of Rights and Freedoms), in front of the Saudi Arabian Embassy in Paris, on October 25t
Demonstrantin mit einem Foto des ermordeten Jamal Khashoggi vor der saudischen Botschaft in Paris.
© imago/IP3press, Aurelien Morissard, imago stock&people

Bei dem Telefonat habe Khalid bin Salman Khashoggi gesagt, dass er in das saudische Konsulat nach Istanbul gehen soll, um Dokumente abzuholen, schrieb die Zeitung. Er habe dem Journalisten zugesagt, dass dies sicher sei. Khalid bin Salman ist saudischer Botschafter in den USA. Er habe den Anruf auf Anordnung seines Bruders getätigt. Es sei aber unklar sei, ob der Botschafter davon gewusst habe, dass Khashoggi ermordet werden würde.

Khalid bin Salman selbst schrieb auf Twitter, er habe nicht mit Khashoggi am Telefon gesprochen und er habe ihm auch nicht empfohlen, in die Türkei zu reisen. Sein letzter Kontakt mit dem Journalisten sei am 26. Oktober 2017 per Textnachricht gewesen. Laut "Washington Post" wurde der Anruf von US-Geheimdiensten abgehört.

Der im Exil lebende saudische Regierungskritiker Khashoggi wurde Anfang Oktober in dem Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht, in dem er Dokumente für seine Hochzeit abholen wollte. Unter immensem internationalen Druck auf Saudi-Arabien gab die autokratische Regierung erst viel später den Tod des "Washington Post"-Kolumnisten zu. Riad beschuldigte aber hochrangige Regierungsmitarbeiter der Tat, die nicht auf Befehl des Kronprinzen oder des Königs gehandelt hätten. Diese Version wurde international als wenig glaubwürdig angezweifelt.