Christian Rach: "Deutschlands Lieblingsrestaurant kann jeder kleine Laden sein"

15. April 2016 - 16:29 Uhr

Rach: "Deutschland einig Schnitzelland war vorgestern"

Was genau ist 'Rach sucht: Deutschlands Lieblingsrestaurant'?

Christian Rach: "Deutschlands Lieblingsrestaurant kann jeder kleine Laden sein"
Star-Koch Christian Rach testet ab dem 4. April (21.15 Uhr) Restaurants.

Rach: "Ich suche Deutschlands Lieblings-Restaurant. Und zwar das Restaurant, das jeder eigentlich kennt, das irgendwo um die Ecke ist und wo man sagt: 'Da möchte ich heute Abend unbedingt hingehen, weil es wie mein zweites Wohnzimmer ist'. Was wahnsinnig irre ist: Wir haben ja bei RTL nur zwei Wochen lang aufgerufen und es sind über 10.000 Bewerbungen eingegangen. Über 10.000! Diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das heißt, die Leute haben geschrieben, gemeldet und gemailt, was das Zeug hält und jeder hat gesagt: 'Das ist mein Lieblingsrestaurant!' Wahnsinn!"

Es gab ja im Prinzip keine Bedingungen, unter denen man sich bewerben durfte. Wenn man einen Querschnitt dieser 10.000 Bewerbungen nimmt, was war da alles dabei?

Rach: "Es gibt keine Stilrichtung oder Nationalität oder Küchenrichtung, die nicht beworben wurde. Aber, und das hat mich wirklich erstaunt, mit Abstand die meisten Bewerbungen gab es für die deutsche Küche. Das ist eigentlich die Botschaft des Tages: Dass wir eine unglaublich lebendige Restaurant-Szene haben, die sich an deutscher Küche orientiert. Fantastisch! Wenn man mich vorher gefragt hätte, hätte ich gedacht, dass die Italiener, Griechen oder Asiaten da ganz weit vorne sind. Aber nein, weit gefehlt, die deutsche Küche, die liegt sowas von im Trend. Und was ich da erlebt und gefunden habe an Konzepten und Kreativität, das ist fantastisch. Deutschland einig Schnitzelland war vorgestern."

Was ist daran so verwunderlich?

Rach: "Für mich war es doch sehr erstaunlich, weil ich gedacht hätte, dass wir Bella Italia mit Abstand vorne haben, denn jeder kennt seinen Italiener, bei dem er sagt: 'Da bei Toni oder Mario oder wie auch immer die heißen, da ist es am besten, da ist mein Wohnzimmer, da schmecken die Nudeln, die Pizza oder der Fisch so, wie ich es brauche und die Atmosphäre ist so und ich werde herzlich begrüßt und der weiß immer alles, der Toni.'"

Ist es vielleicht auch ein Trend bei den Deutschen? Viele kochen zuhause mittlerweile sehr gerne …

Rach: "Ja, ich glaube, dass wir da wirklich einen Trend haben. Wir sehen das Ganze natürlich auch in der Musik - deutsche Musik, deutsche Texte. Die sind absolut in und wir können uns da auch wirklich daran messen, was den Beat und den Groove angeht und das ist fantastisch, nur in der Welt versteht es halt keiner. Aber genauso ähnlich geht es uns mit der deutschen Küche - Was wir da machen und was ich da gegessen habe von Flensburg bis Garmisch und von Dresden bis Aachen, das war zum Teil außergewöhnlich."

Viele Kochsendungen haben wir schon die letzten Jahre. Aber das Ganze ist jetzt schon was ganz Neues, oder?

Rach: "Das ist eine ganz neue Sendung, weil ich wirklich unglaublich viele Tipps gebe, bei denen die Zuschauer wissen, was ein Lieblings-Restaurant ist und vor allem, wo die sich im ganzen Land verstecken!"

"Es geht nicht um Sterne, sondern um Wohlfühl-Atmosphäre"

Was konkret reizt Sie an der Sendung im Speziellen?

