Täter feuerten aus fahrendem Auto

Auf Kindergeburtstag erschossen: Warum musste Chrisyah Stephens (7) sterben?

Chrisyah Stephens wurde nur sieben Jahre alt
Chrisyah Stephens wurde nur sieben Jahre alt

01. September 2020 - 11:06 Uhr

Nachbarn in South Bend nach Schießerei auf Kindergeburtstag entsetzt

Flatterband weht in der East Donald Street in South Bend (US-Bundesstaat Indiana). Polizei-Blaulicht leuchtet in der Nacht, auf der Straße stehen kleine Schilder mit Nummern. Die Ermittler sichern Spuren am Tatort. Hier endete ein Kindergeburtstag in einer Katastrophe, als ein sieben Jahre altes Mädchen erschossen wurde. Nach ersten Ermittlungen waren die Gäste gerade vor dem Haus, als aus einem fahrenden Auto heraus auf die feiernden Menschen geschossen wurde. Mittlerweile hat die Polizei den Namen des Kindes veröffentlicht, das viel zu früh sterben musste: Chrisyah Stephens. Verwandte und Nachbarn sind entsetzt – und suchen nach einer Lösung.

„Ich bin nur ein Kind, nicht das Ziel“

"Ich bin nur ein Kind, nicht das Ziel" steht auf einem Transparent, das jemand in der East Donald Street abgelegt hat. Daneben Kuscheltiere und Luftballons. Nachbarn, Verwandte und Freunde haben es dort für Chrisyah abgelegt. "Wir sind soooo verletzt. Ich kann meinen Schmerz nicht beschreiben, ich weine mir die Augen aus dem Kopf", postet eine von ihnen zu einem Foto der Gedenkstätte auf Facebook.

Christina Jenkins sagt, sie habe auch etwas dort abgelegt. "Ich weiß, dass sie einen Bruder oder eine Schwester hat. Das wird sie nicht ersetzen, aber es ist etwas, das zeigen soll, dass jemand hier in South Bend ist, dem das nahe geht." Jenkins sei mit ihrem Ehemann vor zwei Monaten in den Ort gekommen, erzählt sie im Interview mit dem lokalen Nachrichtensender "WSBT 22". Sie hat sechs Kinder, die alle jünger als zwölf Jahre alt sind. "Wir haben hier viele Schießereien. Als ich hierher kam, habe ich nach einem besseren Job gesucht und wollte, dass meine Kinder dieser Gewalt nicht ausgesetzt sind." Seit sie von den Ereignissen gehört habe, lasse sie ihre Kinder nicht mehr draußen spielen. "Als Mutter verstehe ich, wie sehr so etwas schmerzt", fährt sie fort. "Wer tut so etwas einem Baby an?" 

"Ihr Leben wurde von jemandem, der vorbeifährt und schießt, sinnlos beendet"

Wer macht so etwas – das ist die Frage, die sich die Menschen stellen. "Sie weiß nicht einmal, was das Leben ist. Sie hat noch nicht einmal angefangen, ihr Leben zu beginnen", sagt die Nachbarin Paige Ruehle im Interview mit "16 News Now" über den sinnlosen Tod von Chrisyah. "Und jetzt kann sie keine Geburtstagsfeiern mehr erleben, zur Schule gehen, mit Freunden spielen, Teenager werden, im Leben heiraten. Sie kann jetzt nichts mehr von alldem, weil ihr Leben von jemandem, der vorbeifährt und schießt, sinnlos beendet wurde." Noch hat die Polizei die Täter nicht gefasst. Neben Chrisyah seien innerhalb einer Woche noch drei andere Menschen erschossen worden, teilt die Behörde auf Facebook mit. South Bend hat ein Problem mit Waffengewalt.

"Ich bin wütend", sagt Takisha Jacobs dem Sender "ABC57". Sie ist Vorsitzende der Bewegung "Bullets for Life Indiana." Die Wohltätigkeitsorganisation kümmert sich um Menschen, deren Angehörige erschossen worden sind. "Wir sind schon immer hier. Wir gehen auf die Straßen, holen Kinder ab, bringen sie raus aus der Stadt, raus aus der Gegend", erzählt sie und erklärt das Problem: "Diese Menschen haben gerade ihr kleines Mädchen verloren. Wissen Sie, wie wütend sie sein werden? Wie viel Angst sie haben werden, wenn ein Auto um die Ecke biegt?" Es sei ein Problem in der Gemeinschaft. Um das zu beenden, bräuchte es mehr Menschen, die auf die Straße gehen und sich gegen die Waffengewalt einsetzen – bevor ein weiteres Kind in South Bend erschossen wird.