Daum-Affäre jährt sich

20 Jahre danach: RTL-Moderator von Thien erinnert sich

20. Oktober 2020 - 17:45 Uhr

Die Kokainprobe ist positiv

Vor 20 Jahren platzte in Fußball-Deutschland die Bombe: Christoph Daums Haarprobe, mit der er beweisen wollte, nicht gekokst zu haben, war positiv. Die Folge: Daum verlor seinen Trainerposten in Leverkusen, flüchtete in die USA, aus seinem Job als Bundestrainer wurde nichts. RTL-Aktuell-Moderator Andreas von Thien blickt zurück auf einen verrückten Arbeitstag im Herbst 2000.

„Wird mir ewig in Erinnerung bleiben“

"Dieser 21. Oktober 2000 wird mir ewig in Erinnerung bleiben", resümiert von Thien mit Blick auf den 20. Jahrestag der Kokain-Affäre: "Es war ganz sicher einer der verrücktesten Arbeitstage in meinem Leben."

Den Gang der Dinge rund um den Koks-Skandal und Daums legendäre Sätze auf den Pressekonferenzen sehen Sie im Video oben.

Uli Hoeneß hatte den Stein ins Rollen gebracht

Mit Christoph Daum pflegte Uli Hoeneß eine jahrelange Intim-Feindschaft
Mit Christoph Daum pflegte Uli Hoeneß eine jahrelange Intim-Feindschaft
© Imago Sportfotodienst

"Kurz vor Mittag erhielt ich einen Anruf von unserem Sportchef Manfred Loppe. Er sagte, gleich werde die Bombe platzen. Daums Haarprobe sei positiv", schildert der Sport-Moderator den Ausgangspunkt dieses verrückten Arbeitstages im Jahr 2000: "Ich war wie vom Blitz getroffen, auch die Kollegen in der Redaktion fielen aus allen Wolken. Keiner konnte sich vorstellen, dass das passieren würde. Wie konnte sich Daum nur so verzocken? Es war eine sensationelle Wende in der Drogen-Affäre."

Denn noch kurz zuvor hatte Daum beteuert, "ein absolut reines Gewissen zu haben", und sich daher zu der Haarprobe überreden lassen. Losgetreten hatte diese Debatte der frühere Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der in einem Interview mit der 'Abendzeitung' vom "verschnupften Daum" gesprochen hatte und den Stein dadurch ins Rollen brachte. Dieser Stein traf mit voller Wucht auch die RTL-Redaktion.

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„Monatelang in Atem gehalten“

"Alle waren in Aufruhr, die Nachrichtenlage war irre. Neue Informationen und Reaktionen kamen im Minuten-Takt. Um 15 Uhr gab es eine eiligst einberufene Pressekonferenz mit Bayer-Manager Reiner Calmund in Leverkusen. Ohne Daum, der schon Richtung USA geflüchtet war. Unfassbar", erinnert sich von Thien: "Auch da mussten wir uns natürlich schnell aufstellen und haben unsere Kollegen in den USA eingeschaltet. Es war auf jeden Fall ein sehr langer Arbeitstag. Der Fall Daum hat uns monatelang in Atem gehalten."

Tage später meldete sich Daum, der bis dahin mit niemandem gesprochen hatte, bei unserer Kollegin Ulrike von der Groeben und lud sie nach Florida ein. Hier erinnert sie sich an das Treffen und ein Bild, das es nie ins Fernsehen geschafft hat.