Rach: "Ich finde es natürlich wahnsinnig toll, dass wir hier das Positive herausstellen. Wir müssen nach vorne gehen und den Leuten auch mal sagen, wie toll unsere Gastronomie-Szene ist. Das zu sehen und zu zeigen, ist unglaublich toll."

Zurück noch einmal zu den Restaurants und den Bewerbern. Wir sagten 'no limits', keine Kriterien im Prinzip, das heißt also, es kann, jetzt mal ganz überzogen, das Bistro um die Ecke sein.

Rach: "Genau, es geht nicht um Sterne, Mützen, Koch, Gabeln oder Löffel, sondern es geht wirklich um Wohlfühl-Atmosphäre. Selbstredend muss das schmecken, aber das kann auch beim Imbiss um die Ecke sein. Wir alle lecken uns die Finger ab, wenn eine Currysoße mal selbstgemacht ist bei der Wurst. Leider gibt es da noch großen Nachholbedarf, aber das heißt, Burgerläden, Steakhäuser und anderes gehören genauso da hinein und kriegen hier auch ihre Plattform."

Macht das genau den Charme und den Reiz aus, dass es jeder kleine Laden sein kann?

Rach: "Genau, Lieblingsrestaurant kann jeder kleine Laden sein und das hat überhaupt nichts mit dem Geldbeutel zu tun. Das heißt, man muss nicht 50 Euro beim Essen gehen investieren, um zu sagen, ab dann kannst du Lieblingsrestaurant werden, sondern das kann wirklich der kleine Toni um die Ecke sein oder der Grieche auf dem Land. Das kann aber auch edel mit Stern sein. Es wäre also genauso fatal die Kollegen auszuschließen, die sich da tagtäglich absolute Mühe geben und die sagen, ein gutes Produkt kostet halt was. Aber Bedingung ist das nicht."

Wie schwierig war es, aus den 10.000 Bewerbungen schlussendlich diejenigen herauszufiltern?

Rach: "Es war natürlich die größte Herausforderung aus über 10.000 Bewerbungen die Spreu vom Weizen zu trennen. Und wie haben wir das gemacht? Ich habe eine zweite Runde eingeläutet. Da habe ich ganz normale Anforderungen an die Restaurants gestellt, wie: 'Hey, schick mir doch mal die Speisekarte. Mach mal einen Vorschlag dazu. Beschreib mal kurz die Küchenrichtung'. Dann gab es ein großes Tester-Team. Ich habe Food-Journalisten engagiert. Die sind zusammen mit Mitgliedern aus meiner Redaktion durch das gesamte Land gedüst und haben mittags und abends gegessen, berichtet, fotografiert, immer ihre Rechnung bezahlt und am Anfang heimlich Fragen gestellt. Dann haben wir ausgewertet und bewertet und dann bin ich auch nochmal los und am Ende des Tages hatten wir zwei bis drei Hände voll großartiger verschiedener Konzepte, die dann auch nochmal ganz speziell vorgestellt werden."

Wenn man am Ende diese handvoll Restaurants hat, mit denen die Sendung arbeitet, weiß der Zuschauer ja erstmal gar nichts. Was konkret wird passieren? Wie genau ist das Prozedere?

Rach: "Wir haben sechs Sendungen. In der ersten stelle ich das ganze Konzept vor. Außerdem viele Inhalte, Essen, und wie wir darauf überhaupt gekommen sind. Und dann erfährt der Zuschauer, dass ich die Restaurants in Gruppen einteile: deutsche Küche, Italien, Lieblings-Steakhouse und eine Spezial-Gruppe: Da sind ein veganes Restaurant drin, ein Thailänder, ein Grieche und ein Franzose. Am Ende gibt es immer Sieger und diese Sieger machen untereinander dann nochmal den Titel 'Das Lieblingsrestaurant Deutschlands' aus. Natürlich kann jeder sagen: 'Naja, wenn der Rach da reinkommt, dann ist natürlich das Schnitzel das Beste, der Fisch stinkt nicht und der Brokkoli ist nicht matschig und noch schön leuchtend grün. Das ist richtig. Also habe ich immer noch Lieschen Müller und Hans Meier als Undercover-Gäste dahin geschickt mit ganz speziellen Aufgaben und das ist richtig spannend!"