Kinderporno-Prozess startet am 29. April

Anwalt über Christoph Metzelder: "Es geht ihm miserabel"

23. April 2021 - 11:07 Uhr

Metzelders Verteidiger: "Der Garten hilft ihm, glaube ich, sehr im Moment"

Weniger als eine Woche, dann muss sich Ex-Fußballnationalspieler Christoph Metzelder in Düsseldorf vor Gericht wegen wegen Besitzes und Weitergabe von Kinderpornografie verantworten. Seit 2019 schweigt er zu den Vorwürfen, hält sich privat sehr bedeckt. Nun spricht sein Anwalt Dr. Ulrich Sommer im exklusiven RTL-Interview erstmals darüber, wie es dem 40-Jährigen in der Zwischenzeit ergangen ist, mit welchen Gefühlen er der Hauptverhandlung entgegen sieht und was er danach mit seinem Leben anfangen will – im Video.

"Kinderpornografie führt sofort zu bestimmten Emotionen und zu bestimmten Schubladen"

Christoph Metzelder war ein hoch angesehener Mann, stand an der Schwelle, DFB-Präsident zu werden. Er hatte alles erreicht, was man als Profifußballer erreichen kann. Dann im September 2019 die Vollbremsung. "Wie kommt man damit klar?", fragt Klose. "Gar nicht. Da würden Sie nicht mit klarkommen und ich kann auch nicht behaupten, dass er damit ernsthaft klargekommen ist", sagt sein Verteidiger. "Er hat in der Öffentlichkeit eine ganz andere Rolle gespielt und Kinderpornografie führt sofort zu bestimmten Emotionen und zu bestimmten Schubladen, die jedenfalls zum Ergebnis führen, dass nicht nur seine soziale Stellung, sondern also weitgehende freundschaftliche und andere Kontakte schlicht abgebrochen sind."

Das Verfahren "belastet ihn natürlich ungeheuer", sagt Sommer RTL-Reporter Ulrich Klose. "Er hat relativ früh auf einmal mit einem Vorwurf zu kämpfen gehabt, hat mit der sozialen Ächtung, die sofort einherging, zu kämpfen gehabt, und hat einige Monate, bevor alle Deutschen wussten, was ein Lockdown ist, schon erleben müssen, wie es ist, wenn man sich einfach in seine eigene Wohnung einsperren muss. Und, dass man da eher das Gefühl hat: das ist eine vorgezogene Freiheitsstrafe."

Metzelder sei sozial isoliert, Freunde hätten sich von ihm abgewandt. "Wenn ich vorhin gesagt habe, es geht ihm miserabel, dann liegt das einfach daran, dass es tatsächlich so gut wie keine sozialen Kontakte mehr gibt." Im Internet laufe zudem eine regelrechte Hetzkampagne gegen den Ex-Kicker, der einst für sein soziales Engagement gegen Kinderprostitution mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. "Lynchjustiz ist ja noch das Minimum, was da gefordert wird. Auseinandersetzen kann man sich damit nicht. Ich sage ihm nur, er soll es nicht lesen."

Am 29. April startet der Prozess gegen Christoph Metzelder - was kommt danach?

Metzelder sei in Therapie, um alles zu verarbeiten. Es gehe dabei jedoch nicht um irgendwie geartete pädophile Neigungen, betont sein Anwalt, sondern sei vielmehr "eine Hilfe dabei, sich bewusst zu machen, wie man selbst, in seiner besonderen Situation, mit bestimmten Fragen wie Sexualität, Umgang mit Frauen und Ähnlichem umgegangen ist".

"Welche Pläne hat Christoph Metzelder, hat er überhaupt welche? Im Ausland vielleicht?", will Klose zum Abschluss noch wissen. "Nein. Er hat keine konkreten Pläne, es hängt alles davon ab wie das Verfahren endet. Nicht wie es formal endet, sondern wie es atmosphärisch endet, wie er persönlich es verarbeitet. Ob er selber sagt, das ist eine faire Verarbeitung des ganzen gewesen und danach wird er neue Pläne machen. Die Pläne, soweit ich das sehe, sehen nicht so aus, dass er auswandern wird, sondern dass er sich auch nach dem Verfahren seiner gesellschaftlichen Verantwortung stellen wird und hier eine neue Rolle suchen wird."

Am 29. April startet der Prozess gegen den 40-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, einer Bekannten in 29 Fällen Besitz an kinderpornografischen Schriften verschafft zu haben. Außerdem lautet die Anklage auf Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften in einem Fall. Bis zu einer möglichen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

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