Christian Lindner befürwortet Kopftuchverbot für junge Muslimas

09. April 2018 - 20:10 Uhr

FPD-Chef Christian Lindner unterstützt Parteikollege Joachim Stamp

Soll Muslimas unter 14 Jahren das Tragen eines Kopftuchs verboten werden? Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner spricht sich für ein solches Verbot aus und stellt sich damit an die Seite seines Parteikollegen Joachim Stamp.

Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren?

Geht es nach Christian Lindner, dürfen Mädchen in Deutschland demnächst erst ein Kopftuch tragen, wenn sie 14 Jahre alt sind. Ein solches Verbot sei verhältnismäßig und stärke die Persönlichkeitsentwicklung der Mädchen, sagte Lindner der Deutschen Presse-Agentur. "Es ist zugleich ein leider notwendiger Hinweis, dass unsere moderne Gesellschaft die individuelle Religionsfreiheit auch innerhalb von Familien verteidigt", so Lindner.

Damit pflichtet Christian Lindner seinem Parteikollegen Joachim Stamp bei. Der nordrhein-westfälische Integrationsminister hatte in der 'Bild' gefordert, religionsunmündige Kinder dürften nicht dazu gedrängt werden, ein Kopftuch zu tragen. Daher solle ein Verbot geprüft werden. Nur erwachsene Frauen könnten sich selbstbestimmt für oder gegen ein Kopftuch entscheiden.

Offenbar in Richtung Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte Lindner, statt sinnfreie Islamdebatten zu führen, setze Stamp auf "Entscheidungen für eine fordernde, liberale Integrationskultur". Die FDP-Bundestagsfraktion werde nach der Osterpause prüfen, wie die NRW-Initiative in den Bundestag getragen werden könne.

Kritische Töne aus Baden-Württemberg

Vom Koalitionspartner der Liberalen in NRW kommen ähnliche Töne. Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) sagte laut WDR: "Einem jungen Mädchen ein Kopftuch überzustülpen, ist pure Perversion. Das sexualisiert das Kind. Dagegen müssen wir klar Position beziehen." In der 'Bild' ergänzte Güler: "Lehrer beobachten an den Grundschulen immer häufiger, dass schon siebenjährige Schülerinnen mit Kopftuch in den Unterricht kommen." In Ausnahmefällen erschienen sogar Kinder mit Kopftuch in den Kitas.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) äußerte sich gegenüber der Deutschen Presse-Agentur kritisch: "Ich persönlich halte nichts von solchen Verboten." Toleranz, Weltoffenheit und Diversität gehörten an jede Schule und jeden Kindergarten. "Deshalb arbeiten wir auch nicht mit Untersagen." Noch schärfer reagierte der Vorsitzende des Islamrats für Deutschland, Burhan Kesici auf den FDP-Vorschlag: "Kopftuchzwang und Kopftuchverbot schlagen in dieselbe Kerbe: Beide entmündigen Muslimas." Er bezeichnete die Debatte als "populistisch, symbolgeladen und inhaltsleer".

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